Corinne Fischer

Organisation:
Bataillard & Cie, Rothenburg LU
Funktion: Delegierte des Verwaltungsrats
Aus-/Weiterbildung: Hochschule St. Gallen
Alter: 37
Grösster Erfolg: Der Wechsel von einer
Managementposition in die Rolle der
eigenverantwortlichen Unternehmerin


Tochter aus besserem Haus. Unternehmerfamilie. Aha! Da hat doch schon die Hebamme den roten Teppich ausgerollt, und das Kind mag heissen wie und tun, was es will, es bleibt privilegiert. (Es gibt ja daneben auch Menschen, die in den roten Teppich nur beissen – aus Wut darüber, dass immer die anderen darauf laufen.)

Corinne Fischer beisst nicht, sie läuft. Sie läuft schnell, und das auf eigenen Beinen. Hochschule St. Gallen («schon als Kind habe ich leidenschaftlich gern getauscht und gehandelt, da lag die Betriebswirtschaft nahe»), Abschluss in der minimalen Frist von vier Jahren. Danach ein Jahr lang allein auf einer ausgedehnten Tour von der Türkei bis Japan. Da lagen keine roten Teppiche, überlebt hat sie es glänzend. Wie auch die folgenden sechs Jahre bei Procter & Gamble Schweiz, einer Kaderschmiede für Marketing-&-Sales-Kompetenz im Schweizer Handel. Sie machte dort eine schöne, schnelle Karriere. Als sie vor dem Entscheid stand, beim Konsumgütermulti den Weg nach oben auf internationalem Niveau fortzusetzen, scheute sie davor zurück. Wog ab zwischen verlockenden Machtversprechen und der Aussicht auf die nervenzehrend komplexe Hierarchie eines Multis. Sie entschied sich gegen den Multi. Aber für die Bon appétit Group ihres Onkels Beat Curti. «Ich musste das gut überlegen, denn ich wollte mich nie in ein gemachtes Nest setzen.» Sie akzeptierte das Angebot, weil es ideal zu ihrem Profil passte. Und weil die Signale ihres Arbeitgebers deutlich genug waren: Wir bauen auf Leistung, nicht auf Nepotismus.

Also wurde Corinne Fischer Mitglied der Geschäftsleitung und Leiterin Marketing der Usego-Tochter Frimago, welche die Detailhandelsgeschäfte Primo, Visavis und die Gourmet Factory im Jelmoli führt. «Die Stelle war mir wie auf den Leib geschnitten», sagt Corinne Fischer heute, «ich konnte das bei Procter & Gamble erworbene Know-how in der Markenführung und in der Ausrichtung aller Prozesse auf die Kundenbedürfnisse in einem Schweizer Unternehmen nutzbringend anwenden.» Nutzbringend und Gewinn bringend. Zum Beispiel brachte ein neues Konzept für die Primo-Kette je nach Laden Mehrumsätze von bis zu 10 Prozent, das Geschäftsergebnis des Unternehmens verbesserte sich infolge der Marketingmassnahmen um bis zu 30 Prozent. Doch nach vier Jahren wurde Corinne Fischer «kribbelig»: Sie suchte noch mehr Handlungsfreiheit – und fand sie als Unternehmerin.

Zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Bruder Marc sicherte sie sich die Mehrheit am Weinhandelshaus Bataillard & Cie, an dem die Familie bisher nur einen Minderheitsanteil besessen hatte. «Wir haben das Unternehmen analysiert und Potenziale gesehen, die sich durch eine offensive Strategie realisieren lassen.» Als Delegierte des Verwaltungsrats führt sie heute einen Betrieb, der 80 Millionen Franken umsetzt und in spätestens drei Jahren die Grenze zur hundertsten Million überschreiten soll: «Wir operieren in einem gesättigten Markt und müssen schauen, wie wir durch Akquisitionen, strategische Partnerschaften und Upgrading unserer Produkte wachsen können.» So haben Corinne und Marc Fischer die Aktivitäten der Steinfels Weinauktionen und Steinfels’ Maison du Vin in Genf erworben, so arbeitet Bataillard eng mit dem Wyhuus Belp zusammen (und ist über diese Beziehung zum Weinlieferanten der Expo.02 geworden), und so dehnt Bataillard mit Exklusivimporten von Gewächsen aus trendigen Destinationen (Süditalien, Portugal, Neue Welt) ihr Angebot für preisbewusste und dennoch anspruchsvolle Weinkenner aus.

Corinne Fischer hat, was ihr die berufliche Aufgabe erleichtert, ein Faible für Wein. «Mein persönlicher Favorit sind die Zinfandel-Traube und die kräftigen, würzigen Weine, die sie hervorbringt.» Die Bataillard-Chefin mag roten Wein. Rote Teppiche lässt sie links liegen.

Erfolgsfaktoren

Freude haben.
Wer an seiner Aufgabe keinen Spass hat, bringt es auf keinen grünen Zweig. Corinne Fischer: «Ich geniesse den Freiraum als Unternehmerin, die Freiheit, Ziele selbst zu setzen und den Weg selbst zu wählen, sie zu erreichen.»

Freude zeigen. «Ich bin kommunikativ und kann Menschen begeistern. Wenn mich etwas freut, dann zeige ich das auch.» Begeisterung ist ansteckend, teamfreundlich und unerlässlich für die Förderung von Talenten: «Mein grösster Ehrgeiz ist, den Führungsnachwuchs aus bestehenden Teams zu entwickeln.»

Ein weiter Horizont. «Das Executive Training in Harvard war für mich ein Aha-Erlebnis», sagt Corinne Fischer: «Ich habe gesehen, dass es unzählige Wege zum Erfolg gibt. Man braucht bloss den Mut, den eigenen Weg zu gehen, und darf keine Angst haben, gelegentlich auch Fehler zu machen.»
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