Fünf eigene Boutiquen führt Omega allein in Indien, China gehört neben Japan und den USA zu den drei wichtigsten Absatzmärkten, und der Anteil der aufstrebenden Märkte am Gesamtabsatz erreicht mittlerweile 33 Prozent.

Das ist der Zahlenkranz einer florierenden Weltmarke, welche die Chancen der Globalisierung entschlossen nutzt. Das Ergebnis kann sich mehr als nur sehen lassen, es ist glänzend: Auf 1,2 Milliarden schätzt Ronald Wildmann, Leiter des Swiss Equity Research der Bank Leu, den Umsatz. Zum Gewinn der Swatch Group steuert Omega knapp die Hälfte bei. Bei den 600 Millionen, die für 2005 zu erwarten sind, wären das also 300 Millionen. Dass das Swatch-Wachstum auch künftig stark von Omega getragen wird, ist bereits klar absehbar:

– Omega hat sich mit dem Koaxial-Hemmsystem eine echte Exklusivität gesichert und darüber praktisch wieder die angestammte Rolle des führenden Herstellers mechanischer Präzisionswerke zurückerobert.

– Omega hat mit ihrer bis 1848 zurückreichenden Tradition ein substanzielles Savoir-faire und einen gewaltigen Fundus, um die Gegenwart zu interpretieren und sich für die Zukunft zu inspirieren.

– Omega hat sich mit dem Monopol der olympischen Zeitmessung – seit über 70 Jahren und 22 Olympischen Spielen – eine einmalige Stellung im Mediengrossereignis Sport gesichert.

– Und Omega arbeitet zielstrebig an der unmittelbaren Präsenz.

Was vor fünf Jahren – begleitet von den schmollenden Gesichtern lokaler Händler – mit einem eigenen Geschäft in Zürich anfing, entwickelte sich zu einem weltweit angelegten Konzept. Omega will an den wichtigsten Strassen der Welt markant sichtbar sein. Dass es dabei der Marke in der Schweiz gelang, sich in Luzern mit dem mächtigen Detaillisten Bucherer zu verbünden, seit Jahrzehnten treuer Bettgenosse des Erzrivalen Rolex, zeigt beispielhaft das wettkampffreudige Klima, das bei Omega herrscht. Da sucht ein Winning Team den Erfolg, statt einfach in Biel auf die Aufträge zu warten.

Omega betreibt heute allein drei eigene Geschäfte in London, eins in Los Angeles, eins in Tokio, spannt am Zürcher Flughafen mit Türler zusammen und wird sich im Laufe des Jahres in Genf an der Rue du Rhône etablieren. 30 eigene Stores sind es derzeit, 70 sollen es werden, teilweise mit Partner. Die Idee hinter den Flaggschiffgeschäften ist, wie Omega-Präsident Stephen Urquhart erläutert, der Marke ein klares Profil zu geben und die Neugierde aller zu wecken, die sie noch nicht kennen. Das kommt letztlich auch dem Uhrenhandel zugute. Die Omega-Boutique in Zürich belebte das Geschäft mit der Marke bei allen Händlern.

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700 000 Uhren setzt Omega heute ab, in diesem Jahr werden rund 200 000 davon mit der Koaxial-Hemmung ausgestattet sein. Damit ist auch schon klar, wie sehr diese Alternative zur herkömmlichen Ankerhemmung, deren konstruktive Überlegenheit kein Techniker bestreitet, der Marke bei ihrer Selbstwiederfindung geholfen hat. «Es war strategisch entscheidend», resümiert Urquhart den 1999 gefällten Entscheid: «Ich bin Nicolas Hayek unendlich dankbar dafür, dass er seinerzeit entschied, dem Koaxial-System eine Chance zu geben.»

Erfunden hatte das Hemmsystem (das über die Ganggenauigkeit einer Uhr entscheidet) George Daniels. Der Londoner Uhrmacher hatte in der ganzen Uhrenindustrie angeklopft, bis auf Hayek winkten aber alle ab. Sie scheuten das Risiko, das mit der Industrialisierung verbunden war.

Die industrielle Beherrschung der Präzisionszeitmessung ist eine alte Omega-Domäne. Das Haus war berühmt für seine Meister-Regulateure, deren Bilder heute im Museum hängen, und die Präzisionsrekorde seiner Chronometer.

Gleichwohl blieb es ein kühner Entscheid, für zunächst bescheidene Mengen – im Startjahr 2000 wurden nicht mehr als 10 000 Werke mit Koaxial-Hemmung ausgeliefert – eine neue Fertigung aufzubauen. Auch fehlte den Ingenieuren die letzte Gewissheit über die langfristige Bewährung im Alltag. Das ist nach etwa 350 000 Koaxial-Hemmungen, die mittlerweile im Umlauf sind, kein Thema mehr. «Heute ist der Erfolg eindeutig», erklärt Urquhart: «Das Werk wird das wichtigste Testimonial der Marke.» Und nach seiner Zukunftsvision befragt, sagt er: «Dass jemand beim Blick auf eine attraktive Uhr an einem Handgelenk den Träger fragt: ‹Schöne Uhr – ist es eine Koaxial?›»

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Dass die Evozierung bekannter Namen der Marke bei ihrer Aufholjagd sehr geholfen hat, gibt Urquhart unumwunden zu.

Besonders Cindy Crawford, um die Nicolas Hayek von Branchenkollegen ganz persönlich heftig beneidet wurde, und James Bond sorgten nachhaltig für die erwünschte Wahrnehmung. Derzeit ist Nicole Kidman die grosse Botschafterin der Marke.

