Früher hatte Medienmacht, wer eine Druckerpresse besass. Damit konnte man Zeitungen drucken und die öffentliche Meinung beeinflussen. Heute ist es nicht mehr ganz so einfach. Macht hat in den Medien, wer es versteht, mit Druck Kampagnen zu führen. Wenn also zum Beispiel der «Blick» und der «SonntagsBlick» gemeinsam zum Halali auf einen Politiker blasen, bleibt dies selten ohne Wirkung, auch wenn der Grund zur Aufregung vielleicht einer nüchternen Analyse nicht standzuhalten vermag.

Mediale Macht haben demnach nicht mehr in erster Linie die Verleger; Macht haben die Chefredaktoren. Vor allem wenn sie nicht nur das feine journalistische Kammerorchester dirigieren, sondern die mediale Kirchenorgel zum Donnern bringen. Das passiert auf dem journalistischen Boulevard, wenn die Macher, wie im Fall um den ehemaligen Botschafter Thomas Borer, eine Absurdität hochstilisieren. Das passiert aber auch am Sonntag, weil dann nur wenige Blätter erscheinen – wenn es leise ist, wird man schneller erhört.

Die NZZ ist ein Sonderfall. Ihr Einfluss nährt sich aus der Vergangenheit: Das Leibblatt des Schweizer Freisinns hat sich Respekt verdient.

Name Vorname (Alter)
Funktion Firma

1 - Herzog Jacques und de Meuron Pierre (54/53, CH)
Architekten, Basel
Seit Le Corbusier, später Botta gehört die Architektur zu den wichtigsten Export-Kulturgütern der Schweiz, und Herzog & de Meuron sind in dieser Tradition absolute Weltstars. Die Träger des Pritzker-Preises, einer Art Nobelpreis für Architekten, hinterlassen ihre Spuren überall auf der Welt. Ob ein neues Fussballstadion in München, ein Olympiastadion in Peking oder ein Prada-Bau in Tokio – das Basler Duo erzielt Wirkung weit über die Architekturszene
hinaus. Note 8,59

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2 - Szeemann Harald (70, CH)
Ausstellungsmacher, Tegna TI
Harald Szeemann ist ein Phänomen der besonderen Art: Er vertritt keine Institution und keine potenten Geldgeber im Hintergrund, sondern nur sich selber. Das macht den Ausstellungsmacher, dessen Spuren von der Kunsthalle Bern über die «Documenta» bis zur Biennale von Venedig reichen, zu einem einzigartigen Netzwerker und Meinungsmacher in Sachen Kunst. Und nichts deutet darauf hin, dass er mit seinen siebzig Jahren etwas von seiner Vitalität und Neugier eingebüsst hat. Note 8,34

3 - Pereira Alexander (56, A)
Direktor Opernhaus Zürich
Alexander Pereira versteht es, die Wirtschaftspotenz Zürichs auf der Opernbühne in künstlerische Qualität umzusetzen. Dazu braucht er Geld: Mit Charme und bisweilen schauspielerischem Talent sammelt er es. Dazu braucht er Opernstars, Weltstars bisweilen: Mit demselben Charme lockt er sie nach Zürich. Und er pflegt einen ausgewogenen Spielplan, vergisst nie, die Klassik gebührend zu berücksichtigen, denn er weiss genau, dass die Geldgeber dies von ihm erwarten. Künstlerische Experimente sind auf dieser Bühne nur in dosiertem Masse erwünscht. Das Resultat vom pereiraschen Aktivismus kann sich sehen lassen: Das Opernhaus Zürich ist heute ein Brand, der weit über die Limmatstadt hinausstrahlt – und der Operndirektor ist dessen erster Botschafter. Note 8,22

