Ein Kunde der ersten Stunde war der Schah von Persien. Er sah den Prototyp der Royal Oak am Arm des Boutiquenchefs von Vacheron Constantin in Genf und wollte umgehend das gleiche Stück. Natürlich wurde es geliefert: Mohammad Reza Pahlavi ­erhielt am 6. Juli 1972 die Uhr mit Seriennummer 101 und Werk­nummer 127 230 aus dem Hause Audemars Piguet.

Die prominente Order liess hoffen – obwohl für die Royal Oak zu Beginn alle Zeichen auf Misserfolg standen. Vorsichtig war sie an der Basler Mustermesse in einem Eckfenster vorgestellt worden. «Alle glaubten, dass wir damit auf die Nase fallen», erinnert sich der eben ­pensionierte Audemars-Piguet-Museumsdirektor Martin Wehrli. «Viele kamen an den Stand und gratulierten uns. Draus­sen aber lachten sie und prophezeiten uns den sicheren Schiffbruch.»

Tatsächlich war die Uhr für die damalige Zeit revolutionär und sehr verwegen. Eine Luxusuhr aus Stahl hatte es zuvor noch nicht gegeben – aus Gold, Platin oder Silber musste sie schon sein. Auch die Form der Uhr war gewöhnungs­bedürftig: Die achteckige gebürstete ­Lünette mit den abgeschrägten Kanten fiel auf. Das taten auch die acht Sechskantschrauben, die als Designelement inszeniert worden waren. Technik hatte man vor der Royal Oak nie sichtbar gemacht, sondern immer versteckt.

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Die ungewöhnliche Form war konstruktiv eine Herausforderung. Bei der ­Gehäusefirma Favre & Perret in La Chaux-de-Fonds mussten sich die Leute von Audemars Piguet sagen lassen, dass die Uhr niemals funktionieren würde. Und die ersten Prototypen mussten aus Kostengründen in Weissgold statt Stahl gefertigt werden: Weissgold ist weicher und konnte in der Kleinstserie deshalb billiger verarbeitet werden. Der Prototyp, den der Schah gesichtet hatte, war deshalb aus Weissgold, er bestand für sein persönliches Stück auf diesem Material. ­Selbstverständlich wurde der Wunsch erfüllt – der Schah erhielt also eine Einzelanfertigung. Regulär führte Audemars Piguet die Royal Oak in Weissgold als ­Variante erst 1977 ein.

Inspirationsquelle Taucherhelm. Heute wird die Uhr 40 Jahre alt. Ihre Geschichte begann allerdings schon Ende 1971 mit einem legendären Anruf, den Audemars-Piguet-Historiker Wehrli in seinem Buch über die Uhr minutiös beschreibt.

Punkt 16 Uhr klingelte beim Uhren­designer Gérald Genta das Telefon. Georges Golay, Generaldirektor bei Audemars Piguet, war am Apparat. Er wollte einen Entwurf für eine Sportuhr aus Stahl. Und zwar schnell. Denn der italienische Markt, der damals enorm wichtig war, verlange dies.

Genta hatte genau eine Nacht Zeit. Während er am Zeichenbrett sass, sei  eine Kindheitserinnerung in ihm hochgekommen, wie er später erzählte. Er ­erinnerte sich, wie er als Junge vom Pont des Machines in Genf einen Taucher in der Rhone sah. Und wie ihn der alte Taucherhelm mit Gummidichtung und acht Bolzen faszinierte. Der Taucherhelm wurde sozusagen zur Blaupause für die neue Uhr.

Gérald Genta, dies nebenbei, ist der Vater vieler legendärer Schweizer Uhrenklassiker. Er zeichnete unter anderem

die Nautilus von Patek Philippe, die IWC Ingenieur und die Bulgari Bulgari.

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Die Royal Oak allerdings blieb zuerst wie Bleiplatten in den Gestellen der ­Bijoutiers liegen. Erst als 1974 Fiat-Chef Gianni Agnelli ostentativ sein Modell am Handgelenk zu tragen begann, wurde die Uhr zum Renner. Auch Schweizer Wirtschaftsführer wie Banquier Hans Bär trugen gerne eine Royal Oak. Übrigens ist heute auch Fiat- und Chrysler-Chef Sergio Marchionne bekennender Royal-Oak-Träger. «Eine Liste der Prominenten, die keine Royal Oak getragen haben, wäre schneller gemacht als die Liste der berühmten Royal-Oak-Besitzer», sagt Martin Wehrli stolz.

Inbus statt Sechskant. Eben erst hat ­Audemars Piguet einen neuen Markenbotschafter angekündigt: Der Ende Saison aus der Formel 1 abtretende Rennfahrer Michael Schumacher ist nicht nur selber Fan der Marke, er hat auch zusammen mit dem Spezialisten des Hauses eine limitierte Sonderedition Michael Schumacher gezeichnet.

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Der Rekordweltmeister hat die Marke vor 15 Jahren kennen gelernt. Jean Todt, damaliger Teamchef bei der Scuderia Ferrari, brachte ihm Audemars Piguet näher. «Da wurde mir klar», erinnert sich Schumacher heute, «dass vor allem die Royal Oak bei den Fahrern besonders ­begehrt war.»

Die Schumacher-Uhr, klar als Royal Oak erkennbar, wird es in drei Varianten geben: mit Gehäusen aus Titan, Rotgold und Platin. Allen gemeinsam sind ein ­anthrazitfarbenes Zifferblatt und eine Minutenskala mit Schwarzweissmuster, das an die karierte Formel-1-Flagge erinnert. Das Kautschukband wird von Befestigungen gehalten, die an die Kühlung von Rennwagen erinnern. Und auch sonst ist die Uhr im ihrem Design klar vom Rennsport inspiriert – etwa mit Inbus- statt den Sechskantschrauben auf der Lünette.

Ein Nachtrag zur Geschichte: Die Royal Oak des Schahs von Persien in Weissgold kam 1974 zu Audemars Piguet zurück. Mohammad Reza Pahlavi hatte eben einen Rolls-Royce Camargue erstanden. Nun wollte er für die Uhr ein neues Zifferblatt, farblich passend zum Auto.

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Auch dieser Wunsch wurde ihm selbstverständlich erfüllt.