Als die Frau die Bar des Zürcher Traditionsrestaurants Kronenhalle betritt, drehen sich die Köpfe der wenigen, meist älteren Gäste, die an diesem ruhigen Dienstagnachmittag hierhin gefunden haben. Margarita Louis-Dreyfus ist eine auffallende Person: gross und schlank, elegant und doch zurückhaltend gekleidet, die blonden Haare über die Stirne geföhnt, blaue Augen, selbstbewusster Gang. Und sofort ist es da, das Bild einer Zarin, das die Medien dutzendfach von der gebürtigen Russin gezeichnet haben, das Bild der eiskalten Herrscherin über einen der grössten Handelskonzerne der Welt, das 17 000-Mitarbeiter-Unternehmen Louis Dreyfus Company (LDC).

Doch wie wenig dieses Bild der Person gerecht wird, merkt man im Gespräch: Ohne Allüren, sachlich, bestimmt in der Sache, aber durchaus mit Humor, ist sie angetreten, um ein paar Dinge klarzustellen. Sie habe mitunter schlechte Erfahrungen mit der Presse gemacht, auch mit BILANZ, lässt sie gleich zu Beginn wissen. «Aber jeder hat eine zweite Chance verdient», sagt sie – und rührt lächelnd in ihrem Verveine-Tee.

Neuordnung der Macht

Die «Kronenhalle» ist ein symbolträchtiger Ort. Hier legte sie den Grundstein für die Rückeroberung der Firma im Sinne ihres verstorbenen Gatten Robert Louis-Dreyfus. Es war vor knapp zehn Jahren, einige Monate nach dessen Leukämie-Tod im Sommer 2009, als sie sich hier in ihrer Verzweiflung mit einem Bekannten von Robert, dem Genfer Geschäftsmann und Pharmazieunternehmer Mehdi El Glaoui, zum Lunch traf und ihn um Unterstützung bat.

Marseille's owner Margarita Louis-Dreyfus with Moroccan billionaire Mehdi El Glaoui during the French Cup 2016 final match between Paris Saint-Germain and Olympique de Marseille at Stade de France in Paris, France on May 21, 2016. PSG won 4-2. Photo by Henri Szwarc/ABACAPRESS.COM  | 548084_041 Paris France (FOTO: DUKAS/ABACA)

Mehdi El Glaoui: Der in Genf ansässige Unternehmer half ihr, sich in der Wirtschaft zu vernetzen, und sorgte für Verbündete.

Quelle: DUKAS/ABACA
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Es sollte der Startschuss für eine Neuordnung der Macht im 1851 gegründeten Familienkonzern und der Beginn eines Kampfes an mehreren Fronten werden – gegen alte Vertraute ihres Mannes, skeptische Familienaktionäre und firmeninterne Widersacher. Geführt von einer Frau mit den denkbar ungünstigsten Voraussetzungen dafür: einer in Wirtschaftsdingen unerfahrenen, damals erst 47-jährigen Witwe und dreifachen Mutter, die sich von den Protektoren, die ihr Gatte für die Vertretung des Erbes eingesetzt hatte, an den Rand gedrängt sah und von den Familienaktionären argwöhnisch beäugt fühlte.

Einigung mit Schwestern

Heute darf sie entspannt hier sein: Derzeit ist sie an der Finalisierung des Vorhabens, ihren Anteil an der Louis Dreyfus Holding, der Dachgesellschaft des Handelshauses, auf 96,6 Prozent zu erhöhen. Dies durch den Kauf der Aktien von Marie-Jeanne Meyer und Monique Roosmale Nepveu, den beiden Schwestern von Robert. Bis Ende Jahr werde die Transaktion unter Dach und Fach sein, schrieb die «Financial Times». Margarita Louis-Dreyfus bestätigt, dass sie in der Tat daran sei, den Anteil auf den genannten Wert zu erhöhen, zum Timing will sie aber keine Stellung nehmen. Nur so viel: «Wir stehen nicht unter Zeitdruck.»

