Das Vermögen das Familie Stern wird von der «Bilanz» auf 3,2 Milliarden Franken geschätzt. Geld ist in der Dynastie hinter der begehrtesten Schweizer Uhrenmarke also genug vorhanden. Und doch bekommen die Söhne von Patek-Philippe-Präsident b Thierry Stern nicht alles, was sie wollen. Und schon gar nicht das, was alle von Patek wollen – eine grüne Nautilus. Pardon: Eine Nautilus mit der Referenz 5711/1A/014 mit olivgrünem Zifferblatt.
«Meine beiden Söhne», schreibt Stern in einem Gastbeitrag für den britischen «Daily Telegraph», «fragen mich immer: Können wir eine haben? Aber meine Antwort lautet stets gleich: Nein.»
Kein Wunder: Der strenge Vater könnte die Uhrenwelt mit grünen Nautilus-Modellen regelrecht überschwemmen, würde er wirklich die gigantische Nachfrage nach den Uhr befriedigen wollen. Die Wartelisten bei den Juwelieren sind wahrscheinlich länger als für jedes andere Modell der Schweizer Horlogerie. Und ohnehin setzen die Händler nur ihre allerbesten Kundinnen und Kunden darauf. Will heissen: Wer nicht ordentlich Umsatz bolzt mit kommuneren Uhrenmarken oder weniger begehrten Patek-Modellen, wird nie in den Genuss der Happy Few kommen, bloss den Listenpreis von 29'500 Franken für die im Kern simple Stahluhr zu bezahlen zu dürfen.
Listenpreis mal 10
Die Lust auf das pateksche Nautilus-Grün ist aktuell so gross, dass auf Grau- und Secondhand-Plattformen regelrechte Fantasiepreise aufgerufen werden. Die aktuell krassesten Beispiele: Die in New York ansässige E-Commerce-Plattform Jomashop listet eine grüne Nautilus für 363 600 Dollar, umgerechnet rund 334 000 Franken. Und ein Händler in Dubai bietet die Uhr auf Chrono24 für 362 225 Dollar feil. Vier weitere Angebote sind auf der Plattform mit «Preis auf Anfrage» gekennzeichnet, was wohl bedeutet, dass die Anbieter die Uhr nicht besitzen, sondern bloss versuchen, sie dem Meistbietenden zu beschaffen.
Klar ist: Die aktuell aufgerufenen Preise für die grüne Nautilus stellen in Sachen Mondpreise alles, was bisher als Exzess galt, locker in den Schatten.
Man erinnert sich: Als Thierry Stern vor einigen Wochen das Produktionsende der Nautilus mit blauem Zifferblatt – dem bisherigen Patek-Hype-Produkt – bestätigte, schnellten die Preise auf dem Occasionsmarkt von rund 60 000 Franken auf knapp 100 000 Franken hoch, also vom Doppelten des Listenpreises auf das Dreifache. Bei der grünen Nautilus wird nun aber versucht, mehr als das Zehnfache zu lösen. Das ist dreist – und Ausdruck davon, dass das Angebot nicht nur im regulären Uhrenhandel, sondern auch im Secondhand-Geschäft noch sehr sehr dünn ist.
Thierry Stern sagt es ganz klar: «Wir versuchen es zu vermeiden, an Leute zu verkaufen, welche die Uhren bloss flippen.» Als Flipper brandmarkt die Uhrenbranche Käufer, die bloss zum Zweck des schnelles Wiederverkaufs Uhren kaufen. «Aber», fügt Stern an, «Das Flippen ist gar nicht einfach zu kontrollieren.» Obwohl jeder Patek-Händler schwarze Listen mit den schwarzen Schafen führt – und alle dort Aufgeführten mit einem Kauf- oder Hausverbot belegt.
Grün ist die Hoffnung, heisst es. Bei Patek aber ist Grün die Farbe der Gier.

