Die Damen haben festgezurrte Lächeln, straffgespritzte Stirnen, dicke Lippen und pralle Brüste. Chirurgenkunst vom Feinsten, in üppige Décolletés gepresst und mittels teurer Stoffe zur Geltung gebracht. Bauschige rosa Seide, weisse Spitze, bestickter Tüll oder schillernd grüner Satin. Daneben wirken die Herren geradezu uniform: schwarzer Smoking, weisses Hemd, schwarze Fliege. Schwarz gekleidet ist auch die Security. Erkennbar an den Kopfhörern, aus denen es permanent quäkt.

Es ist Freitagabend, Galaeröffnung der Millionaire Fair in Cannes. Zwischen der Plage de la Croisette und dem Palais des Festivals, wo die Messe stattfindet, ist ein roter Teppich ausgerollt. Schwarze Fahnen mit der Aufschrift «Millionaire Fair» flattern in der leichten Brise. Fackeln leuchten in der Abenddämmerung. Am Ufer sind wie Perlen auf der Schnur imposante Yachten aufgereiht. Sanft plätschern die Wellen.

Am Empfang werden kurz die Rosen gebüschelt, letzte Fingerabdrücke von den Vitrinen geputzt. Makellos auf Hochglanz polierte Rolls-Royce und Bentleys dominieren den Eingangsbereich. Zutritt haben hier nur VIP auf Einladung und die Presse. Normalsterbliche dürfen am Samstag und Sonntag für ein Eintrittsgeld von 35 Euro hinein. Langsam zieht die Parade aufgemotzter Herrschaften in die Halle ein. Wandert demonstrativ gelangweilt von Stand zu Stand, begutachtet das Angebot: ein Kleinflugzeug mit oder ohne Pilot zum Beispiel, eine Villa in Dubai, ein Appartement in Miami, hochkarätige Klunker, die Mitgliedschaft in einem schicken Golfclub, neue Zähne oder einen bodenlangen Nerz.

Schnell herrscht Gedränge rund um die beiden Theken des Edel-Caterers LeNôtre. Die heisse Schlacht am kalten Buffet ist voll im Gang. Unbeeindruckt schneiden die Köche hauchdünne Scheiben vom riesigen Serrano-Schinken. Stecken Spiesschen in vegetarische Leckereien. Verteilen Pommes purées und Fleischhäppchen in winzigen Schälchen. Oder schenken perlende Getränke in Gläser ein.

Mit dem Glas in der Hand kommt das Publikum langsam in die Gänge. An einer jungen Frau in einer goldglänzenden Abendgarderobe ist kein Vorbeikommen. Stoisch hält sie jedem, der ihren Weg kreuzt, ein funkelndes Handy unter die Nase. Im Gesicht ein festgeklebtes Lächeln, spricht sie von echtem Gold und Diamanten. Das Prunkstück des Herstellers GoldVish liegt allerdings in einer abgeschlossenen Vitrine. Hier funkelt das teuerste Mobiltelefon aller Zeiten. 1,2 Millionen Euro kostet es und ist mit 120 Karat Diamanten bestückt. Am Tag darauf steht ein grosses «Sold» auf der Vitrine. Ein Russe habe es gekauft.

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Neben dem Rummel um das Telefon versucht eine kleine Dame mit Vehemenz auf sich aufmerksam zu machen. Auch sie hat etwas Exklusives zu bieten. Brillen mit Diamanten. Sie kosten etwa 5500 Dollar und würden auch von Paris Hilton getragen. Als Beweis zeigt die Dame ein Video, auf dem die Millionenerbin bebrillt über den Bildschirm stöckelt.

Bei den Autos ist ein Bugatti Star der Messe. Schwarzgrau glänzend mit schnittigen Kurven ist er der Inbegriff des Männertraums. Eine Mischung aus James-Bond-Karre und Batmobil. Das Auto ist auf weltweit 35 Stück limitiert und kostet 1,1 Millionen Euro. Da hat man wenig Konkurrenz auf den Strassen, und so lässt sich auch der geschniegelte Direktor der monegassischen Bentley-Vertretung nicht lange bitten und stellt sich zum Fotografieren neben sein Zugpferdchen.

Und was kostet zum Anziehen so richtig viel Geld? Pelze natürlich. Freundliche, von unten bis oben zurechtgeschneiderte Damen aus Cannes betreiben einen Stand und werben für das Label Michat Fourrure-Couture. Später laden sie zur Modeschau. Bereits drängeln sich die weiblichen Gäste um die Sitzgelegenheiten – stundenlang in High Heels rumzustehen ist eben kein schmerzloses Vergnügen. Drei auf Gaucho getrimmte Männer mit Gitarren betreten den Laufsteg. Verhunzen spanische Schnulzen und stecken sich Pingpongbälle in den Mund. Endlich wird es dunkel, und die Musik wird laut. Rosa Nerze tänzeln über den Catwalk, grüne Füchse, braune Lämmer und so weiter. Die müden Füsse erholen sich wieder.

