Astronauten sind «echte Männer» – Astronautinnen auch. Nicht weil sie gelegentlich ihre Nebenbuhlerinnen verprügeln, sondern weil sie ihre Uhr selber aufziehen. Denn im schwerelosen All macht der automatische Aufzug schlapp. Es fehlt die Erdanziehung für die Schwungmasse, weshalb echte Männer ihre Uhr selber aufziehen. Die Uhr für echte Männer ist die Speedmaster: Sie hat einen Handaufzug.

Als Omega den Chronographen 1957 zum moderaten Preis von 380 Franken lancierte (415 Franken mit Metallarmband), war die bemannte Raumfahrt noch eine Fantasie von Jules Verne. Wenige Monate später sah dies jedoch schon anders aus: Am 4. Oktober 1957 schossen die Russen den Sputnik, das erste unbemannte Objekt, ins All.

Mit der Speedmaster hatte das Omega-Management ursprünglich auf den florierenden Automobilsport gezielt – die Karriere im All ergab sich für den Speedmaster zufällig. Zwei Angestellte der US- Weltraumbehörde Nasa setzten sich 1963 in ihren Dienstwagen, kutschierten nach Houston, klapperten die Uhrenhändler ab und kauften fünf Zeitmesser verschiedener Marken.

Nach ausgiebigen Tests stand der beste Chronograph fest: die Omega Speedmaster.

600 Millionen Menschen verfolgten in der Nacht vom 20. auf den 21. Juli 1969, wie Neil Armstrong sich um 22.56 Uhr auf dem Mond umschaute. Niemand achtete auf seine Uhr – er trug auch keine. Armstrong hatte sie an Bord gelassen. Die Speedmaster kam erst um 23.11 Uhr zu ihrer Mondtaufe, als sich Buzz Aldrin aus der Landefähre hinausmanövrierte.

Die grosse Bewährung für die Omega kam ein Jahr später auf der Apollo-13-Mission. Mitten im Flug zum Mond brach die Hauptstromversorgung der Raumkapsel zusammen. Der kürzeste Weg zurück zur Erde führte um den Mond herum und dauerte vier Tage, die Notstromversorgung war aber nur für zwei Tage ausgelegt. Bis auf den Funkempfänger stellten die Astronauten alle Energieverbraucher ab. Commander James Lowell vertraute seiner Uhr, um die Steuerungsrakete zu zünden, die das Raumschiff wieder in Richtung Erde manövrierte.

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Gestaltet hatte die Uhr Claude Baillod. Zunächst noch mit Pfeilzeigern, die 2005 wiederentdeckt wurden, und einer satinierten Tachymeter-Lünette anstelle der schwarz lackierten. Entwickelt worden war die Uhr bei der Lemania in L’Orient VD.

Dass in der Speedmaster heute nicht mehr nur das bereits 1942 von Albert Piguet konstruierte Chronographenkaliber 321 tickt, das Piguet 1965 von der Säulenrad- auf die zuverlässigere Wippensteuerung bei gleichzeitiger Erhöhung der Frequenz auf 21 000 Halbschwingungen pro Stunde umkonstruierte, ist eine Spätfolge der Trennung. Die klassische Mond-Speedmaster mit dem Plexiglas wird weiterhin mit dem Handaufzug ausgeliefert.

Zugleich gibt es aber auch die Speedmaster Broad Arrow mit den Pfeilspitzen der Speedmaster von 1957 an den Zeigern. In dieser Uhr tickt das automatische Chrono-Kaliber 3603 des Werkproduzenten Frédéric Piguet aus Le Brassus VD, den Nicolas G. Hayek mit Blancpain 1992 übernommen hatte. Der Purist wird über die Automatik die Nase rümpfen, aber dafür ist es wieder ein Chronograph mit einer Funktionssteuerung über ein Säulenrad statt einer Wippe.

Daneben gibt es die Speedmaster aber auch als Damenuhr mit automatischem Werk und diamantenbesetzter Lünette. Eine beachtliche Karriere für eine Sportuhr, deren Handaufzug einst gebieterisch nach echten Männern verlangte.

Und jetzt feiert sie ihren 50. Geburtstag. Im Januar 1957 nahm Lemania die Produktion der Speedmaster auf, 1958 gelangte sie in den Handel. Man sieht der Uhr die Jahre nicht an, auch nicht dem Urmodell von 1957. Womit bewiesen wäre, dass nichts so sehr gegen die Zeit immunisiert wie gute Form und stabile Leistung. Und dies alles zum vergleichsweise moderaten Preis von 3300 Franken. Happy Birthday!