Ein karg möbliertes Eckbüro im fünften Stock, hoch über dem Showroom in Schlieren bei der Merbag. Sie ist die grösste Handelsorganisation für Autos und Nutzfahrzeuge von Mercedes in der Schweiz. Firmengründer Herbert Stüber arbeitete in diesem Büro, nach seinem Tod übernahm es sein Sohn Peter Stüber, der das Präsidium der Merbag Holding nun seinerseits an seine Tochter Karin Stüber übergab. Beide sind analytische, zurückhaltend-freundliche Charaktere, die zuhören und nachdenken, bevor sie antworten.

Herr Stüber, Sie wurden 1988 Chef der Merbag.
Peter Stüber (P.S.): Kann sein, dass ich damals Delegierter des Verwaltungsrats wurde. Eingetreten in die Firma bin ich 1968.

Vor einem halben Jahrhundert.
P.S.: Ich habe dann in verschiedenen Jobs gearbeitet, auch in der Importgesellschaft Mercedes-Benz Schweiz, die ich 1973 gegründet habe und die heute zum Daimler-Konzern gehört. Aber wann ich jeweils welche Funktionen übernommen habe, weiss ich im Detail nicht mehr.

Im Juli haben Sie den Stab an Ihre Tochter übergeben. Ist Wehmut dabei?
P.S.: Nein, nein. Jetzt sind es doch 51 Jahre geworden. Ich glaube, das genügt.

Sie haben schon vor Jahren mit dem Gedanken an Rückzug gespielt. Warum dennoch erst jetzt?
P.S.: Es musste einfach mit der Karriere meiner Tochter zusammenpassen. Sie hatte ja in Würzburg eine Professur und wollte nach fünf Jahren zurückkommen. Das war dann der geeignete Moment.
Karin Stüber (K.S.): Und es hat sich so ergeben, dass du in diesem Jahr 80 wurdest …

«Wann ich jeweils welche Funktionen übernommen habe, weiss ich im Detail nicht mehr.»

Peter Stüber
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Frau Stüber, für die Merbag geben Sie Ihre Karriere als Universitätsprofessorin auf.
K.S.: Ja, das ist so. Als ich nach Würzburg ging, war das noch nicht geplant. Aber wir sind in der Familie zu dem Entschluss gekommen: Ein Familienunternehmen braucht ein Mitglied der Familie an der Spitze. Es war sicher keine leichte Entscheidung, das ist über längere Zeit gewachsen. Vor rund vier Jahren haben wir dann Daimler und unseren Mitarbeitern mitgeteilt, dass wir das vorhaben.

Wer von Ihnen beiden hat wen zuerst zur Nachfolge gefragt?
(Beide lachen.) K.S.: Schwer zu sagen.
P.S.: Ich habe auch mit meiner jüngeren Tochter, Ursula Kormann, gesprochen, die wie ich Nationalökonomie studiert hat. Aber sie hat gleich gesagt, sie widme sich lieber ganz der Familie, wenn schon, müsse das Karin machen. Und das ist auch gut so.
K.S.: Aber Ursula leitet den Bereich Nicht-Betriebsliegenschaften, da präsidiert sie die entsprechende Tochterfirma. Sie bringt sich also auch ein.

«Ich weiss, was auf mich zukommt, und mache das mit Freude.»

Karin Stüber

Sie hatten einen Lehrstuhl in Sprachwissenschaft und forschten über indogermanische Sprachen. Nun führen Sie eine Autohandelsfirma. Haben Sie Lust, oder ist es ein Stück Pflichterfüllung?
K.S.: Nein, schon auch Lust. Ich sitze ja seit längerem im Verwaltungsrat und weiss, was auf mich zukommt. Vor allem das langfristige, strategische Denken hat mir immer Spass gemacht. Ich bin überzeugt, es ist die richtige Entscheidung, und ich mache das mit Freude.
P.S.: Mit «langfristig» ist gemeint: Verwaltungsrat und Management kommen seit 30 Jahren jedes Jahr für drei Tage zu einer Klausur in Vitznau zusammen. Dort überlegen wir gemeinsam, wo wir in zehn Jahren sein wollen.

