Am Mittwoch ist der Basler Schauspieler Lukas Ammann 104-jährig gestorben. Er spielte 800 Bühnen-, Fernseh- und Spielfilmrollen von Chopin über Cyrano bis Casanova. Aber für die breite Masse war er einfach «Graf Yoster».

Noblesse strahlte Ammann wohl schon immer aus. Sein erstes Schweizer Engagement - am Stadttheater St. Gallen, das damals doppelt so viel zahlte wie das Zürcher Schauspielhaus - war für das Fach «Jugendlicher Liebhaber und Bonvivant».

Grundsätzlich 5er BMW

Ammann legte stets Wert auf elegante Kleidung und tadellose Haltung und fuhr grundsätzlich 5er BMW. Wohlstand war ihm nicht in die Wiege gelegt worden. Lukas Ammanns Vater war Kunstmaler; die Mutter, eine Sängerin, starb, als der Bub sechs Jahre alt war. Ammanns Ausbildung finanzierte ein Onkel, der im Aargau ein Bauerngut hatte.

Nach dem Willen des Sponsors sollte der Neffe Geologie studieren. Doch bald schon finanzierten die Aargauer Schecks die Schauspielausbildung, erst in Basel, ab 1932 in Berlin. Allerdings verursachten die aufstrebenden Nazis dem Halbjuden Ammann früh ein mulmiges Gefühl.

Schweizer in SA-Uniform

Als er 1934 in einer Tell-Aufführung mitwirkte, bei der Hitler in der ersten Reihe sass und das Schweizer Volk von Männern in SA-Uniform gespielt wurde, war es aus. «Morgen sind wir weg», sagte sein Schweizer Kollege Heinrich Gretler an dem Abend zu ihm, und so war es auch.

Nach sieben Jahren am Stadttheater St. Gallen erfuhr Ammann, dass auch der dortige Direktor Nazi war. Also wechselte er 1941 ans Zürcher Schauspielhaus. Während seines späteren Engagements im Cabaret Fédéral entdeckte ihn 1956 die Intendantin des Münchner Cabarets «Kleine Freiheit».

Aus dem geplanten halben Jahr an der Isar wurde mehr als ein halbes Jahrhundert. Unter anderem auch, weil er in München seine dritte Ehefrau, die Opernsängerin Liselotte Ebnet, kennenlernte. Das einzige Kind der beiden verunfallte tödlich, während Ammann sich in Paris auf den Drehstart für «Graf Yoster gibt sich die Ehre» vorbereitete.

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Im Rolls des Killers

Die Kamera war ihm nicht neu. 1939 hatte er seine erste Filmrolle in «Wachtmeister Studer». Weitere Filme waren beispielsweise «Menschen, die vorüberziehen» (1943), «Dällebach Kari» (1970) und zuletzt «Meschugge» (1998) von Dani Levy und «Herr Goldstein» von Micha Lewinsky, der 2006 einen Kurzfilm-Leoparden in Locarno erhielt.

Aber keine Rolle war so an ihm haften geblieben wie Graf Yoster, den er mit Unterbruch 1968 bis 1977 spielte. Die TV-Serie um den edlen Melonenträger mit dem feinen Humor und seinem ungleich rüderen, vorbestraften Butler war ein Strassenfeger.

Gedreht wurde in echten Schlössern und mit echten Rolls Royces. Eines der gebrauchten Modelle gehörte sogar einem echten Mörder, wie Ammann gern erzählte: dem Londoner Serienkiller John Christie.

(sda/ccr)

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