Bei den Mitarbeitern hat sich der künftige BMW-Chef Harald Krüger bereits einen Namen gemacht: Als junger Personalvorstand des Münchner Autobauers liess er bereits vor einigen Jahren die Arbeitsplätze der Bandarbeiter umgestalten, damit ihnen körperliche Tätigkeiten leichter fallen. Physiotherapeuten wurden eingestellt, in der Kantine wird seitdem gesünder und cholesterinärmer gekocht.

BMW sorgt so - wie andere Autobauer auch - unter dem Druck des Fachkräftemangels dafür, dass ältere Beschäftigte länger arbeiten können. Denn mehr als die Hälfte der Belegschaften in der Branche ist älter als 50 Jahre. Nun rückt Krüger an die Spitze des weiss-blauen Konzerns und wird damit der derzeit jüngste Vorstandschef eines grossen Automobilherstellers.

Die Sporen für den steilen Aufstieg

Die Sporen für seinen steilen Aufstieg hat sich der 49-jährige Maschinenbauingenieur in den vergangenen knapp zwei Jahren als Produktionsvorstand verdient. In dieser Zeit hat BMW die Abhängigkeit vom schwächelnden europäischen Heimatmarkt verringert und die Präsenz in wachsenden Ländern wie China und den USA ausgebaut.

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Beim Aufbau des US-Werks in Spartanburg war Krüger bereits kurz nach seinem Einstieg bei BMW Anfang der 1990er Jahre als junger Projektingenieur beteiligt. Es folgten Stationen in München und Grossbritannien, bevor Krüger 2008 als Personalvorstand in das Führungsgremium aufrückte. Ab 2012 war er dort für die Marken Mini und Rolls-Royce sowie das Motorradgeschäft verantwortlich, ab 2013 dann für die konzernweite Produktion.

Keine Ablenkung

Das Produktionsressort war schon für andere Manager Sprungbrett an die Unternehmensspitze: Sowohl Joachim Milberg als auch Norbert Reithofer leiteten zunächst diese grösste Sparte des Konzerns, bevor sie nach ganz oben befördert wurden. Deshalb wurde auch Krüger schon einige Zeit als Kronprinz für Reithofer gehandelt, den er nun im Mai 2015 beerben soll. Reithofer soll dann vorzeitig in den Aufsichtsrat wechseln und dort den Stuhl von Milberg als Vorsitzender des Gremiums übernehmen.

Mitarbeiter beschreiben den in Freiburg im Breisgau geborenen Krüger als im Umgang verbindlich, «extrem durchsetzungsstark» und effizient. Das sind Attribute, wie sie jedem Automanager unterstellt werden, der ein Unternehmen führen will. Bei Krüger scheint diese Eigenschaft indes besonders ausgeprägt: «Sie haben eine Besprechung mit ihm über fünf Themen. Nach 20 Minuten sind Sie wieder draussen und haben noch einen Auftrag obendrauf bekommen», schildert ein enger Mitarbeiter seine Erfahrungen. Den Ausgleich zu diesem Arbeitstempo holt sich der Vater von drei Kindern beim Joggen.

Die Effizienz, die Krüger der Produktion vorgibt, befolgt er auch bei sich selbst. In seinem Büro gibt es nur einen Schreibtisch und einen Laptop. «Da liegt nichts rum», sagt ein Mitarbeiter. Keine Papiere, es gibt keine Aktenschränke, nur einen Besprechungstisch. Nichts soll ablenken. Sein Faible für die Gesundheit am Arbeitsplatz ist indes geblieben: Stuhl und Schreibtisch sind ergonomisch optimiert.

(reuters/ccr)