In Europa ist das grosse Zeitalter der Luxuszüge schon längst vorbei. Nicht aber in Japan, wo sich die verschiedenen Bahngesellschaften mit neuen, extravaganten Konzepten überbieten. Letzten Oktober setzte JR Kyushu mit dem Nanatsuboshi (Sieben Sterne) einen neuen Standard im luxuriösen Zugfahren.

Architektonisch dem Orient-Express nachempfunden, reist der wohlhabende Tourist mit diesem sogenannten Cruise-Zug luxuriös durch die japanische Südinsel. Hier ist das Tempo zweitrangig. Vielmehr steht der Genuss im Vordergrund. Suites mit eigenem Badezimmer, ein Lounge- und ein Restaurant-Waggon gehören zur modernen Ausstattung. Das Vergnügen hat seinen Preis. Eine viertägige Zugfahrt kostet bis zu 1,25 Millionen Yen (8900 Euro).

Die Konkurrenz zieht nach

Der Nanatsuboshi ist seit seiner Einführung vor acht Monaten derart erfolgreich, dass JR East nun nachzieht und dem luxuriösen Reisen auf Schienen mit einem eigenen Cruise-Zug die Krone aufsetzen möchte, wie die Bahngesellschaft, welche die Grossregion Tokio sowie den Nordosten Japans bedient, bekanntgegeben hat. Im Gegensatz zur nostalgischen Einrichtung des Nanatsuboshi wird der noch zu bauende Zug ein Design im Stil eines modernen Fünfsterne-Hotels erhalten.

Der neue Luxuszug wird mit 10 Waggons ausgestattet, die 34 Gästen Platz bieten werden. Die teuersten Schlafzimmer werden sogar doppelstöckig eingerichtet. Wie der Nanatsuboshi wird es einen Lounge- wie auch einen Restaurant-Waggon haben. Im vordersten und hintersten Wagen wird den Gästen mit grosszügigen Fenstern eine Panoramaaussicht geboten. Für das Design zeichnet sich der Japaner Kiyoyuki Okuyama verantwortlich, der auch schon für Ferrari und am neuen Hokuriku-Shinkansen (Asienspiegel berichtete) arbeitete.

Noch trägt der Luxuszug von JR East keinen Namen. Auch die genaue Strecke ist noch nicht bestimmt. Läuft aber alles nach Plan wird der Schlafzug ab dem Frühjahr 2017 seinen Betrieb aufnehmen.

Luxus für Geschäftsreisende

JR East hat nicht nur die wohlhabende Touristen als neue Kunden entdeckt. Auch für die Geschäftsreisenden wird immer mehr Aufwand betrieben. So bietet der Tohoku-Shinkansen seit drei Jahren mit der Gran Class eine neue Luxuklasse (Asienspiegel berichtete).

Auch im Hokuriku-Shinkansen, der ab nächstem Jahr seinen Betrieb aufnehmen wird, wird den zahlungskräftigen Geschäftskunden derselbe Komfort angeboten.

 

Dieser Artikel erschien zuerst auf asienspiegel.ch - News aus Japan, China und Korea.