Fast immer lacht die Sonne am ISC, die Götter meinen es gut mit den Organisatoren. Zu Recht möchte man meinen, denn sie machen einen guten Job. Nicht nur der strahlende Himmel besticht Jahr für Jahr am Symposium, sondern auch Programm und Teilnehmer-Mix.

Studenten, Professoren, treue Alumni wie Josef Ackermann, Peter Wuffli oder Walter Kielholz tummeln sich jeweils im Audimax um die Buffets und auf der Terrasse, zusammen mit vielen internationalen Grössen. 800 Gäste aus 70 Ländern waren diesmal dabei.

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Darunter etwa Singapurs Finanzminister Tharman Shanmugaratnam, dessen Auftritt ein inhaltlicher Höhepunkt des Symposiums war. Er rief dazu auf, statt auf mathematische Formeln vermehrt auf altmodische Prinzipien zu bauen. Und plädierte für ein Ausbildungssystem, das breit ausgerichtet ist, sich nicht alleine auf Unis als Ausbildungsstätten abstützt und auch Ingenieur- und technische Wissenschaften berücksichtigt.

Im Zentrum des Forums standen die Ursachen und die Bewältigung der Krise. Ob wir bereits "Frühlingserwachen" sehen und spüren oder neuer Frost kommt, sei noch nicht eindeutig, meinte CS-Chef Brady Dougan. Die Entwicklung in der Finanzindustrie sei klar der Hauptindikator für das, was nun alle erwarte. 2009 werde ein "sehr kritisches Jahr", in dem aber gleichzeitig "die Möglichkeit bestehe, das Fundament für künftigen Wohlstand zu legen". Ganz klar, dass der Bankchef für eine Exit-Strategie bei Staatsbeteiligungen plädierte. Neue Regulierungen? Ein bisschen vielleicht, aber bloss nicht zu viel und vor allem die richtigen. Wirklich konkret wurde Dougan nicht. Der interessanteste Punkt: Wie kann man das prozyklische Verhalten in einem Unternehmen durchbrechen, und in einer Organisation die Disziplin entwickeln, im richtigen Moment auszusteigen oder auf die Bremse zu stehen? Eine Frage, so Dougan, die er sehr oft mit seinem Präsidenten Walter Kielholz diskutiere. Der Kern des Problems liege wohl in der menschlichen Natur.

Die derzeit viel heraufbeschworene Frage des "moral hazard", also der moralischen Verfehlungen Einzelner, die das Gemeinwohl schädigen, tat Dougan als "politisch heraufbeschworenes Schlagwort" ab. Sein Podiumspartner Paul Achleitner doppelte nach, die Diskussion über Moral sei vielleicht "intellektuell stimulierend, aber praktisch nicht relevant". Der Allianz-Vorstand und HSG-Alumnus stahl dem CS-CEO mit Bildsprache und Wortwitz ein wenig die Show. Achleitner beschrieb die Krise aus der "Grossmutter-Perspektive", sodass sie auch seine Omama verstanden hätte. Er verglich die Weltwirtschaft mit dem menschlichen Körper und die Finanzindustrie mit dem Herz-Kreislauf-System, das zu viel Doping abbekommen habe. Er fürchtet sich bereits vor dem nächsten Problem, den Chirurgen nämlich, die zur Rettung gerufen wurden und nun zu viel Gefallen an ihrer Arbeit finden könnten.

Ein grosses Spotlight war am diesjährigen Symposium auf die Industrie gerichtet. Stargast war nämlich Fiat-Vizepräsident John Elkann, viel beachtet und genau beobachtet. Ein jeder wollte wissen, wie er sich als Redner schlagen würde, der Industrieerbe, der keinen Tag älter als 32 aussieht und wirkt, als könnte er kein Wässerchen trüben. Das Fazit war gut. Elkann sprach leicht nervös, aber fokussiert und ganz ohne Spickzettel. Selbsterhaltung um jeden Preis könne nicht das Ziel sein, so verteidigte er das offensive Werben von Fiat um die GM-Töchter. Erstmals hörte man direkt aus seinem Munde Konkretes zu den Plänen. Man wolle nicht Opel übernehmen, sondern die Fiat Car Group mit GM Europa kombinieren. Damit liess der Enkel des 2003 verstorbenen Patriarchen Gianni Agnelli durchblicken, dass man nicht nur an Opel Interesse habe, sondern auch an deren Schwestern Saab und Vauxhall. Vorlaute Studentenvoten zum "Chrysler-Deal" konterte er ungnädig: "Ich frage mich ja, woher Sie mehr darüber wissen als ich." Und auf die Frage nach einer möglichen Kooperation mit französischen Autoherstellern bewies er trockenen Humor: "Die Komplexität ist bereits hoch genug." Im Audimax war man sich einig: Elkann erhält das Testat.


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