Doch ohne die richtigen Erzeugnisse kann auf Dauer selbst die schönste und begabteste Botschafterin nichts ausrichten. Omega hat in erster Linie wieder zu sich selber gefunden unter konzentrierter Rückbesinnung auf die vier grossen Modellreihen Constellation, Speedmaster, Seamaster und De Ville.

Während Constellation – die führende Linie des Hauses – dank Cindy Crawford und die Seamaster unter Nachhilfe von James Bond zu Publikumslieblingen avancierten, lebt die Speedmaster davon, als einzige Uhr auf dem Mond gewesen zu sein. Das macht sie heute gerade bei Jüngeren so begehrt. Aber vielleicht schätzt man auch einfach die technischen und ästhetischen Qualitäten dieses vor bald fünfzig Jahren aufgelegten Chronographen mit dem Handaufzug, dem schwarzen Zifferblatt, dem bombierten Glas und den markanten Hörnern, der unverwechselbar ist, ohne dafür auf formale Extravaganzen angewiesen zu sein. Dass er seine Funktionstüchtigkeit auch auf dem Mond bewies, ist natürlich eine unbezahlbar gute Geschichte. Insofern erinnert die mechanische Speedmaster im Hightech-Zeitalter daran, wie weit man mit archaischer Technik kommen kann – bei scharfer Intelligenz und starkem Willen.

Mit den für dieses Jahr angekündigten Neuheiten beweisen die Bieler ihre Fähigkeit zur Systematik und ihre Beherrschung der Deklination: Neu kommt eine «Ladies De Ville», ein Chronometer-Chronograph mit Koaxial-Hemmung und einer diamantenbesetzten Lünette auf dem 35-Millimeter-Gehäuse. Witzig die elliptisch geformten Zähler für Sekunden, Minuten und Stunden und die grosse Datumsanzeige in einem Fenster zwischen zehn und elf Uhr.

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Uhrentechnik den Herrenmodellen vorzubehalten, kommt für Omega nicht in Frage. Die Marke erreicht weibliche und männliche Kundschaft zu gleichen Teilen. Wobei die Frauen vermehrt zu Herrenmodellen greifen. «Warum auch nicht, es gibt ja auch keine Frauenautos», kommentiert Urquhart den Trend.

Sehr viril dann der Constellation-Chrono mit Koaxial-Werk und Kautschukband und aufregend schön die quadratische De Ville X2 im 35*35-Millimeter-Rotgoldgehäuse mit den an den Seiten zu Dreiecksgiebeln ausgebauten Attachen. Dazu kommt die Olympia-Kollektion mit ihren Speedmaster- und Seamaster-Sondermodellen und als limitierte Rarität eine auf 300 Stück begrenzte Neuauflage der offiziellen Stoppuhr von 1932. Wohlgemerkt mit dem Original-Werk, von dem sich noch genügend Teile fanden, um 300 Werke bauen zu können.

Künftig wird Omega noch ganz andere Schätze aus ihrer reichen Vergangenheit heben. Dem Haus, das 1892 die erste Minutenrepetitions-Armbanduhr vorstellte, das seit 1908 damit lebt, gefälscht oder doch zumindest gezielt imitiert zu werden, das während des Zweiten Weltkriegs 110 000 Armbanduhren an die britische Armee lieferte und 1953 für die Royal Air Force eine Spezialarmbanduhr konzipierte, das seine Taucheruhren von Jacques Cousteau testen liess, das 1936 die erste Armbanduhr mit zentraler Sekunde lancierte, diesem Haus gelang mit der «Marine» 1932 auch die erste Taucheruhr. Und das im rechteckigen Doppelgehäuse, bei dem sich das kleinere Gehäuse mit dem Werk lateral in das grössere Schutzgehäuse schiebt. Zu schön, um keine Wiederauflage zu erleben. So sieht es auch Stephen Urquhart. Er hat es bereits veranlasst. Nur wie die Uhr heissen soll, weiss er noch nicht.

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Auf jeden Fall fügt sie sich ideal zum Publikum, das sich in der weltweiten Optik nicht aus Milliardären rekrutiert, sondern aus Architekten, Anwälten, Ärzten, Ingenieuren und anderen Freiberuflern, die einen sicheren Blick für Substanzwerte haben. Kein Fashion Brand, sondern die gegebene Wahl für Ästheten. Für Urquhart, der das Wort «Luxus» nicht schätzt («Was Luxus ist, entscheidet jeder für selbst»), sind Glaubwürdigkeit, Qualität, Substanz und Tradition die vier tragenden Pfeiler der Marke.

Auf Trendprognosen mag er sich nicht einlassen: «Seit 20 Jahren wird ein rückläufiges Interesse für Chronographen prophezeit, aber bisher stieg die Nachfrage immer nur weiter. Und ob die Uhren gross oder klein sind, ist nicht so wichtig.» Am Herzen liegt ihm vielmehr, «die Nachfrage nach mechanischen Werken zu erhalten. Das ist die wichtigste Aufgabe. Erfreulicherweise ist heute gerade in Super-Hightech-Ländern wie Japan und Korea die Frage nach mechanischen Uhren besonders stark.»

Dass er die Marke in aller Behutsamkeit auch im Schmuckbereich positioniert, hat für Stephen Urquhart im Wesentlichen drei systematisch bedingte Gründe:

– Im Schmuckbereich tummeln sich weltweit erst wenige Marken.

– Die Hälfte der Kundschaft ist weiblich.

– Und nicht zuletzt können die Omega-eigenen Stores ihr Angebot erweitern und sich damit ein grösseres Publikum erschliessen.

Wie bei der Einführung des Koaxial-Systems lief die Nachfrage zögerlich an. Doch mit einem unverwechselbaren Design soll im laufenden Jahr der Durchbruch kommen. Dann hätte Nicole Kidman mehr als nur die richtige Uhr am Handgelenk zu tragen.

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