Plätze 13–30
13 Zumthor Peter (61, CH)
Note 7,28
Architekt, Haldenstein GR


14 Haefliger Michael (43, CH)
Note 7,27
Intendant Lucerne Festival


15 Spoerli Heinz (52, CH)
Note 7,09
Ballettdirektor, Opernhaus Zürich


16 Botta Mario (61, CH)
Note 7,01
Architekt, Lugano


17 Jaggi Yvette (63, CH)
Note 7,00
Präsidentin Pro Helvetia, Zürich


18 Stahel Urs (51, CH)
Note 6,98
Direktor Fotomuseum Winterthur


19 Waldburger Ruth (53, CH)
Note 6,89
Filmproduzentin, Zürich


20 Keller Pierre (59, CH)
Note 6,88
Direktor Ecole cantonale d’art de Lausanne (Ecal)


21 Diener Roger (53, CH)
Note 6,85
Architekt, Basel


22 Gonzalez René (60, F)
Note 6,79
Direktor Théâtre de Vidy, Lausanne


23 Hoby Jean-Pierre (59, CH)
Note 6,60
Direktor Kulturpflege der Stadt Zürich


24 Béchir André (54, CH)
Note 6,54
Geschäftsführer Good News und Hallenstadion AG, Zürich


25 Streiff David (59, CH)
Note 6,47
Bundesamt für Kultur, Bern


26 Muschg Adolf (69, CH)
Note 6,43
Schriftsteller, Präsident Akademie der Künste, Berlin


27 Samir Jamal Aladin (48, Irak-CH)
Note 6,42
Filmautor und -produzent, Dschoint Ventschr, Zürich


27 Loderer Benedikt (59, CH)
Note 6,42
Direktor Zeitschrift «Hochparterre», Zürich


29 Presenhuber Eva (44, A)
Note 6,38
Galerie Eva Presenhuber, Zürich


30 Menz Cäsar (55, CH)
Note 6,36
Direktor Musées d’art et d’histoire, Genf

4 - Nobs Claude (68, CH)
Direktor Montreux Jazz Festival
Nach der Lehre erhielt Claude Nobs eine Auszeichnung als bester Jungkoch der Schweiz, doch seine Vorliebe für Jazz und Rhythm’n’Blues lockte ihn weg vom Herd – er gründete das Montreux Jazz Festival. Geblieben ist sein Flair für Gastfreundschaft: Wenn der Impresario ruft, pilgert alles, was Rang und Namen hat in der Szene, an den Lac Léman. Nobs hat ein Weltlabel geschaffen und ist heute eine feste Grösse im internationalen Musikbusiness. Note 8,15

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5 - Curiger Bice (55, CH)
Kuration Kunsthaus Zürich,
Herausgeberin «Parkett» Bice Curiger hat sich mit international viel beachteten Ausstellungen einen Namen gemacht. Eine Säule ihres Erfolgs bietet das Kunsthaus Zürich; seit 1992 ist Curiger dort Kuratorin. Wichtiger noch für ihren Einfluss als Meinungsmacherin in der Szene der Gegenwartskunst aber ist die Fachzeitschrift «Parkett», die Curiger 1984 mitbegründet hat. Die zwischen Zürich und New York zweisprachig erscheinende Publikation verfügt über ein hohes internationales Renommee und kann – bei positiver Erwähnung im Blatt – Karrieren von Künstlern beflügeln. Note 8,13

6 - Giacobbo Victor (52, CH)
Satiriker, VR-Präsident
Casino Theater, Winterthur Victor Giacobbo hat erreicht, wovon wohl jeder Künstler träumt: Er ist als Satiriker zum personifizierten Synonym seines Genres geworden. Nichts illustriert dies mehr als die Lücke, die klafft, seit er beim Schweizer Fernsehen DRS seine Kultsendung «Viktors Spätprogramm» sistiert hat. Giacobbo ist nun als Präsident der Winterthurer Casino Theater AG zum Businessmann avanciert. Es steuert die Comedy-Szene kräftig mit und bietet so seinen Nachfolgern Auftrittsmöglichkeiten. Note 8,03

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7 - von Matt Peter (66, CH)
emeritierter Professor für neuere deutsche Literatur, Universität Zürich
Seit die grossen Dichter und Denker der Schweiz von Dürrenmatt über Frisch bis Meienberg alle tot sind, ist der emeritierte Professor der Universität Zürich zu einer Art offiziellen Stimme der literarischen Schweiz avanciert. Peter von Matt verfügt über ein hohes Mass an Glaubwürdigkeit – wohl auch deshalb, weil er von der Wissenschaft her kommt und nicht von der Schriftstellerei. Dennoch schreibt er ebenso kompetent wie stilistisch brillant (Beispiel: «Öffentliche Verehrung der Luftgeister. Reden zur Literatur», Hanser Verlag, München). Von Matt ist hervorragend vernetzt und verfügt über einen gewichtigen Einfluss im Literaturbetrieb. Note 7,83

