Er hat eine Band angeführt, war Solokünstler und Nebenmann, schrieb Songs, produzierte und arrangierte, er leitete ein Plattenlabel und komponierte Filmmusik, er schrieb Bücher und brachte Spielfilme auf die Leinwand. Das von ihm produzierte, meistverkaufte Album aller Zeiten - Michael Jacksons «Thriller» von 1982 - ist in seiner Laufbahn fast eine Randnotiz. Am 14. März wird Alleskönner Quincy Jones 85.

Die Noten hatten es dem Jungen aus Chicago früh angetan. Als Teenager spielte Quincy Jones Trompete und sang in einer Gospel-Gruppe, nach dem Umzug nach Seattle spielte er mit Jugendfreund Ray Charles. Bald verschlug es ihn nach New York, wo er Titel für Count Basie, Tommy Dorsey und Dinah Washington arrangierte und als Trompeter die Band von Dizzy Gillespie anführte.

Erster Afroamerikaner an der Spitze eines grossen US-Plattenlabels

Mit dem Unterricht bei Koryphäe Nadia Boulanger in Paris perfektionierte er sein Spiel weiter. Mit der Ernennung als Vizepräsident bei Mercury Records wurde Jones 1961 als erster Afroamerikaner musikalischer Leiter eines grossen US-Plattenlabels - die schwarze Bürgerrechtsbewegung nahm da gerade erst Fahrt auf.

«Es ist immer noch abgefuckt», sagt Jones heute über Rassismus in Hollywood und den USA - aber nicht nur dort: «Wenn ich nach Dublin fahre, lässt (U2-Sänger) Bono mich in seinem Schloss wohnen, weil Irland so rassistisch ist.» Auch Frank Sinatra, mit dem Jones in den 1960er Jahren arbeitete, habe ihn damals geschützt.

Quincy Jones in den 60er Jahren

1960er Jahre: Quincy Jones mit seiner Big Band.

Quelle: Imagno/Getty Images
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Mit 27 Grammys ausgezeichnet

Komponist, Arrangeur, Produzent: Bei den grössten Würfen seiner Karriere blieb Jones meist die still wirkende Kraft im Hintergrund, ob bei Aretha Franklin und Ray Charles, Miles Davis und Billie Holiday, Peggy Lee oder eben Michael Jackson. Mit seinen 27 Grammys ist Jones fast ungeschlagen, nur Alison Krauss (27) und Georg Solti (31), beide im Klassik-Genre zu Hause, haben den begehrtesten Musikpreis ähnlich häufig gewonnen.

Nominiert wurde Jones 79 Mal. «Du machst deine Fehler und lernst, wie man an das gute Zeug kommt», zitiert ihn die Recording-Academy auf ihrer Website.

Michael Jackson und Quincy Jones 1994

1994: Michael Jackson und Quincy Jones werden mit dem Grammy Award ausgezeichnet.

Quelle: Chris Walter/WireImage/Getty Images

Inoffizieller Kulturbotschafter

Seiner eigenen Laufbahn als Musiker sollte das aber keinesfalls Abbruch tun. Das Album «Body Heat» von 1974 schaffte es in die Top Ten der Billboard-Charts, weitere Alben kamen unter die oberen 20 Platzierungen. Nach der Diagnose eines lebensgefährlichen Aneurysmas, einer Aussackung der Blutgefässe im Gehirn, musste er sein Trompetenspiel allerdings einstellen.

Mit den Jackson-Alben «Off The Wall», «Thriller» und «Bad» (1987) hatte Jones den Gipfel des Popmusikgeschäfts erreicht. Und als sei das irgendwie nicht genug gewesen, schlug er parallel Schneisen in die Film-, Fernseh- und Zeitschriftenbranche: Soundtrack zu «The Color Purple» von Steven Spielberg, Produzent der TV-Sitcom «Der Prinz von Bel Air», Herausgeber der Musikzeitschriften «Vibe» und «Spin».

Unter der karitativen Arbeit blieb vor allem die Benefiz-Single «We Are the World» mit Jackson und Lionel Richie in Erinnerung. Teils wirkte Jones wie eine Art inoffizieller Kulturbotschafter der USA.

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Quincy Jones und Will Smith

Quincy Jones und Will Smith: Jones war Produzent der TV-Sitcom «Der Prinz von Bel Air».

Quelle: NBC/Getty Images

Mehr Songs, keine Hooklines

Am Ende gab es scheinbar fast nichts, was Jones im US-Entertainment nicht gemacht oder erlebt hatte - und darüber hört er sich offenbar auch gern selbst reden. Er packt Anekdoten zu den Beatles, Prince, David Bowie und Rapper Tupac Shakur aus, aber auch zu Malcolm X, Elon Musk, Truman Capote und Buzz Aldrin.

Bei all diesen Begegnungen und Errungenschaften sei es «schwer zu glauben, dass sie alle die Erfahrungen eines einzigen Mannes sind», schrieb das Magazin «GQ» nach einem Interview im Januar. Ach, und dann wären da natürlich noch sieben Kinder aus drei Ehen und zwei weiteren Beziehungen.

Mit den Kendrick Lamars und Bruno Mars' von heute kann Jones durchaus etwas anfangen. Aber «wir brauchen mehr Songs, Mann. Verdammte Songs. Keine Hooklines», sagt er im Blick auf die Ohrwurm-Titel. Zur Frage, was er als Produzent für Sängerin Taylor Swift beispielsweise anders machen würde, sagt Jones: «Mir wird schon was einfallen.»

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(sda/ccr)