Das Herz

Das Herz, ein kräftiger Hohlmuskel, der im Brustraum auf dem Zwerchfell und zwischen den Lungenflügeln liegt, hat die Aufgabe, den Körper Tag und Nacht mit Blut zu versorgen. Eine Scheidewand zwischen rechter und linker Herzhälfte trennt den sauerstoffarmen vom sauerstoffreichen Blutfluss. Das mit Sauerstoff aus den Lungen gesättigte Blut gelangt in die linke Herzhälfte und wird dort über die Hauptschlagader (Aorta) in den Körperkreislauf befördert. Aus der Aorta verteilt sich das Blut in die abzweigenden Arterien, die Kopf, Arme, Rumpf und Beine mit Blut versorgen. Die Arterien verästeln sich immer mehr und enden schliesslich in den Haargefässen (Kapillaren), den feinsten Blutgefässen des Körpers. Über diese Kapillaren werden die Zellen des Organismus mit Sauerstoff versorgt. Die Zellen geben Kohlendioxid und Stoffwechselprodukte in die Kapillaren ab. Nach diesem Austausch gelangt das nun sauerstoffarme, bläuliche Blut über die Venen in die rechte Herzhälfte zurück und von dort aus in die Lunge. Der Kreislauf ist geschlossen.

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Arteriosklerose

Ist der Zustand der Herzkranzgefässe (Koronararterien), die den Herzmuskel mit Sauerstoff und Energie versorgen, gut, ist eine ausreichende Durchblutung des Herzens gewährleistet. Rauchen, hoher Blutdruck, erhöhte Blutfettwerte, Diabetes, Bewegungsmangel oder eine genetische Vorbelastung können die Arterien schädigen, Fettstoffe lagern sich in einem Jahre dauernden Prozess in den Gefässwänden ein und führen zu lokalen Verdickungen. Dadurch entstehen Einengungen in den Arterien, die den Blutdurchfluss zunehmend limitieren. Befallen werden können alle Arterien des Körpers, besonders gefährlich ist der Befall der Herzkranzgefässe sowie der Hals- und Hirnarterien, da diese die lebenswichtigen Organe Herz und Hirn versorgen.

Durch die verengten Koronargefässe wird das Herz nicht mehr genügend mit Blut versorgt, es entsteht die Angina Pectoris. Diese äussert sich in Brustschmerzen, Atemnot und Engegefühl, vor allem bei körperlicher Anstrengung.

Der Herzinfarkt

Wird eine Herzkranzarterie durch ein Blutgerinnsel verstopft, kommt es zum Infarkt. Herzmuskelanteile, die von diesem Gefäss versorgt werden, erhalten keinen Sauerstoff mehr. Kommt nicht innert weniger Stunden ärztliche Hilfe, sterben die betroffenen Herzmuskelzellen irreversibel ab. Der so betroffene Bereich des Herzmuskels kann sich nicht mehr zusammenziehen, anstelle des ursprünglichen Muskelgewebes bildet sich Bindegewebe, das keine Pumpfunktion mehr ausüben kann. Deshalb muss die verbleibende Herzmuskelmasse nun die Funktion des abgestorbenen Gewebes übernehmen. Je nach Stärke des Infarkts steigt so die Belastung des Herzens an. Das kann über die Jahre zu einer Herzschwäche führen. Die Veranlagung zur Ausbildung einer Arteriosklerose ist bei manchen genetisch bedingt. Mitverantwortlich ist oft auch ein ungesunder Lebenswandel. Zu den Hauptverursachern von Plaques in den Arterien gehören Rauchen Bewegungsmangel, Diabetes, hoher Blutdruck, hohe Cholesterinwerte, falsche Ernährung und Stress. Wer seinem Körper Sorge trägt, tut einiges dafür, um erst gar nicht zum Herzinfarktkandidaten zu werden.

Methoden der Diagnostik

Medizinern stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, um koronare Gefässveränderungen oder sogar einen bereits erfolgten Herzinfarkt diagnostizieren zu können.

Zu den bekanntesten Methoden gehört das Belastungs-Elektrokardiogramm (EKG), mit dem der Herzrhythmus bei körperlicher Belastung aufgezeichnet wird. Bei Unklarheiten können auch noch andere, sensiblere Methoden angewandt werden, beispielsweise die Belastungs-Myokard-Perfusionsszintigrafie, Belastungs-Echokardiografie und Belastungs-Radionuklidventrikulografie, die alle indirekte Hinweise auf Durchblutungsstörungen des Herzens liefern können. Mit einem Thorax-Röntgenbild lässt sich die Grösse des Herzens feststellen und erhält man Rückschlüsse auf seinen Zustand.

All diese Methoden geben auch Anhaltspunkte über den Zustand der Herzkranzgefässe. Die Zuverlässigkeit dieser Untersuchungen hinsichtlich der Entdeckung einer wichtigen Durchblutungsstörung am Herzen beträgt 60 bis maximal 90 Prozent. Die Gefässe selbst lassen sich damit jedoch nicht darstellen. Um Verengungen der Koronararterien auf einem Röntgenbild sichtbar zu machen, muss eine Koronarografie durchgeführt werden. Dabei wird in die Arterie der rechten Leiste eine 2 Millimeter dicke Sonde eingeführt, die vom Arzt über einen Führungsdraht bis zum Herzen geschoben wird. Durch Einspritzen von Kontrastmitteln sind nun die Gefässe und mögliche Verengungen sichtbar. Dieser Eingriff erfordert einen kurzen Spitalaufenthalt und wird beim wachen und schmerzfreien Patienten durchgeführt.

Der Eingriff, der die Behandlungsmethoden revolutionierte: Koronarangioplastie

Um die von Ablagerungen verstopften Blutgefässe wieder durchgängig zu machen, werden diese heute weltweit routinemässig mit einem speziellen Verfahren aufgedehnt, mit der sogenannten Koronarangioplastie oder Ballondilatation. Andreas Grüntzig hiess der Mediziner, der diese Methode vor mittlerweile 26 Jahren zum ersten Mal an einem Menschen anwendete, und zwar in der Schweiz. Und es war ebenfalls Andreas Grüntzig, der das dazugehörige Instrument entwickelte: den Ballonkatheter.

Bei dem Verfahren wird mit Hilfe eines Katheters, der bis zur kranken Koronararterie geschoben wird, die Verengung auseinander gedehnt. Dies geschieht durch einen kleinen, in den Katheter integrierten Ballon, der vom Arzt aufgeblasen werden kann. Dadurch wird die Arterie gedehnt. Um ein Wiederauftreten von Einengungen zu verhindern, platzieren die Mediziner dann einen so genannten Stent, ein Metallgitter, das die Arterie in der Form hält. Schweizweit werden Jahr für Jahr mehr als 30 000 dieser Eingriffe durchgeführt.

Der operative Eingriff: Bypass

Sind zu viele Herzkranzgefässe verengt, muss operiert werden. Bei einer Bypass-Operation werden die verstopften Gefässe durch einen Bypass überbrückt. Dazu wird entweder ein Stück Vene vom Bein oder eine Brustwandarterie verwendet. Der Venen-Bypass wird in die Hauptschlagader (Aorta) eingenäht und mit einem oder mehreren Ästen der befallenen Kranzarterien verbunden. Die Bypass-Operation ist mittlerweile ein Routine-Eingriff. Allein in der Schweiz wird er jährlich über 5000-mal durchgeführt.

Pumpwerk des Lebens: Herz mit Aorta und Kranzarterien.