Für den passionierten Uhrenfan Olaf Sieker gab es zunächst nur eine Uhr: «Ich bin 1969 geboren worden, im Jahr der ersten Mondlandung», sagt der 47-jährige Offsetdrucker. Und die Omega Speedmaster sei jahrzehntelang die einzige Uhr gewesen, die von der Raumfahrtbehörde NASA für alle Raumflüge zugelassen war. «Für mich kam als Erstkauf keine andere Uhr in Frage.»

Ähnlich klingt es bei vielen Kennern, jedenfalls wenn man sich im deutschsprachigen Facebook-Forum für Uhrenfreunde umhört: Die Uhr gehöre «zum Kreis der ultimativen Must-­haves im Uhrensektor – mit exquisitem Understatement-Faktor», notiert Connaisseur Mario Gräser. Sammler Thomas Thomsen rückt derweil neben der Technik «das geschmackvolle und zeitlose Design» in den Vordergrund.

Ursprünglich gar nicht als Monduhr geplant

Das Design ist heute 60 Jahre alt – 1957 hatte die Omega Speedmaster zu ticken begonnen. Geplant war die Uhr ursprünglich übrigens nicht als Monduhr. Das verrät schon der Tachymeter auf der Lünette, also die Skala, die das Messen von Geschwindigkeit erlaubt: Die Speedmaster wurde als Uhr für den Autofan erdacht und lanciert.

Kaum aber war das gute Stück in den Gestellen der Händler – am Anfang übrigens für 380 Franken mit Leder- oder 415 Franken mit Metallband zu haben –, deutete ein Ereignis die Zukunft der Speedmaster an: Am 4. Oktober 1957 schossen die Russen mit dem Sputnik das erste unbemannte Objekt ins All.

Zwölf Jahre später schlägt die ganz grosse Stunde der Omega. 600 Millionen Menschen verfolgen in der Nacht vom 20. auf den 21. Juli 1969 live in schemenhaften Bildern am Fernsehen, wie Astronaut Neil Arm­strong Punkt 22.56 Uhr in Florida (3.56 in der Schweiz) mit seinem linken Fuss den Mond berührt. «Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit», sagt er. Um 23.11 Uhr steigt auch Kollege Buzz Aldrin aus der Landefähre. An seinem Handgelenk, mit einem langen Velcroband über dem dicken weissen Ärmel des Raumanzugs befestigt, ist die Omega Speedmaster mit ihrem schwarzen Zifferblatt zu sehen, die erste Uhr auf dem Mond.

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Folter­programm bei der NASA

Die extraterrestrische Karriere der Speedmaster hatte mit strengen Tests der NASA begonnen. Zehn Uhrenmarken waren in die erste Auswahl gekommen, vier blieben zunächst im Rennen.

Unter der Leitung von Ingenieur James Ragan wurden die Uhren mörderischen Tests unterzogen. Sie wurden zwei Tage lang einer höllischen Hitze von 71 bis 93 Grad ausgesetzt, dann schockartig auf arktische minus 18 Grad gekühlt. Danach kamen sie ins Vakuum, wurden erneut – 15 Mal hintereinander – auf 93 Grad erhitzt und schlagartig auf ­minus 18 Grad gefroren. Zum Folter­programm gehörten Prüfungen in der Schwerelosigkeit, in magnetischen Feldern, unter massiven Erschütterungen, bei brutalen Beschleunigungen etc.

Nur eine Uhr überlebte das Martyrium schadlos. Am 1. März 1965 wurde die Omega Speedmaster von der NASA als flugtauglich für alle bemannten Weltraummissionen erklärt – «flight-qualified by NASA for all manned space missions», wie es in Houston hiess.

Überlebenswichtiger Einsatz

Die zweite und vielleicht sogar noch wichtigere Sternstunde für die Monduhr folgte wenig später während der Apollo-13-Mission. 55 Stunden und 54 Minuten nach dem Start in Cape Canaveral am 11. April 1970 passierte es: Das Apollo-Raumschiff CSM-109, «Odyssey» genannt, flog in 300'000 Kilometern Entfernung von der Erde, als im Servicemodul ein Sauerstofftank explodierte. «Houston, we’ve had a problem», funkte Kommandant Jim Lovell zum Kontrollzentrum.

Der Rest der Geschichte ist Legende: Die Landung auf dem Mond kam nicht mehr in Frage. Einziges Ziel war es nun, die ­Astronauten heil zurückzuholen, was ein abenteuerliches Unterfangen wurde. Mit Tüten, Klebeband, Plänen und einer Socke musste ein Adapter gebastelt werden, um die nicht kompatiblen Luftreinigungsfilter des Raumschiffs im System der Mondlandefähre verwenden zu können. Darin, so der Plan, sollten die Astronauten überleben.

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Kurz vor dem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre mussten die Antriebsraketen gezündet werden, um Apollo 13 auf Kurs zu bringen, und zwar exakt 14 Sekunden lang. Just hier kam die Omega Speedmaster zum überlebenswichtigen Einsatz. Dafür erhielt Omega den Snoopy Award, die höchste Auszeichnung, die von NASA-Astronauten vergeben wird.

Immer wieder wurde die Speedmaster seither in neuen Ver­sionen aufgelegt, es gab sie kurz als Quarzuhr, 1987 wurde ein automatisches Werk eingeführt. Aktuell kommt eine aufgefrischte Version der Speedmaster Racing in die Läden. Dazu gibt es unter anderem ein Damenmodell mit Diamanten auf der Lünette.

Alle neuen Modelle haben das Omega-Co-Axial-Werk, was den Sammler Thomas Thomsen bestimmt freuen wird: Die Marke Omega interessiere ihn «als Manufakturwerke-Sammler» speziell wegen dieser ausgeklügelten Mechanik unter dem Zifferblatt, schreibt Thomsen im Uhrenforum. Sammlerin Saskia Polewka derweil sieht es pragmatischer: «Die Technik interessiert mich weniger», sagt sie. «Doch wenn ich die Uhr sehe, bekomme ich einfach Herzklopfen.»

Welche Uhren mächtige Politiker wie Angela Merkel und Donald Trump tragen, sehen Sie in der Bildergalerie unten:

Das sind die Uhren von Trump, Merkel und Co.

Präsident von Venezuela: Nicolas Maduro
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Das sind die Uhren der mächtigen Politiker: US-Präsident Donald Trump bekam zur Amtseinführung eine Uhr der Schweizer Marke Vulcain. Die Tradition gilt seit Harry Truman für alle US-Präsidenten. Ob er die Vulcain Cricket auch tragen wird, ist aber noch offen. Der Milliardär besitzt zahlreiche weitere Luxusuhren.

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