Die Absage des diesjährigen Weltwirtschaftsforums ist ein herber Schlag für Davos. Tausende Menschen strömen Jahr für Jahr in den Wintersportort. Nun brechen einige Hotels die Wintersaison bereits im Januar ab. HZ hat mit der Managerin des Steigenberger Grandhotel Belvédère gesprochen. Es ist das führende «Wef-Hotel», das während der Gipfeltage Staatspräsidenten, CEOs und Prominente aus aller Welt beherbergt.

Das Weltwirtschaftsforum findet dieses Jahr nicht in Davos statt. Wie wirkt sich dies auf Ihr Hotel aus?
Tina Heide: Alles ist anders: Diese Woche hätten wir normalerweise mit den Vorbereitungen für das WEF begonnen. Es wären 100 Festangestellte im Hause sowie 200 Hotelaushilfen sowie weitere 200 Dienstleister für IT, Technik und Messebau. Wir bauen jedes Jahr 2500 Quadratmeter an das Hotel an für die insgesamt 70 Besprechungsräume und 18 Event-Locations, die wir dem WEF zur Verfügung stellen. Diese «Metamorphose» findet diesmal nicht statt. 

Wie läuft der Betrieb stattdessen?
Sehr beschaulich, wir sind ein Berghotel mit 126 Zimmern. Wir belegen im Moment aber maximal 60 Zimmer, also etwas weniger als die Hälfte. Nur so können wir die Hygiene- und Abstandsregeln einhalten. Unsere Gäste können sich dadurch fast uneingeschränkt im Hotel bewegen. 

Es geht also sehr viel ruhiger zu als zu «normalen» Zeiten. 
Ja, vor allem im Vergleich zum WEF, da haben wir täglich 8000 bis 9000 Menschen, die bei uns ein- und ausgehen. Wir organisieren normalerweise mehr als 300 Veranstaltungen für das WEF. Normalerweise gehen 85 Prozent unserer Zimmer an WEF-Teilnehmer.

Wie viele Gäste haben Sie derzeit?
Unter der Woche ist es recht ruhig, heute haben wir beispielsweise nur 25 Gäste im Haus. An den Wochenenden waren wir bisher ausgebucht, auch über Weihnachten und Silvester. 

Überlegen Sie, das Hotel ganz zu schliessen?
Nein. In der letzten Sommersaison hatten wir uns entschlossen, nicht zu öffnen, da wir mehr Stornierungen als Buchungen hatten. 

Die Wintersaison ist bisher rentabel? 
Wir haben entsprechend geplant: Wir haben derzeit 44 Mitarbeiter statt normalerweise 100, ausserhalb von Ferienzeiten und Wochenenden sind sie in Kurzarbeit. Hätten wir alle unsere 100 Mitarbeitenden eingestellt, könnten wir das wirtschaftlich natürlich nicht stemmen.

Tina Heide, General Manager Steigenberger Grandhotel Belvedere in Davos

Tina Heide: Die Hotel-Managerin leitet das Steigenberger Grand Hotel Belvédère seit 2018.

Quelle: Steigenberger Grandhotel Belvédère

Am Wochenende des 23. und 24. Januar – dem ursprünglichen WEF-Termin – kostet eine Junior-Suite 350 Franken. Haben Sie die Preise gesenkt?
Nein, die Zimmerpreise haben wir deshalb nicht gesenkt, das wäre ein falsches Zeichen. Es gibt schon Paketpreise über verschiedene Reiseveranstalter und die Preise variieren je nach Nachfrage und je nachdem, wie lange im Voraus man bucht. 

Wie stark fehlen die internationalen Gäste aufgrund der Reisebeschränkungen?
Extrem. Das haben wir bereits im Sommer gemerkt, dann kommen normalerweise bis zu 90 Prozent unserer Gäste aus dem aussereuropäischen Ausland. Und daher hatten wir letztendlich nicht geöffnet. Derzeit kommen 70 Prozent unserer Wintergäste aus der Schweiz, aber auch einige aus dem europäischen Ausland.

Und wie lange bleibt das Belvédère geöffnet?
Bis Anfang April. Durch unsere aktuelle Planung mit halber Kapazität und weniger Mitarbeitern können wir uns das auch erlauben. Über die Osterferien können wir unseren Gästen hoffentlich auch wieder mehr Entertainment wie Konzerte anbieten, die über Weihnachten nicht stattfinden konnten. 

Was wiegt schwerer für Sie: die Corona-Pandemie oder der Ausfall des WEF?
Dass das WEF nicht in Davos stattfindet, ist durch die Pandemie bedingt. Natürlich merken wir auch, dass die Menschen Corona-bedingt weniger reisen. Aber dass das WEF nicht stattfindet, ist für unser Haus eine Katastrophe. Wir sind eines der wichtigsten Veranstaltungshotels, das kann man mit Buchungen durch Schweizer Gäste nicht ansatzweise kompensieren.

Wie gross ist der finanzielle Schaden?
Wir haben eine sechsstellige Summe in Schutz- und Hygienemassnahmen investiert, damit wir überhaupt aufmachen konnten. Dazu zählen beispielsweise verlängerte Frühstückszeiten, Desinfektionsmittel und Masken auf dem Zimmer, ein Shuttle-Service für unsere Gäste oder dass nur 50 Prozent der Zimmer in den Verkauf gehen. Das müssen wir erst wieder reinholen.