Das Telefon klingelte am Morgen des 15. Januar immer wieder, irgendwann nahm Hans Hess (59) es doch noch ab, denn es musste wohl wichtig sein. Aus Spass habe er seinen Begleitern gesagt, dass wohl die Nationalbank (SNB) die Untergrenze aufgehoben habe. Hess, der den Maschinenindustrieverband (Swissmem) präsidiert, wünscht sich heute, dass es beim schlechten Witz geblieben wäre. Aber SNB-Präsident Thomas Jordan hat ernst gemacht.

«Die Aufhebung des Mindestkurses ist für den Schweizer Werkplatz eine Katastrophe», sagt Hess. Die Unternehmer werden sich arrangieren mit den neuen Spielregeln, davon ist er überzeugt. «Aber nicht wenige von ihnen werden Arbeitsplätze ins Ausland verlagern.» Sie hätten beim Euro-Franken-Kurs von eins zu eins in vielen Fällen keine andere Wahl, denn sie hätten die meisten anderen Massnahmen zur Kostensenkung und Margensteigerung bereits umgesetzt.

Hess appelliert jetzt an die Politik, kostentreibende Regulierungen zu vermeiden und die SVP-Zuwanderungsinitiative EU-kompatibel umzusetzen: «Jetzt können wir es uns definitiv nicht mehr leisten, die bilateralen Verträge zu verlieren.» Und Hess hofft, dass Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf mit der Unternehmenssteuerreform III zügig vorwärtsmacht. «Das wäre mal eine Reform, die der Wirtschaft etwas bringt.»

Die Gegner

Keine Freude hat Hans Hess an den linken und rechten Exponenten, die «nur Marketing machen für sich selbst und zulasten des ganzen Landes». Konkret denkt er an SP-Chef Christian Levrat, «den grossen Umverteiler», an den Kampfgewerkschafter Corrado Pardini, «einen Selbstdarsteller», aber auch an Christoph Blocher, dessen SVP er «in wichtigen Fragen als wirtschaftsfeindlich» taxiert.

Unzufrieden war Hess jüngst auch mit Justizministerin ­Simonetta Sommaruga, die im letzten Herbst die Drittstaaten-Kontingente kürzte. Sorgen bereitet Hess die von SP-Nationalrätin Jacqueline Badran und EVP-Präsident Heiner Studer lancierte Erbschaftssteuerinitiative, über die wohl im Juni abgestimmt wird. Sie erschwere die Nachfolgeregelung in Familienunternehmen.

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Schwer tut sich Hess auch mit gewissen Positionen des von Hans-Ulrich Bigler und SVP-Nationalrat Jean-François Rime geführten Gewerbeverbands, der die SVP-Zuwanderungsinitiative nur halbherzig ablehnte und nach dem Mindestkurs-Entscheid des SNB-Präsidenten Thomas Jordan gar ein Jubel-Communiqué verschickte.

Die Freunde

Einer von Hans Hess’ ältesten und engsten Freunden ist der Thurgauer SVP-Ständerat Roland Eberle, auch wenn sie politisch nicht immer einer Meinung sind: Sie kennen sich aus der Grenadierschule in Isone TI, Eberle war Korporal, Hess Rekrut. Das ist aber nicht Hess’ einzige Militärbekanntschaft: So war er mit seinem Vorgänger an der Swissmem-Spitze, Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann, Mitte der 1980er Jahre in denselben Generalstabskursen. Ebenfalls mit dabei war der Bankier Konrad Hummler. Ein Wegbegleiter von Hess ist auch Arbeitgeber-Präsident Valentin Vogt: Sie treffen sich im Vorstand von Economiesuisse – und im Verwaltungsrat von Burckhardt Compression, den Vogt präsidiert. Einst war die Hierarchie umgekehrt: Da war Hess Präsident und Vogt CEO.

Enge persönliche Kontakte pflegt Hess auch zur Industrie, so mit Philip ­Mosimann, Chef von Bucher Industries, Stadler-Rail-Besitzer Peter Spuhler, Swiss-Tools-CEO Eva Jaisli oder dem Sonova-Chef Lukas Braunschweiler, mit dem er studierte.

Gut vernetzt ist Hess, der von 2008 bis 2011 Mitglied des ETH-Rats war, auch mit der Forschungswelt, wie mit den ETH-Präsidenten von Zürich und Lausanne, Lino Guzzella und Patrick Aebischer, mit Guzzellas Vorgänger Ralph Eichler oder Empa-Direktor Gian-Luca Bona. Seinen Draht ins Bundeshaus pflegt Hess unter anderem über Ruedi Noser und Christian Wasserfallen (FDP), Pirmin Bischof und Gerhard Pfister (CVP) oder BDP-Unternehmer Hans Grunder. Und natürlich kennt er seinen Namensvetter, den Obwaldner FDP-Ständerat.

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