Vor zwei Wochen 60 Jahre alt geworden, nimmt es Reto Francioni jetzt ein wenig gemütlicher – und geht gewiss auch mehr auf Bildungsreisen. Zu tun wird es nicht viel geben, denn als designierter Verwaltungsratspräsident der Swiss sind die ­Arbeitsmöglichkeiten eingeschränkt – von Flugzielen über Flotte bis zur Strategie entscheidet das operative Swiss-­Management im Einvernehmen mit der Lufthansa-Zentrale. Dorthin fliessen die Gewinne der Swiss, dort liegen das Geld und damit die wahre Macht.

Zwar bestimmt formal der aktuelle Swiss-Verwaltungsrat unter Präsident Bruno Gehrig den Nachfolger für den scheidenden Swiss-Chef Harry Hohmeister, doch in Wahrheit kann er nur abnicken, was Lufthansa-Chef Carsten Spohr will. Der Lohn fürs Swiss-Präsidium ist nicht bekannt, soll laut Schätzungen von Insidern aber weniger als 100'000 Franken betragen. Attraktiv macht den Job, dass der Präsident für einen Bruchteil des Flugpreises privat fliegen darf – auch First Class.

Schon bei seinem letzten operativen Job, dem Chefposten der Deutschen Börse von 2005 bis 2015, galt der Aargauer nicht als arbeitswütig, nach der gescheiterten Fusion mit der New Yorker Börse von 2012 erlahmte seine Dynamik fast vollends. Drei Millionen Euro Lohn gab es jährlich im Schnitt. 2013 holte ihn UBS-Präsident Axel Weber in der Verwaltungsrat der UBS. Lohn dort: 475'000 Franken im Jahr für einige wenige Sitzungen.

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