Es erscheint bloss als eine Frage der Zeit, wann die Schweizer Hero die ebenfalls schweizerische Hipp auch auf deren wichtigstem Markt, dem deutschen, attackieren wird. «Wir sind Marktführer», nennt Seniorchef Claus Hipp seine dort gewichtige Rolle. Erster Hipp-Herausforderer zwischen Flensburg und Weil am Rhein bleibt vorerst noch die Nestlé-Tochter Alete mit den Marken Beba, Milasan und eben Alete.

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Doch Hero hat unter ihrem 43-jährigen Chef Stefan F. Heidenreich in den vergangenen zwei Jahren bei der Säuglingsnahrung kräftig zugelegt, zuletzt mit der Übernahme der Stockholmer Semper AB, des Marktführers im skandinavischen Babybrei-Business. Grossen Appetit auf Konkurrenten hat Hero bereits seit Anfang 2004 immer wieder demonstriert, angefangen auf dem Schweizer Markt. Da schluckte der Multi aus dem Aargau Galactina und liess im luzernischen Hochdorf «die modernste Kindernährmittelfabrik der Schweiz» hochziehen.

In den USA hissten die Strategen um Heidenreich wenig später mit der Übernahme von Beech-Nut mit mehr als 200 Millionen Franken Umsatz die Hero-Flagge und belegen nun den zweiten Rang in der US-Bestsellerliste der führenden Hersteller von Säuglingsnahrung. Vom US-Lebensmittelgiganten Heinz übernahm Hero die Babynahrungslinie Sunar, eine Marktmacht in Tschechien und der Slowakei. Mit dem türkischen Nahrungsmittelkonglomerat Ülker spannten die Lenzburger zusammen und stiegen am Bosporus in Rekordzeit zur Nummer eins auf. In Ägypten bereitet Hero die Aufnahme einer eigenen Produktion vor, um von dort aus den gesamten Mittleren Osten und Afrika mit Babykost zu füttern.

Hielt der Geschäftszweig Babynahrung 2003 noch einen Umsatzanteil von rund zwölf Prozent am gesamten Hero-Geschäft, dürfte dieses Business inzwischen durch die Zukäufe gut ein Drittel zu den Jahreserlösen des Lenzburger Konzerns beitragen. In Zahlen: Von insgesamt rund 1,4 Milliarden Franken entfallen zurzeit gegen 500 Millionen Franken Umsatz auf den wachstumsstärksten Hero-Ableger. Tendenz steigend, denn im laufenden Jahr wird Heidenreichs jüngster Zukauf, die skandinavische Semper, mehr als 100 Millionen Franken an den Umsatz beisteuern.

Mit dem Erwerb von Semper steht Hero nun im Norden Deutschlands direkt vor Hipps Domäne. Die Hero-Gruppengesellschaft Schwartauer Werke, ein führender deutscher Konfitürenhersteller, residiert seit Jahrzehnten nahe der dänischen Grenze und verfügt speziell in der Heimat über ein engmaschiges Distributionsnetz. Die Region um Bad Schwartau kennt Heidenreich aus dem Effeff. In der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt Kiel hatte er studiert.

Ein früherer Kommilitone steht demnächst als Verstärkung bereit. Ab März wird mit Thorsten Grenz der frühere Chef der deutschen Mobilfunkgruppe Mobilcom ins Hero-Board einziehen. Landeskundig in Deutschland ist ohne jede Frage auch der Hero-Mehrheitsaktionär Arend Oetker. Wer zuletzt solche Investments mit Kaufpreisen im mittleren dreistelligen Millionenbereich in den Säuglings-Ernährungsmarkt abgesegnet hat, wird dieses Geschäftsfeld im eigenen Land nicht auf Dauer brachliegen lassen.