«Steve hat bewiesen, dass es okay ist, ein Arschloch zu sein», schrieb der frühere Chef-Evangelist von Apple, Guy Kawa­saki, über Steve Jobs. Tatsächlich gibt es wohl keinen Weltkonzern, der so auf seinen Chef fokussiert ist wie Apple: kaum eine Entscheidung, die nicht über Jobs’ Tisch geht, kaum ein Mitarbeiter, der nicht vor ihm zittert. Legendär sind seine ­Interviews mit Angestellten im Lift – gut möglich, dass diese ihre Stelle verloren haben, wenn sich die Tür öffnet. Doch ­seine loyalen Mitstreiter motiviert der Visionär seit Jahrzehn­ten immer wieder zu Höchstleistungen. Die Massen lieben ihn sowieso: Seine wenigen, genau eingeübten Auftritte werden bejubelt, die Produkte sehnlichst erwartet. Apple hat keine Kunden, sondern Fans.

Jobs, Despot und Charmeur, hat die Elektronik- und ­Unterhaltungsindustrie im Griff. Mit iPod und iPhone rollte er Milliardenmärkte auf, mit dem iPad schafft er gerade einen neuen. Die Musikindustrie ist von ihm und seinem Programm iTunes abhängig, der Medienbranche könnte das Gleiche passieren. Und über die Filmstudios Pixar und Disney hat sich Jobs im Machtzentrum Hollywoods etabliert. Kein Wunder, führt er beim amerikanischen «Fortune Magazine» die Liste der 25 mächtigsten Wirtschaftslenker an.

Die Gegner

Jobs ist gut darin, sich Feinde zu machen. Lange Jahre war Bill Gates der Erzrivale. Das änderte sich, als Microsoft 1998 Apple ­finanziell zu Hilfe eilte. Auch zu Gates’ Nachfolger Steve Ballmer ist das Verhältnis heute, wie dieser sagt, «sehr entspannt». Umso heftiger duelliert sich Jobs dagegen mit Google-Chef Eric Schmitt um die Vorherrschaft in der IT-Welt. Schmitt musste das Apple-Board verlassen, als die Firmen in immer mehr Geschäftsfeldern aufeinanderprallten. Mit dem Softwarehaus Adobe liefert sich Jobs derzeit einen öffentlichen Kampf um die Zulassung von Flash-Software auf dem iPad. Adobe-Chef Shantanu Narayen antwortete mit «We love Apple»-Anzeigen.

Anzeige

Im Krisenjahr 1985 steckte Jobs seine grösste Niederlage ein: Er verlor den Machtkampf mit John Sculley, den er als CEO geholt hatte, und musste Apple verlassen. Bis heute sprechen die beiden kein Wort miteinander. 1998 kaufte Apple Jobs’ neue ­Firma Next. Jobs wurde als Berater mit übernommen. Kurz darauf putschte er gegen CEO Gil Amelio. Sein langjähriger Vertrauter Jon Rubinstein, Erfinder des iPod, lief 2007 zu Konkurrent Palm über und steuerte die Firma jüngst in die Hände von HP. SEC-­Chefin Mary Schapiro untersucht derzeit, ob Jobs die Aktionäre irreführte, als er 2009 seine Krankheit verschwieg. Auch mit den Musikbossen Doug Morris (Universal) und Rolf Schmidt-Holtz (Sony) hat Jobs öfters Streit, besonders um die Preispolitik.

Die Vertrauten

Mit Steve Wozniak und Ronald Wayne gründete Jobs 1976 Apple. Wayne schied nur ­Monate später aus, Wozniak blieb bis 1985. Heute sind die wichtigsten Verbündeten COO Tim Cook, der Apple während Jobs’ krankheitsbedingten Absenzen leitete, und Marketingchef Philip Schiller. Der Berater Tony Fadell hatte die Idee der Verzahnung von iPod und iTunes und legte damit die Basis zum Erfolg. Das preisgekrönte Design der Apple-­Produkte von iMac bis iPad ist das Werk von Jonathan Ive. Aus einer langjährigen engen Kooperation mit dem Deutschen Hartmut Esslinger, Gründer von Frog Design, stammen unter anderem die Benutzeroberfläche und die charakteristische Farbe der Apple-Produkte, California White. Jobs ist befreundet mit einer anderen Silicon-Valley-Legende, Oracle-Gründer Larry Ellison. Im Board von Apple sitzen unter anderem Ex-US-Vize Al Gore und Genentech-Chef Arthur Levinson. Schweizer Apple-Chef ist Adrian Schmucki.

Die Hollywood-Connection

Jobs’ Kontakte zu Hollywood reichen weit zurück. Regisseur Ridley Scott ­(«Alien», «Gladiator») drehte den legendären «1984»-Werbefilm zur Einführung des Mac, der nur ein einziges Mal, beim Superbowl-Finale, gezeigt wurde. Für fünf Millionen Dollar kaufte Jobs 1986 die Trickfilmabteilung von George Lucas («Star Wars») und formte daraus Pixar. Erfolgsfilme wie «Toy Story», «Finding Nemo», «Ratatouille» oder «Oben», die meisten unter Regie von John Lasseter und mit Tricktechnik von Oscar-Preisträger Edwin Catmull, machten Jobs reich. ­Gespräche mit Steven Spielberg beeinflussten seine Multimedia-Ideen. 2006 wurde Pixar von Walt Disney übernommen, seither sitzt Jobs dort im Board und ist grösster Einzelaktionär. Das Verhältnis mit Disney-CEO Bob Iger gilt als intakt; mit dessen Vorgänger Michael Eisner hatte sich Jobs überworfen.

Anzeige

Der Privatmann

Steve ist Zen-Buddhist und strikter Vegetarier. Ihm gehört ein 30-Zimmer-Kolonialhaus im kalifornischen Woodside, das der Kupfermagnat Daniel Jackling 1926 errichten liess und für dessen ­Abriss Jobs kürzlich einen langjährigen Rechtsstreit gewann. Zeitweise überliess er das Haus Bill und Hillary Clinton. 1982 erwarb er ein Apartment im New Yorker Prominententower The San ­Remo, das er 20 Jahre später an Bono verkaufte. Jobs ist Fan von Bob Dylan und wurde an Konzerten von Paul McCartney gesehen. Nach seinem Rausschmiss bei Apple 1985 bewarb er sich als ­Nasa-Astronaut, an seiner Stelle wurde jedoch Christa McAuliffe gewählt, die bei der «Challenger»-Katastrophe ums Leben kam.

Die Familie

Jobs’ leibliche Eltern sind der syrische Politologe Abdulfattah Jandali und die Amerikanerin ­Joanne Carole Schieble. Sie gaben das Kind aus Geldmangel zur Adoption frei. So wuchs Steve bei Paul und Clara Jobs im Silicon Valley auf. Von den ­Eltern und seiner Schwester, Romanautorin Mona Simpson, erfuhr er erst 30 Jahre später. Jobs war in den Siebzigern mit Folklegende Joan Baez ­liiert; die Journalistin Chris-Ann Brennen gebar ihm die heute 32 ­Jahre alte Tochter Lisa, die Jobs jahrelang nicht anerkannte (ein Gericht zwang ihn schliesslich zur Zahlung von 385 Dollar monatlich). Seit 1991 ist Jobs verheiratet mit Laurene Powell, mit der er drei ­Kinder hat: Reed (18), Erin Siena (14) und Eve (12).

Anzeige