Welcher Uhrenfreund hat nicht schon von seiner ­eigenen, idealen Uhr fantasiert? Von einer zauberhaften uhrmacherischen Alchemie sozusagen: einem bisschen Rolex, etwas Panerai, einem Schuss Patek Philippe und einer Prise Omega zum Beispiel.

Wir hatten diesen Traum. Und wir haben ihn wahr gemacht. Wir, das sind zwei Freunde. Der eine ist Neuenburger, Architekt, Filmemacher und Künstler. Der andere bin ich, gebürtiger Greyerzer, via Journalismus zur Passion für die Uhrmacherei gekommen. In beiden schlummert schon lange der Wunsch, eine eigene Uhr zu bauen. Simpel soll sie sein, ehrlich, von allem Marketing-Gedöns befreit.

Die Initialzündung kommt zufällig auf einer ­Terrasse an einem lauen Sommerabend im Jahre 2012: Magnus Paulsson, ein schwedischer Film­produzent und guter Freund, erzählt, er wolle eine Schweizer Uhr erwerben. Und er fragt uns um Rat.

Der Motor ist gestartet

Damit ist der Motor gestartet, es fehlt bloss noch der geeignete Transmissionsriemen. Und wieder kommt die Lösung von einem guten Freund: Yvan Ketterer, Uhrmacher, Designer, ehemaliger Produktechef bei Girard-Perregaux, hat sich kürzlich ­selbständig gemacht und das Unternehmen YK FOR gegründet. Wie ein Architekt beim Hausbau will er seine Klienten bei privaten Uhrenpro­jekten begleiten. Er wird uns helfen.

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Yvan Ketterer hört zu, stellt Fragen – und amüsiert sich. Die zwei Freunde, die ihm gegenüber­sitzen, haben nämlich ziemlich auseinanderdriftende Visionen. Der eine glaubt, das gute Design werde sich einfach so ergeben. Der andere ist mit einem Berg voller fertiger Ideen angereist, Holz­modell inklusive. Das alles scheint vorläufig ein bisschen unausgegoren – wir müssen zurück auf Feld 1.

Fixe Rahmenbedingungen

Erster Punkt: Wir fixieren die Rahmenbedingungen. Da ein Service von uns nur beschränkt ­gewährleistet werden wird, muss die Technik ausgereift sein und die Uhr von jedem Quartieruhr­macher problemlos gewartet oder sogar repariert werden können. Wir entscheiden uns also für einen Universaltraktor als Werk: das ETA 2824 oder das mehr oder weniger entsprechende Sellita SW200. Das Gehäuse wird aufs Wesentliche reduziert, kein Anbauelement, dafür ein geschraubter Boden mit einer Rillendekoration, die an den Bauch eines ­Walfisches erinnert. Die Krone soll imposant sein, solide in einem Tubus platziert und mit doppelter Dichtung versehen.

Das Design steht zunächst in weiter Ferne. Es wird ein paar Dutzend Prototypen aus Holz oder Fimo-Modelliermasse brauchen, dann einen 3-D-Druck aus Kunststoff. Parallel dazu entsteht auch das Gesicht; Zifferblatt und Zeiger entwickeln sich aus Hunderten von Zeichnungen.

Erster Schock

Endlich: erste technische Pläne, erster Kostenvoranschlag – erster Schock. Wir müssen das Projekt überarbeiten. Und mindestens zehn Stück ­produzieren, um die Kosten im Griff zu behalten. Wir entscheiden uns, die Uhr in Subskription zu verkaufen. «Le Magnus», so soll sie heissen, wird via Mailing 40 Bekannten präsentiert. Nach zwei Wochen liegen zehn Bestellungen vor. Wir geben 15 Stück in Auftrag, womit die Kosten pro Uhr etwas über 2000 Franken betragen werden.

Die Fertigung der Uhr wird noch einige Monate beanspruchen. Wir müssen praktisch für jede einzelne Komponente einen Lieferanten oder einen Handwerker finden. Kurz vor der Uhrenmesse Baselworld ist das Ziel erreicht: Die erste Uhr wird nach Malmö geliefert. Magnus Paulsson, der Filmemacher, ist begeistert.

Wir sind es auch.