Marie-Jeanne Meyer

Marie-Jeanne Meyer: Die Schwester von Robert Louis-Dreyfus war zunächst skeptisch – jetzt verkauft sie ihre Aktien an Margarita

Quelle: West Image
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Betraut mit der rund 900 Millionen Dollar teuren, grossenteils fremdfinanzierten Transaktion ist ihre langjährige Vertrauensbank, die Credit Suisse. Die Geschäftsbeziehung besteht schon lange, bekam aber Schub und zusätzliche Impulse durch Patrick Treuer, einen ehemaligen Topmann aus dem Investment Banking der CS Schweiz unter Marco Illy, wie Bankinsider berichten. Die Grossbank betreute schon die Transaktion von Ende 2014, als Margarita den Schwestern eine erste Tranche abkaufte und so ihren Anteil von 60 auf 80 Prozent erhöhte.

2015 wechselte Treuer zur LDC und ist heute als Strategiechef in der Konzernleitung eine der Schlüsselfiguren im Unternehmen. Mehr noch: Treuer gilt heute neben ihrem alten Verbündeten El Glaoui, der in ihrem Verwaltungsrat Einsitz hat, als einer der wichtigsten internen Vertrauten. Die jetzige Transaktion setzt den Schlusspunkt unter einen von allen Seiten unzimperlich geführten Kampf, aus dem sie als strahlende Siegerin hervorgeht. Ein Sieg, der ihr vor zehn Jahren kaum jemand zugetraut hätte.

Patrick Treuer

Patrick Treuer: Der Investment Banker in Diensten ihrer Vertrauensbank Credit Suisse betreute wichtige Transaktionen.

Quelle: Pressebild
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Auftrag des verstorbenen Gatten: Den Firmenbesitz für die gemeinsamen drei Söhne zu sichern.

2009 sah sich Margarita Louis-Dreyfus ins kalte Wasser geworfen. Ihr Gatte, den sie zuletzt Tag und Nacht gepflegt hatte, war verstorben, sie war allein mit den drei Söhnen im Teenageralter in der Villa in Zollikon am Zürichsee. Eine Welt, in die sie nie so recht zu passen schien.

Sie stammt aus einfachen Verhältnissen, geboren in Sankt Petersburg und aufgewachsen beim Grossvater, nachdem ihre Eltern bei einem Zugsunglück gestorben waren. Sie wollte weg aus Russland, lernte Deutsch und kam Ende der achtziger Jahre in die Schweiz, wo sie bei der Import- und Exportfirma Laytron Arbeit fand. Dass sich die Welt der Telefonverkäuferin Margarita Bogdanova und jene des Milliardärs Robert Louis-Dreyfus, Spross der gleichnamigen Unternehmerdynastie und als Chef des Sportartikelgiganten Adidas eine Managerlegende, überschneiden konnte, ist dem grossen Traum von Margarita zu verdanken: einmal mit der Concorde nach New York zu fliegen.

Sie sparte für den Flug, 1989 war es so weit. Der Traum hat sich gelohnt: Der Typ auf dem Nebensitz, mit den zerrissenen Jeans nicht als Milliardär erkennbar, war Robert Louis-Dreyfus. Der als Charmeur bekannte Franzose kam mit der hübschen Russin ins Gespräch, man tauschte Fotos von den Hunden aus, und einige Wochen später meldete sich Robert bei ihr. Drei Jahre später heirateten die beiden, 1992 kam Sohn Eric auf die Welt, 1998 die Zwillinge Kyril und Maurice.

Margarita Louis-Dreyfus, Unternehmerin, widow of Robert Louis-Dreyfus, at her home in Zollikon, Canton of Zurich, Switzerland, May 10th, 2010.

Mit dem verstorbenen Robert Louis-Dreyfus hat sie drei Söhne.

Quelle: Christian Bobst
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Doch dann wurde Robert krank – Leukämie. Als er merkte, wie es mit ihm abwärtsging, regelte er seine Hinterlassenschaft bis ins Detail. Hauptzweck: die Weitergabe des Firmenbesitzes an seine Söhne. Margaritas Rolle sollte vor allem darin bestehen, das Erbe für die drei Söhne zu verwalten und zu sichern.

