Bei vielen eleganten Interieurs der heutigen Zeit fällt die Kombination von zeitgenössischer Kunst mit Objekten aus Afrika auf. Diese Wertschätzung hat Tradition. Schon die ersten afrikanischen Kunsterzeugnisse, die im späten 16. Jahrhundert nach Europa gebracht wurden, genossen Bewunderung. Als wertvolle Sammlerstücke fanden sie Eingang in die Wunderkammern europäischer Fürstenhöfe. Traditionelle afrikanische Kunst gab auch der modernen abstrakten Kunst wichtige Impulse. Künstler wie Pablo Picasso, George Braque oder die deutschen Expressionisten sammelten alte afrikanische Gegenstände und liessen sich von ihnen ­inspirieren.

Den weitaus grössten Teil afrikanischer Kunst, die bis heute überlebt hat, machen plastische Arbeiten aus den Regionen südlich der Sahara aus: Charakteristische, ausdrucksstarke Masken, Skulpturen und Zeremonialstäbe hauptsächlich aus Kamerun, Kongo, der Elfenbeinküste, Mali und Nigeria. Das wichtigste Kriterium dafür, ob ein Objekt sammelwürdig ist, ist nicht allein das Alter, sondern die Frage, ob es aus einer Zeit stammt, in der die traditionellen Rituale eines Stammes noch gelebt wurden. Das war bei Tanzmasken und Fetischfiguren bis etwa 1930 der Fall, während Objekte aus späterer Zeit hauptsächlich aus kommerziellen Zwecken ­geschaffen wurden. Die meisten der alten erhaltenen Holzobjekte wurden in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts oder später geschaffen. Älter sind nur die Bronzen des Königreichs Benin sowie die nigerianischen Terrakotta-Figuren der Nok.

Lange Zeit war Belgien als ehemalige Kolonialmacht des Kongo das führende Zentrum für den Handel mit afrikanischer Kunst. In den letzten Jahren hat sich der Schwerpunkt nach Paris verlagert. Die Versteigerungen bekannter Sammlungen sorgten dabei in den letzten Jahren für massive Preisschübe. So erzielte im Juni 2006 eine Ngil-Maske der Gabun im Hôtel Drouot in Paris einen Rekordpreis von 5,9 Millionen Euro. Ein Jahr später versteigerte Sotheby’s in New York einen Benin-Kopf für 4,7 Millionen Dollar. Solche Preise sind jedoch die Ausnahme und dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Markt zweigeteilt ist. Denn die Sammlergemeinschaft für Africana ist nicht sehr gross, aber gut informiert. So sind viele gute ­Stücke auch heute noch für mehrere hundert bis mehrere tausend Franken zu ­haben.

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In der Schweiz hat sich vor allem Koller Auktionen mit Versteigerungen afrikanischer Kunst einen Namen geschaffen, die seit 2003 regelmässig zusammen mit dem Tribal-Art-Spezialisten Jean David durchgeführt werden. Auch die Galerie Fischer in Luzern hat sich im letzten Jahr an afrikanische Kunst herangewagt. Mit ihrer Auktion «Stammeskunst» im Juni 2011 hat sie mit Teilen der Sammlung Han Coray einige beachtliche Zuschläge erzielt – so etwa 120000 Franken für einen Widderkopf aus Bronze der Edo, Benin/Nigeria.

Eine bemerkenswerte Ausstellung, die sich Liebhaber afrikanischer Kunst nicht entgehen lassen sollten, ist derzeit in Zürich zu sehen. Die vom Metropolitan Museum of Art New York konzipierte und vom Museum Rietberg neu inszenierte Schau präsentiert Skulpturen von prägenden Persönlichkeiten aus vorkolonialer Zeit. «Helden – Ein neuer Blick auf die Kunst Afrikas» zeigt am Beispiel von acht Kunstregionen in West- und Zentralafrika die künstlerische Darstellung von Persönlichkeiten, welche sich als Staats­gründer, Kriegshelden oder vom Volk verehrte Kö­niginnen und Monarchen ausgezeichnet haben. Die Mehrzahl der über 100 Exponate aus Museen und Privatsammlungen in Europa und den USA ist nun zum ersten Mal in der Schweiz zu sehen.

Museum Rietberg Zürich: «Helden – Ein neuer Blick auf die Kunst Afrikas», bis 3. Juni 2012.