Eine von Heidi Klums verschmähten Kandidatinnen aus «Germany’s Next Topmodel» versucht, für einen deutschen Privatsender einen Millionär vor laufender Kamera aufzureissen. Fündig wird sie nicht. Ob es an ihrem zwar hübschen, jedoch unheimlich nichtssagenden Gesichtsausdruck liegt oder am Mangel an Single-Millionären, ist nicht ganz klar. Einen Millionär geangelt hat sich vermutlich die Dame, deren Kleidchen trotz Dresscode nur knapp bis unter den Po reicht. Ihre Begleitung ist zwei Köpfe kleiner und mindestens 20 Jahre älter – muss demzufolge einfach reich sein.

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Natur pur ist bei den Besucherinnen nicht gefragt. Kaum eine sympathische Runzel oder Charakterfalte ziert die Gesichter. So verwundert es auch wenig, dass der Marktleader in Sachen Lasertechnologie einen grossen Stand unterhält. Vier Männer unterschiedlichen Alters sitzen an den Tischchen. Die Wände dahinter sind vollgehängt mit Vorher-nachher-Fotos. Bereitwillig geben die Herren Auskunft. Zwei outen sich gar als Implantat-Träger und präsentieren stolz die neue Haarpracht. Für Millionäre ein echtes Schnäppchen. Von 5000 bis 17 000 Euro ist eine Transplantation zu haben. Auf jeden Fall läuft das Business wie geschmiert. Das Umfeld scheint zu stimmen. Auch bei den deutschen Zahnärzten um die Ecke, die für perfekt strahlende Lächeln werben, herrscht Hochbetrieb.

Wenn viel Geld den Besitzer wechselt, geht es oft um Immobilien. Darum fehlt auch Donald Trump nicht. Zumindest nicht eine Vertretung seiner Immobiliengesellschaft. Luxuriöse Appartements im Trump Tower, Trump Royal oder Trump International werden angeboten. Der holländische Repräsentant steht zwischen Modellen der Towers und Plastikflamingos am Stand und preist zugleich noch seine alten Jukeboxes an. Und natürlich kennt er Donald Trump höchstpersönlich, sehr gut sogar. Who knows? Die Immobilienunternehmen aus Dubai umgeben sich mit orientalischer Folklore und versichern, dass man hier gute Geschäfte macht. Einen Stand weiter preisen türkische Unternehmer «‹Adam & Eve›, the world’s sexiest hotel» an. Das Hotelprojekt existiert erst auf dem Papier.

Die Messe für Millionäre ist ein bizarres Spektakel. Und wirklich edle Angebote sind rar. Eine Galerie hat Jade-Kunstwerke aus dem 17. Jahrhundert ausgestellt, ein persischer Teppichhändler zeigt antike Objekte – doch das sind selten Perlen. Wer im Nouveaux-Riches-Treiben entnervt an Flucht denkt, kann allerdings auch noch fündig werden. Ab auf die Insel – auch die kann man hier kaufen.

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Messe für Millionäre

Wer wagt, gewinnt

Gründer der Millionaire Fair ist der Holländer Yves Gijrath (40). Er ist Inhaber einer Holding mit dem Namen «Who Dares Wins» (Wer wagt, gewinnt) und Selfmade-Millionär. Gijraths erster Geldesel war das «Miljonair»-Magazin, das 2000 auf den Markt kam. Hier amtet er als Verleger und Chefredaktor. Die erste Ausgabe hatte eine Auflage von 26 000 Exemplaren und war innerhalb von 24 Stunden verkauft. Vor diesem Hintergrund wurde die Idee der Millionaire Fair geboren. Die erste fand im November 2001 in Amsterdam statt und war ein riesiger Erfolg. Danach veranstaltete er die Messe in Moskau, Dubai, Mumbai und letztes Jahr zum ersten Mal in Shanghai. Auch hier verdient der Holländer, gemäss seinen Angaben, sehr viel Geld.

Messe-Termine

Moskau, 27. bis 30. Oktober 2006
Amsterdam, 7. bis 11. Dezember 2006
Dubai, März 2007
Shanghai, 11. bis 13. März 2007
Kortrijk, 25. bis 28. Mai 2007