Familie Langes-Swarovski, ZG (300–400 Millionen)

Eine groteske Seifenoper spielte sich letzten Monat in Österreich ab: Fiona Swarovski, Erbin des gleichnamigen Kristallglaskonzerns, Jetsetterin und Ex-Gespielin von Formel-1-Zampano Flavio Briatore, wurde beim Zärtlichkeitenaustausch mit Finanzminister Karl-Heinz Grasser ertappt. Was allein noch keine Aufregung wert gewesen wäre. Sehr wohl hingegen die Tatsache, dass der begehrteste Junggeselle Österreichs eine Verlobte hat, die er im Sommer zu heiraten gedachte.

So nahm die Komödie ihren Lauf. Einen Tag nachdem die Fotos des knutschenden Paares publiziert worden waren, gab es zwischen Grasser und seiner Verlobten angeblich Streit, woraufhin diese ihren Porsche in einem Baum «parkierte» und sich mittelschwer verletzte. Wieder zu Kräften gekommen, gab die Betrogene bekannt, dass sie nach wie vor mit dem Beau zusammen sei. Tränenreich konterte Fiona Swarovski in einem Interview, sie liebe den 36-Jährigen bereits seit drei Jahren. Er sei «der Mann meines Lebens».

Verliebt, verlobt und nochmals verlobt? Das schien auch Grasser auf die Dauer zu viel zu sein. So verfasste er eine karge Pressemitteilung, in der er die Trennung von der Verlobten bekannt gab. Ende gut, alles gut, zumindest für Fiona: Kürzlich wurden der Geldeintreiber und die Gelderbin turtelnd erwischt, diesmal auf der Liebesinsel Capri, wo Swarovski eine Wohnung besitzt.

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Friedrich Christian Flick, BE (1–1,5 Milliarden)

Friedrich Christian Flick, Enkel und Erbe des grössten Profiteurs im Nazireich, zahlt jetzt doch fünf Millionen Euro in die Stiftungskasse zur späten Entschädigung von Zwangsarbeitern. Er will so – spät, aber nicht zu spät – deren «Schicksal würdigen» und ihnen «Respekt und Mitgefühl ausdrücken». Trotz massiver Kritik hat sich der 60-jährige Chaletbesitzer aus Gstaad BE und professionelle Betreiber der F.Ch. Flick Kunstverwaltung GmbH in Zürich jahrelang geweigert, der Stiftung «Erinnerung, Verantwortung und Zukunft» Geld aus seiner prall gefüllten Privatschatulle zu spendieren. War seine demonstrierte Hartleibigkeit wirklich so hintergründig motiviert, wie derzeit spekuliert wird, erhält Mick Flick nachträglich Genugtuung. Ein früherer Kapitalfluss aus Flicks Kasse hätte die Verpflichtung der rund 7000 mehr oder weniger zahlungswilligen deutschen Firmen nämlich um eben diesen Fünf-Millionen-Betrag entlastet. Nachdem bei den Firmen gegen 2,5 Milliarden Euro eingetrieben worden sind und die Bundesregierung einen gleich hohen Betrag an die Entschädigungsstiftung überwiesen hat, liefert Flicks Spende nun zusätzliches Hilfsgeld.

Carla Maria Schwöbel-Braun, LU (300–400 Millionen)

Mit dem Spatenstich am 10. Mai für die neue, gegen 20 Millionen Franken teure Firmenzentrale der B. Braun Medical in Sempach LU demonstriert Carla Maria Schwöbel-Braun erneut ihre tiefe Verbundenheit mit der gefundenen Heimat Schweiz. Die gebürtige Deutsche war mit ihrem Gatten Eckhard Schwöbel in den siebziger Jahren in die Zentralschweiz gezogen, hatte für den Familienkonzern B. Braun Melsungen nach und nach fünf schweizerische Betriebe eingerichtet und später das Bürgerrecht von Luzern erworben. Gegen 750 Mitarbeiter in der Schweiz steuerten im letzten Jahr mit knapp 217 Millionen Franken Umsatz rund fünf Prozent zum Erlös des Mutterhauses bei. Mit rund 30 Millionen Baukosten investiert Braun Medical derzeit gar noch mehr in die Erweiterung der Fabrikation in Escholzmatt LU.

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Ingvar Kamprad, VD (15–16 Milliarden)

Für Schwedens Königshaus steht der Möbelhändler Ingvar Kamprad in der Rangliste der wichtigsten Persönlichkeiten ganz oben – höher jedenfalls als Grossbritanniens Thronfolger Charles. Vor die Wahl gestellt, zur Hochzeit des Prinzen von Wales oder zur Einweihung eines Grundstücks für einen Ikea-Markt nach Japan zu reisen, entschied sich Kronprinzessin Victoria demonstrativ für den alten Schweden aus dem Waadtland. Nachdem sich Kamprad 1974 mit einem ersten Ikea-Ansiedlungsversuch im fernöstlichen Kaiserreich übernommen hat, lässt er seinen Japan-Statthalter Tommy Kullberg den zweiten Anlauf besonders gewissenhaft ausführen. Seit drei Jahren schon werden spezielle Gewohnheiten ausgekundschaftet: kleinere Betten, härtere Matratzen. Und eben eine Weihezeremonie schon für das Baugebiet. Die Verkaufshallen vor Tokios Toren werden erst jetzt aus von Priestern rituell gereinigtem Boden gestampft und voraussichtlich im April 2006 eröffnet. Ein zweiter Ikea-Markt soll ein Jahr später in Yokohama folgen.

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Rolf Gerling, TI (1–1,5 Milliarden)

Die Schadensregulierung nach schweren Verlusten in Gerlings ererbter Versicherungsgruppe macht angeblich klare Fortschritte. Rolf Gerling, der in Betriebswirtschaft und Psychologie doppelt promovierte 94-Prozent-Aktionär des Gerling-Konzerns in Köln, signalisiert Verkaufsbereitschaft und richtet sich offenbar bereits auf noch mehr Freizeit ein in seiner Residenz in der Nähe von Ascona. Während sein BMW unter dicken Planen geschützt im Carport parkiert, gestalten Gartenbauexperten den einige tausend Quadratmeter grossen Park rund um die Casa San Giorgio neu. Der Hausherr wartet derweil auf Offerten für seine wohl wieder wertvolleren Gerling-Wertpapiere. Angeblich zählt auch die Zurich Financial Services zu den Kaufinteressenten.

Otto Beisheim, ZG (2–3 Milliarden)

Wie mans macht, macht mans falsch? Metro-Handelsmilliardär Otto Beisheim, Bürger von Baar ZG mit deutschen Wurzeln, meinte es gut, griff ins private Portemonnaie und spendierte dem Berliner Bürgerverein namens Luisenstadt umgerechnet eine knappe halbe Million Franken. Damit soll ein Stück DDR-Grenzmauer zwischen Adalbert-Strasse und Köpenicker Strasse abgerissen und das Gelände so rückgebaut werden, wie es anno 1928 am damaligen Luisenstädtischen Kanal in der alten Reichshauptstadt einmal ausgesehen hat. Ein paar dutzend Anwohner, aus der alternativen Szene Berlins zumeist, laufen Sturm und fordern den «Erhalt des Mauerstreifens in seiner jetzigen Form und der dort lebenden Pflanzen und Tiere».

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