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Die Universität Würzburg führt Sie bereits als Ehemalige. Dafür haben Sie eine Titularprofessur an der Uni Zürich.
K.S.: Genau. Ich werde in Zürich ab November eine Teilzeitstelle haben, kann also in geringem Umfang weiter unterrichten und wissenschaftlich arbeiten.
P.S.: Vielleicht müsstest du dich äussern, wie du planst, deine Zeit aufzuteilen?
K.S.: 50 zu 50 ist das Ziel. Aber natürlich braucht die Merbag im Moment deutlich mehr Zeit, weil ich mich noch einarbeite. Und ganz klar: Die Merbag wird immer an erster Stelle stehen.
P.S.: Aber Karin ist ja Präsidentin und hat drei Delegierte. Die sind fürs Tagesgeschäft verantwortlich.

Peter und Karien Stueber

Edles Produktportfolio: Als Mercedes-Händler bekommt die Merbag auch immer wieder tolle Oldtimer in den Lichttunnel.

Quelle: Roland Tännler für BILANZ

Herr Stüber, haben Sie sich mal gefragt, ob Ihre Tochter das wirklich möchte – oder ob sie aus Pflichterfüllung Ihnen und der Firma gegenüber die Nachfolge antritt?
P.S.: Ja, darüber haben wir natürlich gesprochen. Ich hätte dringend abgewinkt, wenn sie gesagt hätte: Eigentlich würde ich lieber ausschliesslich Wissenschaftlerin bleiben. Dann hätte man es nicht tun dürfen.
K.S.: Wir hatten wirklich alle Optionen diskutiert, bevor ich mich entschieden habe.
P.S.: Es muss jemand mit Freude machen! Das steht sogar explizit in unserer schriftlich formulierten Unternehmenspolitik.

Der Schritt von der Wissenschaft in den Autohandel ist gewaltig. Wie sind Sie das angegangen?
K.S.: Mir war klar, dass ich zusätzliches Rüstzeug brauche. Weil ich ja nicht Wirtschaft studiert hatte. Also habe ich vor einem Jahr einen Executive MBA an der Uni Zürich begonnen, der läuft noch bis Dezember.

Die offizielle Stabübergabe war auf Anfang Juli.
K.S.: Ich war Ende März zurückgekehrt und hatte dann April bis Juni, um mich einzuarbeiten.
P.S.: Die GV war am 29. Juni, dann haben wir unser gesamtes Kader auf den 2. Juli eingeladen, auch aus Mailand und Luxemburg. Das sind etwa 90 Leute. Ich habe mich verabschiedet, dann hat Karin sich und ihre Pläne vorgestellt. Zudem haben wir von unserer Hauszeitschrift eine Sonderausgabe für alle Mitarbeiter aufgelegt. Dreisprachig.

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Die Stübers und ihre Merbag

Peter Stüber, im September 80 geworden, führte die Merbag über Jahrzehnte, zuletzt auf einen Wachstumskurs ins Ausland. Sein Vater Herbert gründete die Merbag, seine ältere Tochter Karin, die Ende Jahr 49 wird, übernahm im Juli die Leitung. Die Merbag betreibt 32 Garagen in der Schweiz, 6 in Italien, 5 in Luxemburg, wird 2019 rund 30 000 Fahrzeuge verkaufen, beschäftigt 2300 Mitarbeiter, setzt etwa 1,6 Milliarden Franken um und gilt als «gut kapitalisiert».

Wie ist Ihre Beziehung zum Automobil, Frau Stüber?
K.S.: Technisch weiss ich nicht so viel über Autos, ich habe mich auch als Kind dafür nicht übermässig interessiert. Aber ich habe Spass an schönen Autos und dass ich die nun verkaufen darf.

Haben Sie Lieblingsfahrzeuge?
K.S.: Ich war schon immer ein Coupé-Fan. Derzeit fahre ich den CLS, dieses viertürige Coupé.
P.S.: Ich fahre den GLA, unser kleinstes SUV. Den kann ich überall gut parken. Und wenn ich im Urlaub auf der Lenzerheide bin, brauche ich nichts Grosses, um morgens Brötchen zu holen.

Sie sind nun eine der wenigen Topfrauen der Schweizer Wirtschaft. Gibt es da schon eine Vernetzung?
K.S.: Im Moment noch nicht. Es gibt bei der MBA-Ausbildung der Uni eine Alumni-Organisation speziell für Frauen, da kommt vielleicht etwas. Und ich schreibe meine Masterarbeit über Frauen als Erfolgsfaktoren in der Wirtschaft – dazu werde ich dann auch Interviews führen. Und hoffentlich einige Frauen kennenlernen.

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Worum geht es dabei genau?
K.S.: Erstens: Was sind die Faktoren, damit Frauen erfolgreich arbeiten können? Und zweitens: Was bringen Frauen den Unternehmen?

