Er ist steinreich, und er ist ein knallharter Industrielobbyist, aber dennoch schafft es Johann Schneider-Ammann, seine Interessenpolitik bürgerfreundlich zu artikulieren. Das gelang dem Patron, den sie in Langenthal BE den «Hannes Schneider» nennen, vor allem mit grossem Geschick im Umgang mit den Medien: Er steht für die Journalisten am Telefon parat, wenn es wichtig ist, und er kann seine Anliegen im Fernsehen bürgernah, verständlich und telegen kommunizieren. Und ­ohne Polemik. Dabei wirkt er mitunter wie eine Figur aus der Feder von Gottfried Keller: stets den Gemeinsinn im Blick, das Wohl des Landes zum Ziel, aber immer mit dem Glauben an den Anstand und mit dem Ruf nach einer demokratisch-liberalen Ordnung ohne ein Übermass an Regulierung. So erwarb er sich mit jahrelanger und standhafter Lobbyarbeit für die Maschinenindustriellen in der Swissmem den Titel «Mister Werkplatz» (BILANZ 14/2010).

Mit seiner Kritik an der Salärpolitik in der Bankenwelt verkörpert er das Idealbild des bodenständigen KMU-Patrons und «begeisterten Unternehmers», wie er sich selber am liebsten sieht. Solid, kontrolliert, verbindlich und im Zweifel diplomatisch zurückhaltend. Schneider-Ammann steht für die Säulen der Eidgenossenschaft: Anstand, Bildung, Leistung.

Die Freunde

Ein guter Freund und langjähriger Weggefährte ist verstorben: ­Nicolas G. Hayek, Uhrenlegende, Marketingprofi und talentierter Netzwerker wie Schneider-Ammann. Einst holte Hayek ihn in den Verwaltungsrat der Swatch Group. Dort sitzt er noch immer an der Seite von Nayla Hayek und sorgt mit für Kontinuität.

Als Cheflobbyist für die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie in der Vereinigung Swissmen kann er auf Andreas Koopmann (Alstom Schweiz), Pierre Castella (Präzisionsmaschinenbauer aus Le Locle) und Edwin Somm, seinen Vorgänger im Amt als Swissmem-Präsident, zählen. Der ehemalige Industriekapitän Somm war auch Vorbild: Er war Maschineningenieur, erst bei BBC, dann bei der fusionierten ABB Schweiz, und ein Mann des klaren Wortes. Jasmin Staiblin, Somms spätere Nachfolgerin auf dem Chefposten von ABB, zählt ebenfalls zum Freundeskreis des Berner Politikers. Sie könnte ihn an der Spitze des Lobbyverbands beerben.

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Sieben Autominuten von seinem Firmensitz in Langenthal BE entfernt sitzt Freund Erich Trösch, Patron des gleichnamigen Glasherstellers, dem Schneider-Ammann seit acht Jahren als VR zur Seite steht.

Die Gegner

Als Werkplatz-Verteidiger hat sich der Nationalrat mit Bankern angelegt, die nach seiner Ansicht den liberalen Konsens gefährden. Ausserdem fürchtet er um die Kreditversorgung der Schweizer KMU. Bei Economiesuisse lieferte er sich als Vizepräsident harte Kämpfe mit dem damaligen UBS-Lenker Marcel Ospel und CS-Präsident Walter Kielholz, die den Verband dominierten. Er verhinderte Profi-VR Andreas Schmid, den das Zürcher Finanz­establishment an die Verbandsspitze hieven wollte. Er schiesst scharf ­gegen Grossbanken, die bereits wieder riesige Boni ausschütten: Die 71 Millionen von CS-Chef Brady Dougan bezeichnete er als «Irrsinn». UBS-Chef ­Oswald Grübel, der hohe Boni standhaft verteidigt, zählt zu seiner natürlichen Gegnerschaft, ebenso wie Novartis-Präsident Daniel Vasella.

Die Netzwerker

Der Berner verknüpft als Swissmem-Präsident zahlreiche Netzwerke aus Wirtschaft und Politik. Er sitzt zudem als Vize von Gerold Bührer im Vorstandsausschuss der Economiesuisse und trifft dort wie auch in der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft des Kantons Bern auf Schlüsselfiguren wie den Arbeitgeber-Lobbyisten Rudolf Stämpfli, den Ökonomen Ernst Baltensberger oder den SBB-­Präsidenten Ulrich Gygi. In einer Investorengruppe, die 70 Prozent der Anteile am Maschinenbauer Mikron Holding hält, engagiert er sich zusammen mit Aktionär Rudolf Maag ­(Chemie), im Mikron-VR trifft er Anwalt Peter Forstmoser (Swiss Re). In der Stiftung Speranza hilft er Jugendlichen, die ihren Schulabschluss nicht schaffen, eine berufliche Perspektive aufzubauen – zusammen mit Unternehmer und Parteikollege Otto Ineichen.

Die Hobbies

Schneider-Ammann betrieb lange Zeit anspruchsvollen Ausdauersport. Er liebt Orientierungsläufe und förderte sehr früh die Schweizer Ausnahmeathletin Simone Niggli-Luder in diesem Sport.

Jahrelang lief er den Engadiner Skimarathon mit, gab dies aber aus Zeitgründen auf. Seine Frau Katharina hat eine Labrador-Zucht, daher ist Schneider mit den vier Familienhunden oft im Freien unterwegs. Mit der Familie geniesst er die Ferienzeiten im Saanenland und im Engadin, aber auch im Veneto und in der Provence. Er bevorzugt politisch-historische Literatur und besucht mit seiner Frau gerne klassische Konzerte. Unlängst war er am Lucerne ­Festival und genoss einen Abend mit Claudio Abbado.

Die Familie

Johann Schneider hat den Namen seiner Frau Katharina und des Familienunternehmens angenommen. Katharina Ammann ist Tierärztin. Das Ehepaar kennt sich seit Schulzeiten. Sie haben zwei Kinder: Sohn Hans-Christian (31) ist Assistent der Geschäftsleitung – was auch Schneider-Ammann war, bevor er Chef wurde. Tochter Daniela (29) arbeitet bei Omega. Katharina hat zwei Brüder, die am Unternehmen beteiligt sind: Christoph, der keine Kinder hat, führt die Handelssparte. Bruder Ulrich Andreas (drei Kinder) ist pensioniert.