Von Bill Davidson, Urenkel des Harley-Davidson-Firmengründers, stammt ein wunderschönes Bonmot. «Wir verkaufen Träume», pflegt er zu sagen, «und das ­Motorrad gibts gratis dazu.»

Tatsächlich ist Harley-Davidson ein Mythos aus Blech und Stahl. Laut. Ur­tümlich. Unverwüstlich. In den letzten 15 Jahren hat die Marke überdies kaum etwas falsch gemacht, dafür sehr vieles genau richtig. Und so kommt es, dass heute ebenso Bauarbeiter die Eisen aus Milwaukee fahren wie «Zahnwälte», Professoren, Topmanager oder Art Directors.

Sie alle legen viel Geld für ihren Traum auf den Tresen. Und oft noch mal so viel für Harley-Klamotten und -Gadgets: ein Stück Chrom hier, ein besonderer Lenker da, eine coole Tankabdeckung, ein tief­gelegter Rahmen, ein spezieller Gepäckträger. Customizing nennt sich das.

«Puahhh!»

Doch jetzt steht eine Harley vor mir, die schon ab Werk aussieht, als käme sie von einem Customizer. Der Hinterreifen ist so dick, wie er bisher noch nie ab Fabrik geliefert wurde. Gut, man kann nachträglich noch dickere Gummis aufziehen lassen, doch diese Walze hat es in sich.

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Ein paar Jungs, die eben mit ihren Velos angefahren sind, stehen staunend vor dem 240-Millimeter-Ding: «Puahhh!» Etwas prosaischer gibt sich ein Zimmermann, der nebenan eine Pfette für einen Schuppen zurüstet: «Kann man damit auch fahren?» Antwort eins: Man kann. Antwort zwei: Es macht sogar Spass. Antwort drei: Es fährt sich allerdings anders. Anders als mit anderen Motorrädern.

Man geniesst

Ich drücke den Anlasser. Die Sitz­position fühlt sich zu Beginn, freundlich gesagt, etwas kurios an, der Ton des 103-Cubic-Inch-Twin-Cam-Motors ist hingegen betörend. Klack!, macht das Getriebe, und weg sind wir.

Ein Renntöff ist die Harley nicht, das will sie auch gar nicht sein. Doch 130 Newtonmeter Drehmoment sind ein ­brachialer Wert. Da kann ein giftgrün ­gekleideter Knieschleifer lange üben – am Start ist er mit seiner japanischen Hightechmaschine gegen das Eisen aus Milwaukee chancenlos. Erst beim Hochdrehen kommt sein Rennbike zur Geltung.

Wer die Breakout kauft, hat ohnehin kein Rennen im Sinn. Mit diesem Töff jagt man nicht um die Passkurven, sondern fährt entspannt. Man cruist um den Comersee. Man fährt über Land zum urigen Plättli im Landgasthof. Man geniesst. Man hört das sonore Stampfen des Motors. Man freut sich an der Kraft. Und man weiss: Notfalls könnte man ganz anders.

Harley-Davidson FXSB Breakout
Antrieb: V2-Twin-Cam-Benzinmotor
Kubik: 1690 ccm
Leistung: 55 kW (74PS)
Drehmoment: 130 Nm (bei 3000 U/min)
Verbrauch: 5,6 Liter
Preis: ab 21'510 Franken