PETER UND KARIN STUEBER

Vorsichtige Enthüllung: Karin und Peter Stüber legen den 300 SL frei – eine der Ikonen der Marke mit dem Stern.

Quelle: Roland Tännler für BILANZ

Können Sie loslassen, Herr Stüber? Sie konnten sich bis zuletzt aufregen, wenn im Showroom ein Auto nicht perfekt im Blickwinkel des Kunden parkte.
(Beide lachen.) P.S.: Die Emotionen sind natürlich schon noch da. Ich muss mir beim Loslassen wirklich Mühe geben, meine Tochter mir vielleicht dann sagen: Du, das möchte ich aber selber entscheiden.
K.S.: Ich bin froh, dass mein Vater da ist, dass ich mir Rat holen kann. Vieles ist ja jetzt noch neu.

Aber Sie sehen nicht die Gefahr, dass es zu einem Schritt der Abgrenzung kommen muss?
K.S.: Da hab ich keine Angst.
P.S.: Da würde ich auch immer zu Karin sagen: Du gehst vor. Ich kann meine Meinung äussern, aber wenn du es anders machen willst, machst du es anders.

Gab es zeitgleich mit der Stabübergabe auch einen Eigentumsübergang?
P.S.: Nein. Meine Frau und ich und meine beiden Töchter sind schon seit vielen Jahren alle an der Firma beteiligt, da hat sich im Moment nichts geändert.

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«Ich muss mir beim Loslassen wirklich Mühe geben.»

Peter Stüber

Sie sind ja die zweite Generation, Herr Stüber. Was ist Ihnen von Ihrem Vater geblieben?
P.S.: Er hatte das Glück, einer der vier Herren zu sein, die nach dem Weltkrieg die Mercedes-Benz Automobil AG erwerben konnten – die Amerikaner hatten deutsches Eigentum in der Schweiz sequestriert und an Schweizer Eigentümer versteigert. Vier leitende Mitarbeiter, darunter mein Vater Herbert, bekamen den Zuschlag. Er wurde Geschäftsleiter und gründete 1954 die Merbag Holding. Das ist wohl die Geburtsstunde des heutigen Unternehmens. Später gelang es mir, die anderen Eigentümer auszukaufen. Das hat vieles erleichtert, die Entscheidungswege wurden deutlich kürzer.

Wie war er als Person?
P.S.: Mein Vater war noch etwas grösser als ich, hat richtig etwas vorgestellt. Er sprach sehr gut Hochdeutsch und war prädestiniert, in Stuttgart beim Konzern aufzutreten.

War es ein Rückschlag, als Daimler 1980 das Schweizer Importgeschäft in den Konzern geholt hat?
P.S.: Das war vielleicht gut so, die Merbag war dann ein reines Retailgeschäft. So konnten beide Seiten ihr Geschäft perfektionieren.

Sie wurden herausgekauft – nicht herausgedrängt?
P.S.: Nein, gar nicht. Wir haben es noch rund 20 Jahre lang gemeinsam betrieben. Die Importgesellschaft gehörte zu 51 Prozent dem Konzern, zu 49 Prozent uns.

Frau Stüber, wie erinnern Sie sich an Ihren Grossvater?
K.S.: Zu Kindern war er eher distanziert. Daher habe ich ihn als streng empfunden …
P.S. Das war er! Im Unterschied zu deinem Vater, der nie streng war (lacht).
K.S.: Ich sehe ihn vor mir in seinem Sessel sitzen und Pfeife rauchen. Er hat immer viel Autorität ausgestrahlt.
P.S.: Um mit C.G. Jung zu sprechen: Er war eher extrovertiert, ich bin eher introvertiert.

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«Ich versuche tatsächlich, die alte Schule weiterzuleben. Ich trage sehr gern englische Anzüge.»

Peter Stüber

Sie, Herr Stüber, gelten als Gentleman alter Schule.
P.S.: Tja, bei Daimler darf man ja keine Krawatte mehr tragen … Ich versuche tatsächlich, die alte Schule weiterzuleben. Ich trage sehr gern englische Anzüge.

Sport treiben Sie auch noch.
P.S.: Vitaparcours zwar nicht mehr, Krafttraining aber schon: Ich muss mir jedoch Mühe geben, dass es einmal pro Woche klappt.

Karin und Peter Stueber

Genaue Inspektion: Der Lichttunnel macht selbst kleinste Unregelmässigkeiten im Lack sichtbar.