8 - Beyeler Ernst (82, CH)
Fondation Beyeler, Riehen BS
Ernst Beyeler gehört zu den herausragendsten Kunsthändlern und Sammlern des 20. Jahrhunderts. Mit Koryphäen der Malerei, etwa Pablo Picasso, war er befreundet. Er war Mitbegründer der Kunstmesse «Art Basel» und eröffnete 1997 in Riehen in nobler, von Renzo Piano entworfener Architektur sein eigenes Museum (aktuelle Ausstellung: «Francis Bacon und die Bildtradition»). Die Fondation Beyeler ist ein Magnet der internationalen Kunstszene – und durch ihren Spiritus Rector auch ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor im Kunsthandel. Note 7,80

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9 - Keel Daniel (73, CH)
Diogenes Verlag, Zürich
Wer ihn fragt, welche Motivation er hatte, vor über 50 Jahren den Diogenes Verlag zu gründen, bekommt eine präzise Antwort: «Es gab keine.» Der gelernte Buchhändler Daniel Keel hatte einfach genug davon, täglich in der Buchhandlung zu erscheinen, und legte so die Grundlage für einen Verlag mit einem unvergleichlichen Gespür für wertvolle Neuerscheinungen. Und Keel ist die charismatische Verlegerfigur, manchmal leicht divenhaft, aber stets ausgestattet mit einem präzisen Gespür für Qualität. Im Diogenes Verlag er-scheinen Bücher von Klassikern wie Friedrich Dürrenmatt oder Patricia Highsmith oder von zeitgenössischen Autoren wie Martin Suter, Paulo Coelho, Jakob Arjouni oder Leon de Winter. Note 7,66

10 - Wirth Iwan (33, CH)
Kunsthändler, Zürich
Mit 16 Jahren unterhielt Iwan Wirth seine erste Galerie im sankt-gallischen Oberuzwil, mit zwanzig gründete er zusammen mit Ursula Hauser die Galerie Hauser & Wirth, die heute in Zürich, New York und London präsent ist. Das Haus gilt als In-Place für betuchte Kunden, als Global Player für bereits arrivierte Namen und für junge Künstler. Aus der Schweiz hat Wirth Cracks wie Roman Signer oder Pipilotti Rist unter Vertrag, ansonsten richtet er sein Augenmerk auf internationale Blue Chips. Note 7,51

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11 - Béjart Maurice (77, F)
Choreograf, Lausanne
Béjarts Ballettaufführungen sind Kult – seit 50 Jahren. Der Ehrenbürger von Lausanne ist wohl der renommierteste lebende Choreograf der Welt und gilt als Erneuerer der zeitgenössischen Choreografie. 1954 gründete der gebürtige Franzose in Paris seine erste Balletttruppe, 1960 seine zweite in Brüssel. Seit 1987 wirkt er in Lausanne. Mit seinem Béjart Ballet gastiert er auf der ganzen Welt. 1992 gründete er die Rudra Béjart Lausanne Dance School. Jedes Jahr organisiert er in Lausanne einen Tanzwettbewerb für junge Tänzer. Béjart ist auch Theater- und Opernregisseur sowie Schriftsteller und Träger zahlreicher Orden. Als erster Choreograf wurde er Mitglied der Académie des Beaux-Arts in Paris (1995). Note 7,50

12 - Oeri Maja (39, CH)
Mäzenin, Kunstsammlerin, Basel
Dass die Region Basel letztes Jahr um ein spektakuläres Bauwerk reicher wurde, ist vor allem ihr Verdienst: Roche-Erbin Maja Oeri ermöglichte die Errichtung des «Schaulagers» durch die beiden Stararchitekten Herzog & de Meuron. Die Mäzenin, die mehrere Monate im Jahr in den USA verbringt und sich höchst ungern fotografieren lässt, ist eine der einflussreichsten Kunstsammlerinnen der Welt. Sie gehört zu den Leuten, die Künstler «machen» können und hat in der Schweiz namentlich Dieter Roth und Fischli/Weiss massgeblich gefördert – durch Ankäufe und museale Adelung. Note 7,45

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