Es war ein Zeichen, dass die Zeiten bei Sarasin endgültig geändert haben – auf den Eklat im Verwaltungsrat und den Austritt der beiden unabhängigen Mitglieder Christoph Ammann und Peter Derendinger reagierte der neue Mehrheitsbesitzer mit einer Machtdemonstration: Gleich fünf Leute entsendet die ­Safra-Gruppe in den VR der neuen Tochter. Damit wird Safra im achtköpfigen Gremium fortan klar am Drücker sein.

Die lange gehegte Hoffnung, auch unter dem neuen Dach eine gewisse Unabhängigkeit zu bewahren, erwies sich damit als Illusion. Der bisherige Besitzer, die holländische Rabobank, die ihre Mehrheit im Herbst an Safra verkaufte, hatte die Leinen stets locker gelassen und war nur mit zwei Vertretern im Rat.

Im VR von Sarasin war in den letzten Monaten die Frustration gestiegen. Die neuen Besitzer zeigten wenig Willen, Präsident Ammann und die anderen Verwaltungsräte in ihre Pläne zu involvieren. Informationen blieben trotz Nachfragen Mangelware, wodurch der VR nur erahnen konnte, welche Vorstellungen die neuen Besitzer haben. Dabei waren wichtige Dossiers zu bearbeiten, etwa die Frage, welchen Preis Safra den Publikumsaktionären für deren Sarasin-­Papiere bieten wolle. Auch andere Mitglieder sollen den Austritt erwogen haben, berichten Insider. Doch Ex-Sarasin-Teilhaber Hans-Rudolf Hufschmid und CSU-Politikerin Dagmar Wöhrl konnten von Safra eingebunden werden, Hufschmid offenbar mit dem Versprechen, er werde Vizepräsident.

Auch bei Sarasin setzt Clanchef ­Joseph Safra auf bewährte Kräfte, etwa Sohn Jacob Safra, den Westschweizer Buchprüfer Pierre-Alain Bracher, Vizepräsident der Banque Safra (Suisse), sowie deren CEO Marcelo Szerman.