In der Minderheit bei Akira

Er gründete eine Familienstiftung namens Akira, in die er seinen Mehrheitsanteil an der Firma von damals 61 Prozent einbrachte. Die Leitung der Stiftung legte er in die Hand von drei Protektoren. Zwei davon galten als enge Vertraute von Robert: Jacques Veyrat, damals Präsident und CEO der Firma, und Erik Maris, ein befreundeter Banker. Die Dritte im Bunde: Margarita.

Obwohl diese laut Statuten die Einzige war, die nicht abgewählt werden konnte, befand sie sich doch in der Minderheit: Die Beschlüsse der Stiftung konnten mit einfachem Mehr gefällt werden – und Veyrat und Maris hielten eng zusammen.

Jacques VEYRAT, président de la holding 'Impala'

Jacques Veyrat: Lange Firmenchef und Vertrauter ihres verstorbenen Gatten. Dann von ihr ausgehebelt.

Quelle: Paris Match Archive
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Kampf gegen die Protektoren

Dieses Konstrukt sollte das erste grosse Kampffeld für Margarita werden. Das Trio funktionierte überhaupt nicht zusammen, bald herrschte auf beiden Seiten grösstes Misstrauen. Das bereitete den Boden für allerlei Gerüchte, die eine oder die andere Seite wolle das Erbe Roberts mit Füssen treten, ja hege undurchsichtige Verkaufsabsichten. Margarita, ohne Managementerfahrung und als Frau in einer Männerwelt nicht richtig ernst genommen, dürfte sich im Konstrukt bald arg marginalisiert vorgekommen sein.

Ihr Auflehnen gegen Veyrat und Maris wurde nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch in Kreisen der Familie als Verrat am Wunsch von Robert gesehen, der diese Vertraute ja eingesetzt hatte. Was lange niemand wusste: Robert hatte kurz vor seinem Tod Bestrebungen eingeleitet, Veyrat auszutauschen. Laut Insidern soll er sogar schon einen möglichen Ersatzmann kontaktiert haben. Diese Schilderung bestätigt Margarita Louis-Dreyfus. Wie später bekannt wurde, handelte es sich dabei um Antoine Frérot, der heute als Chairman und CEO des französischen Abwasser- und Entsorgungskonzerns Veolia Environnement tätig ist. Doch die Pläne konnten wegen des Todes von Robert im Juli 2009 nicht mehr finalisiert werden.

Kraftprotz im Agrarhandel

Die Louis Dreyfus Company (LDC) ist einer der weltweit grössten Händler von Agrarstoffen. Das 1851 gegründete Unternehmen ist nicht an der Börse kotiert, der Wert der Firma wird aber auf mehrere Milliarden Franken geschätzt (siehe dazu auch das Porträt von Margarita Louis-Dreyfus in der Reichsten-Liste auf Seite 169). Der rechtliche Sitz der Holdinggesellschaft ist in den Niederlanden, der ursprüngliche Hauptsitz in Paris, aber die wichtigste operative Schaltzentrale befindet sich in Genf.

Gegründet wurde das Unternehmen von Léopold Louis-Dreyfus, einem Bauernsohn aus dem Elsass, der in der Region Getreide aufzukaufen begann, um dieses in die Schweiz weiterzuverkaufen. Das Unternehmen ist bis heute in Familienbesitz. Margarita Louis-Dreyfus amtet als Verwaltungsratspräsidentin, CEO ist der Brite Ian McIntosh. Er ersetzte im September Gonzalo Ramírez Martiarena, der den Konzern seit 2015 geführt hatte. Die LDC beschäftigt heute rund 17 000 Mitarbeiter und ist in über hundert Ländern tätig. Stark ist das Unternehmen vor allem im Handel mit Kaffee, Baumwolle, Reis und Zucker. Über 80 Millionen Tonnen an Agrarerzeugnissen werden produziert, verarbeitet und transportiert.

