Warum fasziniert Fussball? Das ist doch eine in weiten Teilen korrupte Geldmaschine, eine Industrie der Allüren und Intrigen, politisch auf vielen Augen blind. Was zählt, ist der Milliardenpoker um Übertragungsrechte, Sponsorengelder und Transfersummen, die immer neue Höhen erreichen. 

Ja, Geld regiert den Fussball. Wer die Begegnungen der EM bisher vergleicht (Grafiken unten), sieht: In den allermeisten Fällen gewinnt, wer mehr wertvolle Spieler auf dem Platz hat. Oder besser: Nur wer sich hochbezahlte Spieler leisten kann, schiesst mehr Tore. 

Frankreichs Mannschaft mehr als dreimal so viel wert

Und dann kommt das «Wunder von Bukarest»: Die Schweiz besiegt den Weltmeister Frankreich. Ein Team, als «die kleinen Schweizer» tituliert, kegelt den französischen Goliath aus dem EM-Turnier. Der zweifache Weltmeister, 80 Minuten lang in doppelter Führung, unterlag der Mannschaft einer Nation, die zuvor überhaupt erst einmal im Achtelfinale eines grossen Turniers gestanden hatte. 

Mit der Schweiz ist eine Mannschaft unter die letzten 8 eingezogen, deren teuerster Spieler – Manuel Akanji, 30 Millionen Euro laut Transfermarkt.de – weniger als ein Fünftel an Ablöse kosten würde wie Frankreichs Superstar Kilian Mbappé (160 Millionen). Dieser ist gleichzeitig wertvollster Spieler der gesamten EM. Granit Xhaka, «nur» 22 Millionen, gelang die Vorlage zum Ausgleich in der 90. Minute. Wie egal war da seine Haarfarbe!

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Das gesamte Schweizer Team bringt es auf einen Marktwert von 284 Millionen Euro, Frankreich auf mehr als das dreifache – auf gut 1 Milliarde. Natürlich bleibt zu beobachten, wie sich der Wert jetzt entwickelt.

Es ist das, was am Fussball fasziniert: Wenn sich allem Geld, allem Geschäft zum Trotz auf dem Platz eine Dramaturgie entwickelt, die Hollywood vor Neid erblassen lässt. Wenn der Kampf, das Scheitern und der Sieg des Aussenseiters mit letzter Kraft sich verdichten zu einem Heldenepos, den sich noch die Enkelkinder erzählen. 

Und das ist, jenseits aller finanziellen Realitäten, unbezahlbar.

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(spm | Grafiken: Tessy Ruppert)