Quelle: Roland Tännler für BILANZ

Welche Projekte stehen nun für die Merbag an?
K.S.: In Adliswil haben wir viel Land, die Bauprojekte sind genehmigt. Dort entstehen Wohn- und Gewerbeimmobilien. Zudem ein neuer Betrieb von uns, gegen den es aber noch Einsprachen gibt.

Sie haben aber auch im Ausland ein Immobiliengeschäft.
P.S.: Wir versuchen immer, wenn wir einen Stützpunkt übernehmen, die Betriebsliegenschaften zu kaufen. Die gehören uns auch an unseren neuen Auslandstandorten Mailand und Luxemburg.

Betreiben Sie nicht auch Liegenschaften in Wien?
P.S.: Ja, drei. Das kommt, weil wir alle halbe Wiener sind, alle Familienmitglieder sind schweizerisch-österreichische Doppelbürger – weil ich eine Grazerin geheiratet habe. Erst habe ich sie zur Schweizerin gemacht, dann hat es den umgekehrten Weg genommen.

Dann sind Sie viel in Wien?
P.S.: Schon. Na ja, wohl eher zu wenig. Die ganze Bausubstanz ist irrsinnig beeindruckend.
K.S.: Ich habe dort ein Jahr studiert, später war ich drei Semester Gastprofessorin, habe also auch eine spezielle Beziehung zu Wien.
 

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«Die E-Fahrzeuge kommen, aber langsamer, als erwartet wird.»

Peter Stüber

Wie bereitet sich die Merbag auf das Elektroauto-Zeitalter vor?
K.S.: Die E-Mobilität ist eine grosse Herausforderung für uns, weil wir wirtschaftlich vor allem von der Werkstattarbeit leben und E-Autos weniger Wartung brauchen. Die Frage ist: Wie schnell und wie breit kommt es in der Schweiz? Die meisten, die heute den Elektro-Mercedes EQC kaufen, fahren ihn als Zweitauto.
P.S.: Die Ladeinfrastruktur könnte noch zum Engpass werden. Wer zu Hause eine Wandbox zum Laden haben will, braucht Starkstrom. Bis Mehrfamilienhäuser so ausgerüstet sind, dauert es 20 Jahre. Also ich glaube, die E-Fahrzeuge kommen, aber langsamer, als erwartet wird.

Was haben Sie mit der gewonnenen Freizeit vor, Herr Stüber?
P.S.: Mein lebenslanges Hobby ist, mich mit Philosophen zu beschäftigen. Ich pflege, wenn ich ein Buch lese, wichtige Dinge zu unterstreichen. Nachher gehe ich das Unterstrichene durch und nummeriere es, dann diktiere ich eine Zusammenfassung. Davon habe ich jetzt etliche Bände und bin daran, das in Buchform zu bringen.

Eine Art «Get Abstract» der Philosophie! Werden Sie es publizieren?
Möglich, aber nur als Privatdruck.

Und Ihr Kunstverlag Syquali?
Der Leiter, Jens Neubert, hat seinerzeit den Film «Der Freischütz» gedreht. Und jetzt einen neuen, «The Zurich Liaison», da geht es um das Verhältnis von Richard Wagner zu Mathilde Wesendonck in Zürich. Ohne diese Beziehung gäbe es wohl «Tristan und Isolde» gar nicht.

Und das Budget haben Sie gesprengt?
P.S.: Nein, wunderbar eingehalten. Wir waren am Filmfestival in Shanghai eingeladen, das ist das grösste der Welt. Die Reaktionen waren wohl sehr gut, aber die Einnahmen kann man trotzdem nicht kalkulieren. Wir haben mit Syquali auch einige Bücher publiziert.

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Peter und Karin Stueber

Harmonische Familie: Peter und Karin Stüber verstehen sich bestens. Konflikte nach dem Stabwechsel sind keine zu erwarten.

Quelle: Roland Tännler für BILANZ

Sie haben eine Kunstsammlung. Was sammeln Sie?
P.S.: Ich würde sagen, Schwerpunkt sind Impressionisten und frühes 20. Jahrhundert. Bei mir hört es so gegen 1920 auf.