Die Firma gehört zur sogenannten ABCD-Gruppe der vier dominanten Player, die den Weltmarkt im Agrarhandel beherrschen. Die Buchstaben stehen für Archer Daniels Midland (ADM), Bunge, Cargill und Dreyfus. Die gesamte Agrarhandels-Branche ist derzeit in einer schwierigen Phase, sind die Preise seit einigen Jahren doch gedrückt. Auch die LDC blieb davon nicht verschont. Im ersten Halbjahr 2018 sank der Nettogewinn von 160 auf 100 Millionen Dollar, der Umsatz stagnierte.

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Dass sich Margarita an Mehdi El Glaoui wandte, war kein Zufall. Der Marokko-stämmige Unternehmer war ein Bekannter von Robert aus dem Umfeld von Olympique Marseille, dem Fussballclub, dessen Besitzer Robert war. Zudem war El Glaoui in Genf ansässig und nicht Teil des Pariser Klüngels um Veyrat.

Hilfe von Staranwalt Jean-Michel Darrois

Der Lunch in der «Kronenhalle» 2009 endete in ihrem Sinne: El Glaoui schlug vor, mehrere französische Wirtschaftsführer zu kontaktieren, die ihr beratend zur Seite stehen sollten. So begann Margarita, nach und nach eine eigene Gruppierung um sich zu scharen.

Ihre neuen Verbündeten rieten ihr, den französischen Staranwalt Jean-Michel Darrois zu kontaktieren. Der Jurist stand im Ruf, wahre Wunder zu bewirken. Und er fand das Mittel, um Veyrat auszuhebeln: die Regeln der modernen Corporate Governance. Veyrat sei als CEO und Präsident in Personalunion und zudem als Präsident der Akira-Stiftung in einem Interessenkonflikt gewesen, sagt Margarita Louis-Dreyfus dazu heute nur: «Es ging um Corporate Governance. Wir haben die Sache sachlich und gesittet gelöst.» 2010 traten Veyrat und Maris bei Akira ab, 2011 trat Veyrat zusätzlich auch aus seinen Funktionen im Unternehmen zurück. Neue VR-Präsidentin des Konzerns wurde – sie selber. Bei der Familienstiftung ersetzten Frérot und der Bankier David de Rothschild die Ausgeschiedenen.

Doch nun stand die nächste Herausforderung an: das Seilziehen mit den Schwestern von Robert.

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«Supermajority»

Auch auf diesem Feld hatte Robert bereits einiges vorgespurt. So hat er auch jenen Vertrag aufgesetzt, der in diesen Tagen zur Vollendung kommt: die stufenweise Andienung der Aktien der Schwestern an die Louis Dreyfus Holding. Dies in Form von zwei Put-Optionen. Robert habe lange um das Einverständnis der Schwestern ringen müssen, wissen Betroffene zu berichten. Er wollte die Stiftung als Hauptaktionär und nicht eine oder mehrere Personen, weil eine Familie dafür viel zu instabil sei.

Schliesslich setzten die Schwestern Marie-Jeanne und Monique ihre Unterschriften unter das Papier. Das Misstrauen Margarita gegenüber soll nach dem Tod von Robert sehr gross gewesen sein, erinnern sich Beobachter aus dem Umfeld der Familie. Argwöhnisch sei jeder ihrer Schritte beäugt worden. Was hat sie mit der Firma vor? Kann sie sich zurücknehmen und wirklich nur im Sinne der drei Söhne wirken? Würden neue Männer um die junge Witwe herumschwirren und versuchen, sich Vorteile zu ergattern?

Doch je mehr Zeit verging, desto mehr nahm das Misstrauen ab und machte einem anderen Bild Platz: Hier war eine Mutter, die wie eine Löwin für ihre Söhne kämpft. Ein langjähriger Firmeninsider von LDC bestätigt: «Sie ist 100 Prozent committed, diese Firma für die Familie zu behalten.»

Olympique de Marseille's current owner Margarita Louis-Dreyfus (R) arrives with her son Kyril at the City hall of Marseille to attend a press conference

«Wie eine Löwin»: Margarita Louis-Dreyfus mit ihrem Sohn Kyril 2016 in Marseille.

Quelle: AFP
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Mit dem Ausbau der Mehrheit auf 96,6 Prozent kann sie die Macht in der Firma ein für allemal sichern.

