Von einem Esstisch auf Korfu an die Seite der britischen Königin: Prinz Philip hat alles andere als ein gewöhnliches Leben geführt. Am Mittwoch wird der Ehemann von Queen Elizabeth 94.

Was macht Prinz Philip aus? Zotige Sprüche, stets an der Seite der Queen, gern in Uniform, das fällt wohl den meisten ein. Es gibt unendlich viele Anekdoten über den Ehemann von Elizabeth II., in denen er meist schwarzhumorig, etwas trottelig oder schlichtweg unverschämt rüberkommt.

Zu fast allem, was über ihn geschrieben und gesagt wird, bezieht er gar nicht erst Stellung. Doch als Philip etwa 1986 britischen Studenten in China sagte: «Wenn ihr noch viel länger hierbleibt, bekommt ihr alle Schlitzaugen», löste er einen Skandal mittlerer Grösse aus. Und es war kein Einzelfall.

Am Mittwoch (10. Juni) wird Prinz Philip, Herzog von Edinburgh, Graf von Merioneth und Baron Greenwich, 94 Jahre alt. Mehr als 75 Jahre steht er in Kontakt mit seiner Elizabeth, im November haben sie ihren 68. Hochzeitstag. Bereits 2009 avancierte Philip zum amtsältesten Ehepartner eines britischen Monarchen der Geschichte.

Auf Esstisch zur Welt gekommen

Das Leben des künftigen Prinzgemahls war von der ersten Minute an kein ganz Gewöhnliches, nicht mal nach Adels-Massstäben. Der Spross des Hauses Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg kam auf der griechischen Insel Korfu zur Welt, und zwar, wie Biografen übereinstimmend schreiben, auf einem Esstisch. Warum? Der Arzt habe das praktischer gefunden, heisst es bei seinem Biograf Gyles Brandreth.

Philip wurde als Sohn eines Prinzen von Griechenland und Dänemark geboren und trug selbst den Titel Prinz von Griechenland. Wenn er mit der Queen am 23. Juni in Deutschland zu einem Besuch eintrifft, wird das aber fast ein Besuch in seiner zweiten Heimat.

In seinem verzweigten Stammbaum wimmelt es von Deutschen, seine vier älteren Schwestern heirateten Deutsche, er besuchte ein Jahr lang die Schule Salem in Süddeutschland und spricht Deutsch.

Exil in Paris

Glücklich waren Philips Kindheit und Jugend nicht. Sein Vater musste mit der Familie aus Griechenland ins Exil nach Paris. Angeblich wurde der kleine Philip, gerade eineinhalb Jahre alt, in einer Orangenkiste auf das Schiff gebracht.

Schon bald kümmerte sich sein Vater kaum noch um die Familie. Die Mutter erlitt einen Nervenzusammenbruch, kam in die Psychiatrie und ging später ins Kloster. Jahrelang sah Philip die Eltern so gut wie nicht. Eine Schwester und ihre Familie starben 1937 bei einem Flugzeugunglück.

Als 18-Jähriger begann der Prinz, mit der damals 13-jährigen Elizabeth Briefe auszutauschen. Es sei Liebe auf den ersten Blick gewesen, sagte die Queen später.

Anzeige

«Mann von»

Seit der Hochzeit mit der künftigen Königin und noch mehr seit ihrer Krönung am 2. Juni 1953 war Philip in erster Linie «Mann von». Und das war zweifellos nicht immer leicht, schon gar nicht für jemanden, der als selbstbewusst und abenteuerlustig beschrieben wird.

Ein Beispiel: Der frühere Prinz von Griechenland - er musste den Titel ablegen - durfte seinen Familiennamen nicht vererben. «Philip schäumte vor Wut», schreibt dazu Gyles Brandreth.

Im Jahr der Krönung gab Prinz Philip seine aktive Karriere bei der Marine auf und lernte dafür das Fliegen, das zur Leidenschaft wurde. Bis 1997 flog er 59 verschiedene Flugzeugtypen. Zudem beschäftigte er sich mit Polo, Segeln und Pferdekutschenrennen. Ausserdem malte er und sammelte, unter anderem Cartoons.

Bei Umbauten auf royalen Anwesen plante und arbeitete er selbst gern mit: Einen Teich am Schloss Balmoral in Schottland baggerte er eigenhändig aus. Die Förderung der Wissenschaft gehörte zu seinen besonderen Interessen, 35 Jahre lang war er Kanzler der Elite-Uni Cambridge.

Halt für die Queen

Philip lebt seit Jahrzehnten an der Seite einer äusserst pflichtbewussten Frau, die ihn «meine Stärke und meinen Halt in all den Jahren» nennt. Büchern wie «Das geheime Leben der Windsors» und natürlich die Boulevardpresse wollen von allerhand Affären auf beiden Seiten wissen. Natürlich ist nichts bestätigt oder bewiesen. Vielleicht ist es auch ganz egal.

Wenn Philip frech grinsend neben seiner Frau herläuft, der Königin aus der Kutsche hilft oder ihr vor Treppenstufen den Arm reicht, sieht er jedenfalls aus wie ein Mann, der mit seinem langen Leben ganz zufrieden ist.

(sda/ccr)