Einst in jüngeren Jahren flachste Klaus Jacobs, ein Manager sei mit 50 ausgebrannt und gehöre ins «Corporate Nirwana». Sich selbst kann er damit nicht gemeint haben. Denn der gebürtige Bremer mit Schweizer Pass meldet sich heute, gerade 60 geworden, als Unternehmer unüberhörbar zurück. Nur sieben Jahre nach dem Verkauf seines Kaffee- und Schokoladenimperiums an Philip Morris lenkt Jacobs bereits wieder die Geschicke von zwei weltweit führenden Unternehmen. Mit dem Teilzeitriesen Adecco und dem Schokoladen- und Kakaokonzern Barry-Callebaut gebietet er über eine gut positionierte Unternehmensgruppe, die im vergangenen Jahr mehr als 14 Milliarden Franken umsetzte und 350 Millionen Reingewinn brachte. Und die Branche munkelt schon, dass der frühere Kaffeekönig dereinst seine Hand nochmals auf Jacobs Suchard legen könnte. Denn verkauft hat Jacobs damals contre cæur; er brauchte Geld, um sich vom Einfluss der Familie zu befreien.

Freunde durch dick und dünn
Als Klaus Jacobs 1990 die Jacobs-Suchard-Gruppe für 3,1 Milliarden Franken an Philip Morris verkaufte und dabei kräftig verdiente, reagierte die Schweizer Öffentlichkeit brüskiert, und manch einer ging auf Distanz zu ihm. Zu Jacobs’ treuen Freunden zählen Marc Rich, Rohstoffhandel, Jürg Marquard, Verleger, Quincy Hunsicker, McKinsey-Altmeister und Verwaltungsrat der Klaus J. Jacobs Holding, Ernst Tanner, Lindt & Sprüngli, Willi Bogner, Sportmode, Rolf Erb, Autoimport, sowie die Detailhändler Beat Curti, UHC, und Erwin Conradi, Metro. Die Unternehmens-PR lässt Klaus Jacobs von Peter Bütikofer besorgen, Events hat er mit Eliane Bachenheimer organisiert.

Der Clan, der keiner sein will
Klaus Johann Jacobs trägt die Tradition des von Johann Jacobs gegründeten Bremer Kaffeeimperiums bereits im Namen. Doch die Bande des Clans sind nur noch lose, seit Jacobs seine drei Geschwister 1988 mit 700 Millionen als Miteigentümer der damaligen Jacobs-Suchard-Gruppe ausbezahlt hat. Klaus’ jüngerer Bruder Jens ist heute Hauptaktionär des Schweizer Logistik-Konzerns Steinbeck. Aus erster Ehe hat Klaus Jacobs zwei Söhne: Christian arbeitet in der Johann-Jacobs-Stiftung, Andreas ist Unternehmer und agiert selbständig mit seiner Neantic Holding von Amsterdam aus (Mehrheitsbeteiligungen an Minibar Holding und Schuhkette Pasito). Aus seiner zweiten Ehe mit der Zürcherin Renata Fraschetti hat Klaus Jacobs vier Töchter.

Ein Herz für Pfadis und Pferde
Klaus Jacobs ist ein engagierter Förderer der Jugend, der für seine Anliegen grosszügig Geld lockermacht. Die mit 100 Millionen dotierte Johann-Jacobs-Stiftung und die Adecco-Stiftung unterstützen zahlreiche Projekte für sozial benachteiligte Jugendliche. Seit Jahren ist Jacobs, der selbst nie in der Pfadi war, Vorsitzender der World Boy Scout Foundation. Mit dem schwedischen König und Pfadi-Ehrenpräsidenten Carl Gustav gab er 1995 eine Benefiz-Gala an der Zürcher Oper von Alexander Pereira, die er regelmässig sponsert. Mit Pferden geht der frühere Springreiter Jacobs heute geruhsamer um. Er macht nur noch Dressur und ist bisweilen mit Thomas Bär, dem VR-Präsidenten der Julius Bär Holding, unterwegs.

Die hungrigen Jacobs-Boys
Klaus Jacobs’ Statthalter in seiner neuen Holding ist der 40jährige Andreas Schmid. Der frühere Mövenpick-Manager hatte bereits 1990 für Jacobs als Generalsekretär gearbeitet und soll jetzt das Tagesgeschäft schmeissen, damit dem Patron Zeit für die Strategiebildung bleibt. Für Schmids Motivation dürften nicht zuletzt die Optionspläne sorgen, mit denen Jacobs seine Manager auf Trab hält; deren Löhne sind bis zu zwei Dritteln leistungsabhängig. Beim grössten Zeitarbeitskonzern Adecco, den Jacobs (23 Prozent) via Aktionärsvertrag mit Philippe Foriel-Destezet (Finecco mit 29 Prozent) kontrolliert, übernimmt Jacobs ab Mai das VR-Präsidium. Adecco-Chef John P. Bowmer hat den Konzern mit elf Milliarden Umsatz auf Grossfirmen ausgerichtet. Er will in elf Schlüsselmärkten dominant sein. Jacobs’ zweites Ei im Holding-Korb ist mit knapp zwei Milliarden Umsatz die Barry-Callebaut-Gruppe, die den Weltmarkt für Industrieschokolade beherrscht und sich mit zwei US-Firmen das weltweite Kakaogeschäft aufteilt. Für 1998 steht ein Going public auf der Agenda von CEO Pierre F. Vermaut. Fast eine Milliarde setzt die auf Süsswaren spezialisierte Van-Houten-Gruppe um, die vom ehemaligen Coop-Chef Rolf Leuenberger geleitet wird. Die Allgemeine Finanzgesellschaft schliesslich soll sich unter dem Präsidium von Charles Gebhard auf Rohwarenfinanzierung, Vermögensverwaltung und Liegenschaften konzentrieren.

Zerbrochenes Porzellan
Mit 48 Millionen Verlust musste Klaus Jacobs 1996 die Baumwollhandelsfirma Stahel Hardmeyer und den Surf- und Snowboard-Hersteller Mistral aus der AFG in sein Privatvermögen ausbuchen. Stahel Hardmeyer steht vor der Liquidation, bei Mistral hat Jacobs die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Doch der Traum von der weltweiten Sportartikelgruppe dürfte verflogen sein, nachdem Jacobs 1990 und 1992 an der Übernahme von Adidas gescheitert ist und 1995 Raichle nach eingehender Prüfung verschmäht hat. Am Führungsstil und den Erwartungen von Jacobs sind einige seiner Manager gescheitert, darunter Christian Lindecker, der Ende der achtziger Jahre die Jacobsschen Beteiligungen verwaltete, oder der frühere Van-Houten-Chef Hans-Gerd Füchtenkort, den Jacobs 1995 kurzerhand feuerte.

 

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