Verbessertes Verhältnis zu den Schwestern

Auch wenn sich die grundsätzliche Skepsis abschwächte, zogen die Schwestern vor Gericht. Es ging um die Bewertung der anzudienenden Aktien. Es sei mehr ein Gerangel zwischen den Investment Bankern und den Juristen auf beiden Seiten gewesen, im persönlichen Bereich habe sich das Verhältnis inzwischen deutlich verbessert, sagt Margarita Louis-Dreyfus. Erst kürzlich habe sie die Schwestern im Rahmen eines grösseren Familienanlasses getroffen.

Wichtig war vor allem die erste Put-Option von 2014, die den Anteil von 60 auf 80 Prozent erhöhte. Denn mit dieser von ihr selbst «Supermajority» genannten Stimmkraft hatte Margarita Louis-Dreyfus die Firma im Grunde in der Hand, kann sie damit doch auch jene Vorhaben an der Generalversammlung durchsetzen, die eine Zweidrittelmehrheit erfordern. Mit den übrigen Aktien der Schwestern kommt sie auf 96,6 Prozent. Die restlichen 3,4 Prozent gehören einer Cousine von Robert, die ihre Aktien aus Interesse für das Unternehmen behält, die aber gute Beziehungen zu Margarita haben soll.

Dass sie den Besitz des Unternehmens für ihre Söhne sichert, heisst nicht, dass diese dort auch Einsitz nehmen sollen. Ob sie dereinst bei LDC eine Rolle spielen werden, sei davon abhängig, ob das gut für die Firma sei oder nicht, so Margarita Louis-Dreyfus. Das Ganze hänge aber natürlich auch von den persönlichen Absichten und Interessen ihrer Kinder ab, was für sie als Mutter wichtig sei: «Hier muss ich das Beste für die Firma mit der Sorge um das Beste für meine Söhne kombinieren. Zum Glück sehe ich da keinen Widerspruch.»

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«Meine Söhne werden an die Firma herangeführt, aber nicht eingeführt.»

Margarita Louis-Dreyfus

Die Söhne werden gezielt mit dem Unternehmen vertraut gemacht, etwa als Beobachter an Managementmeetings. «Meine Söhne werden an die Firma herangeführt, aber nicht eingeführt.» Sie verlangt diesen einiges ab, die Zwillinge etwa schickte sie an eine internationale Schule in Singapur, «damit sie dort neue Einsichten gewinnen». Aufgewachsen am rechten Zürichseeufer, sprechen sie auch Schweizerdeutsch. Die Bilder, welche die Söhne auf Instagram posten, zeigen, dass sie wie ihr verstorbener Vater glühende Anhänger von Olympique Marseille sind und oft Spiele besuchen. Den französischen Fussballclub verkaufte Margarita im Oktober 2016 an den US-Unternehmer Frank McCourt.

2016 war auch in anderer Hinsicht ein besonderes Jahr, wurde Margarita in jener Zeit doch 53-jährig nochmals Mutter. Die Zwillingsmädchen Isabella und Arina kamen im März zur Welt.

Vater ist der ehemalige Nationalbank-Chef Philipp Hildebrand (55), mit dem sie seit 2013 liiert ist. Sie hatte den heutigen Vice Chairman des Vermögensverwalters BlackRock am Weltwirtschaftsforum in Davos kennengelernt. Entstanden ist eine Art Patchwork-Familie, denn auch Hildebrand hat bereits eine Tochter, die 18-jährige Natalia aus seiner Ehe mit der Galeristin Kashya. Die Söhne begrüssten ihre neuen Halbschwesterchen liebevoll, Eric und Kyril besuchten die beiden Neugeborenen auch im Spital – das Foto ging durch die Presse.

Cyril (l.) unfd Eric Louis Dreyfus  (Soehne von Margarita Louis Dreyfus) besuchen die beiden Halbschwestern Isabella und Arina im Spital. (2016)

Söhne Kyril (l.) und Eric im Frühling 2016 beim Besuch der neugeborenen Halbschwestern.