Der Grasshopper Club ist für Sie ein langjähriges Engagement, das Sie sich viel kosten lassen. Sind Sie nicht himmeltraurig? Früher kannte man im Ausland nur einen Schweizer Club: die Grasshoppers.
P.S.: Das ist heute nicht mehr so. Ich glaube, die Wende ist eingetreten, als wir kein eigenes Stadion mehr hatten. Wir mussten auf dem Platz des FC Zürich antreten. Ich bin seitdem bei keinem Match mehr gewesen, und da bin ich wohl nicht der Einzige.

Wegen des Stadions?
P.S.: Es ist ein Leichtathletik-, kein Fussballstadion. Da tun wir uns schwer und werden uns weiter schwertun. Die grosse Frage ist: Gibt es noch andere Menschen, die mithelfen, das zu finanzieren? Sonst ist wohl die Fussball-AG langsam obsolet, und die Rechte gehen an die Fussballsektion von GC zurück.

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«Wenn man mal ein GC-Spinner ist, dann ist man einer!»

Peter Stüber

Warum sind Sie so treu zu GC?
P.S.: Ich weiss es auch nicht. Emotionen! Früher, als Jungen, waren wir bei jedem Spiel. Da war GC wirklich gut, mit Fredy Bickel, Vonlanthen und anderen. Mein erstes Spiel als Zuschauer auf dem Hardturm war das Unentschieden gegen Chiasso, weshalb wir in die Nationalliga B abstiegen. Das war vor über 50 Jahren.

Und dann?
P.S.: Dann waren wir zwei Jahre unten. In der zweiten Saison haben wir mal 9:0, mal 5:0 gewonnen. Einmal haben wir gegen Bellinzona 6:0 gewonnen, da hat der Vukosavljevic alle sechs Tore geschossen, zwei Hattricks! Da entsteht diese Liebe – wenn man mal ein GC-Spinner ist, dann ist man einer!
K.S.: Als Kinder waren wir Töchter auch oft dabei im Stadion. Ich halte es auch mit GC, aber ein Fussballfan bin ich nicht.

Was liegt Ihnen mehr?
K.S.: Wenn ich was schaue, dann Springreiten.

Sind Sie darin auch aktiv?
K.S.: Ich habe ein Pferd, aber ich reite lieber durch den Wald. Ist gemütlicher.

Sie werden sich bei GC nicht einbinden?
K.S.: Nein.

In der Zeit Ihres Vaters als Präsident der Tonhalle-Gesellschaft hat das Orchester einen enormen Aufschwung genommen. Haben auch Sie ein philanthropisches Projekt?
K.S.: Ich engagiere mich sehr für die Zürcher Sing-Akademie, da bin ich seit der Gründung Stiftungsratspräsidentin.
P.S.: Und Hauptsponsorin! Mit einem Chor kann man noch weniger verdienen als mit einem Fussballclub oder Orchester.
K.S.: Der Chor hat künstlerisch sehr grosse Erfolge, aber keine feste Bühne wie etwa der Opernchor.

Herr Stüber, Sie haben Ihrer Tochter nicht nur das Präsidium, sondern auch Ihr Büro, Ihren Schlüsselanhänger und Ihr Kontrollschild übergeben. Da steckt viel Symbolik drin. Haben Sie selber noch ein Büro hier?
P.S.: Ja, ein kleineres. (Zu Karin Stüber gewandt:) Wir sollten uns vielleicht überlegen, dass ich da bin, wenn du nicht da bist, und umgekehrt. Und vielleicht einen Tag in der Woche, wo wir beide da sind – wenn was ist.
K.S.: Ja. Gute Idee.

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Schwarz oder weiss?

Beethoven oder Mozart?
P.S.: Beethoven.
K.S.: Ja, Beethoven. Ist ernster.
P.S.: Ja, Mozart ist etwas frivoler. Denken Sie an Beethovens Siebte, der zweite Satz. Hat fast etwas Heiliges.

Beatles oder Rolling Stones?
K.S.: Beatles.
P.S.: Weder noch (lacht).

Limousine oder Sportwagen?
K.S.: Sportwagen.
P.S.: Ich bin immer nur Limousine gefahren. Und nie Cabrios – da können Sie keine Musik hören.

Euro oder Dollar?
P.S.: Euro, würde ich sagen. Na ja, am liebsten Schweizer Franken. Die EU bewegt sich auf einem schwierigen Weg.

Merkel oder Macron?
K.S.: Macron.
P.S.: Macron. Frau Merkel war gut, hat vielleicht aber den Zeitpunkt verpasst, auf dem Höhepunkt abzutreten.

Dieses Interview erschien in der Oktober-Ausgabe 10/2019 der BILANZ.