Quelle: Privat
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Zwillingsmädchen haben kein Anrecht auf das Erbe

Anrecht auf das Erbe des Unternehmens selber haben die Zwillingsmädchen allerdings nicht. Ihre Erbberechtigung soll sich juristisch auf das weitere Vermögen der Mutter und das ihres Vaters beschränken. «Dass Margarita nochmals Mutter würde, damit hat niemand gerechnet – am allerwenigsten wohl Robert Louis-Dreyfus selber», sagt ein enger Vertrauter der Familie. Margarita, bestimmt, das Erbe für die Söhne zu sichern, aber ohne freie Verfügung über die Firmenaktien, soll von Robert nach dessen Tod Vermögenswerte von rund 300 Millionen Franken erhalten haben. Hildebrands Vermögen liegt – geschätzt – im tiefen zweistelligen Millionenbereich.

Das Paar zeigt sich gerne gemeinsam in der Öffentlichkeit. Etwa letzten Winter, als Margarita beim traditionellen «Blauseeschwimmen» als Gast geladen war und den frierenden Männern zum Aufwärmen Wodka ausschenkte. Hildebrand hat die Blausee AG 2014 mit zwei Freunden übernommen.

Blauseeschwimmen 2017, Andre Lüthi, Margarita Dreyfus, Ph. Hildebrand, D. Linder Margarita Louis Dreyfus mit Philipp Hildebrand (Mitte) Blauseeschwimmen 2017

Das Besitzertrio der Blausee AG, André Lüthi, Philipp Hildebrand und Stefan Linder (v.l.), erhält wärmende Gläschen Wodka.

Quelle: Kurt Reichenbach
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Vorsichtiger Hildebrand

Mit Hildebrand hat sie, die stets vorsichtige Person, einen Partner, mit dem sie sich vertrauensvoll austauschen kann. Doch auch wenn der Finanzprofi sicherlich gute Ratschläge geben kann, gilt sein Einfluss auf sie als begrenzt. Jedenfalls weiss keiner zu berichten, Margarita komme nach einer gemeinsamen Zeit mit Hildebrand mit allerlei neuen Ideen zurück in die Firma: «Man spürt den Einfluss von Hildebrand praktisch gar nicht», sagt ein Firmeninsider.

Hildebrand achte peinlich genau darauf, keine Interessenkonflikte zwischen seiner Tätigkeit bei BlackRock und seiner Liaison mit Louis-Dreyfus aufkommen zu lassen, bestätigen auch Vertraute aus seinem Umfeld. Kein Wunder, er ist ein gebranntes Kind: Es waren die Devisengeschäfte seiner Gattin Kashya, die ihn als Präsident der Nationalbank in ein schlechtes Licht rückten und dazu führten, dass er 2012 sein Amt räumte.

Stärker vernetzt im Schweizer Establishment

Hildebrand hat aber sicher dazu beigetragen, dass sie sich im Schweizer Establishment weiter vernetzte. 2017 wurde sie Mitglied im Verwaltungsrat der Amerikanischen Handelskammer in der Schweiz ( AmCham), eines traditionellen Sammelbeckens von Topshots, wo etwa auch UBS-CEO Sergio Ermotti als Präsident sowie Swisscom-CEO Urs Schaeppi oder Lafarge-Holcim-CEO Jan Jenisch zugegen sind.

Auch in der Firma setzte sie gerne auf Schweizer, denen sie wohl mehr vertraut als der französischen Business Community, die um ihren verstorbenen Mann herumschwirrte. Seit 2014 dabei ist etwa Michel Demaré, lange Präsident von Syngenta und heute Vizepräsident des Verwaltungsrats der UBS. Andreas Jacobs, Spross der gleichnamigen Kaffeedynastie, ist der Firma schon lange verbunden, war doch Robert Louis-Dreyfus seinerseits im Verwaltungsrat der Jacobs Holding unter dessen Vater Klaus.

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Andreas Jacobs, VRP Barry Callebaut, am Hauptsitz in Zuerich. Barry Callebaut ist der weltgroesste Hersteller von Industrieschokolade. © Martin Heimann *** Local Caption *** Andreas Jacobs, VRP Barry Callebaut, am Hauptsitz in Zuerich. Barry Callebaut ist der weltgroesste Hersteller von Industrieschokolade. © Martin Heimann

Andreas Jacobs: Der Spross der Kaffeedynastie ist in ihrem Verwaltungsrat. Die Familien sind seit langem befreundet.

Quelle: copyright martin heimann 4144 arlesheim +4179 2197921 belegexemplar

Abgang von CEO Martiarena

Auf operativer Ebene ist indes bis heute keine Ruhe in der Firma eingekehrt. Kürzlich wurde bekannt, dass gleichzeitig CEO Gonzalo Ramírez Martiarena und Finanzchef Armand Lumens die Firma verlassen. Nachfolger des CEO wurde der Brite Ian McIntosh. Er ist bereits der vierte in nur fünf Jahren.

Zum Abgang ihres CEO will Margarita Louis-Dreyfus keine Stellung nehmen, betont aber: «Es ging nicht um die Strategie.» Diese werde weiter wie geplant umgesetzt und sei noch von Robert vorgespurt, der vor seinem Tod einen Fünfjahresplan aufgesetzt habe. Ziel dieses ersten Plans: Fokussierung auf das Kerngeschäft. Ramírez Martiarena setzte diese fort, etwa durch das Abstossen des Düngemittel- und des Metallgeschäfts. In der neuen Phase des Langfristplans «Vision 2025» gehe es nun darum, auf diesem Sockel wieder verstärkt nachhaltig zu wachsen.

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Gonzalo Ramírez Martiarena

Gonzalo Ramírez Martiarena: Der jüngst abgetretene CEO von LDC galt als eigenmächtiger Manager.

Quelle: World Economic Forum / Mattias Nutt

Kein Teamplayer

Quellen aus der LDC-Teppichetage berichten, dass wachsende Differenzen über den Führungsstil von Ramírez Martiarena zum Bruch geführt hätten. Er habe immer eigenmächtiger gehandelt, sei kein Teamplayer gewesen. Nicht nur der Verwaltungsrat soll mit dem CEO Mühe bekundet haben, sondern auch der Finanzchef. Sein Abgang sei vor dem gleichen Hintergrund zu sehen, sagen Insider: Die Chemie zwischen den beiden habe nicht gestimmt.

Allerdings trägt der Verwaltungsrat wohl eine Mitschuld an der ganzen Konstellation, denn Lumens galt als Mann dieses Gremiums. Es wollte offenbar in der Konzernleitung eine Art Gegengewicht zum CEO aufbauen, und Lumens, vorher 20 Jahre in Diensten von Shell, war das gesuchte Schwergewicht. Keine gute Konstellation für die Einheit im Management. Kommt hinzu: Das letzte Wort hat stets Margarita. Oft würden Dinge vorgespurt, sie zeige sich interessiert, um es dann aber am Schluss doch so zu machen, wie sie es selber wolle, sagt ein Insider. Letztlich traue sie wohl niemanden: «Am Schluss steht sie allein.» Allerdings muss man ihr zugutehalten, dass diese Vorsicht nachvollziehbar ist. Dass sie heute da ist, wo sie ist, hat sie in erster Linie sich selber zu verdanken.

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Klischee zum Vorteil nutzen

Sie hat es weit gebracht: Mit bald 96,6 Prozent hat sie die Macht der Familie zementiert, ist als Präsidentin des Verwaltungsrats an entscheidender Position, ist in ihrem Umfeld akzeptiert und angesehen und hat sich in allen Bereichen durchgesetzt. Die Widersacher hätten allerdings gewarnt sein können, dass es mit ihr kein leichtes Spiel geben würde.

In einem Mail-Interview von 2012 mit BILANZ schreibt sie, dass «dieses Klischee über die blonde Frau» sehr verbreitet sei. Dies kann man aber auch zum Vorteil nutzen: «So werden die Männer nachlässiger und sind sich sicher, dass sie die Interessen der Frau ohne grossen Aufwand zur Seite schieben können. Diese Nachlässigkeit half mir oft, meine Lösungsideen zu realisieren.»