Seit einiger Zeit wird weltweit von einem erneuten Vinyl-Boom gesprochen. Für den Berner Ingenieur für Mastering und Schallplattenschnitt Adi Flück bedeutet die Rückbesinnung zur guten alten Schallplatte nicht nur ein neues Gefühl für beste Soundqualität, sondern auch eine unerwartete Blütezeit für ein rar gewordenes Handwerk.

Adi Flück ist kein «Vinyl-Dogmatiker». Wenn ein Medium auf Kosten der Digitalisierung aussterbe, dann sei das Pech, sagt er. Entsprechend hatte sich der gebürtige Brienzer einst damit abgefunden, dass es mit dem Aufkommen der CD den Anschein machte, als würde die Schallplatte nach und nach vom Markt verschwinden.

Schallplatten-Einzelanfertigungen

Der ehemalige Tontechniker schneidet seit 10 Jahren Platten, seit einiger Zeit hauptberuflich. «Hereingerutscht» ist der Oberländer durch seine Freunde, die 2001 in Delhi günstig eine Plattenschneidmaschine erwerben und in Bern unter dem Namen Centraldubs ein Studio für die primäre Anfertigung sogenannter Dubplates aufbauen konnten - Schallplatten-Einzelanfertigungen für DJs etwa aus der Reggae-, Dub- und Drum'n'Bass-Szene.

Was er damals höchstens hoffte, aber sicher nicht ahnen konnte: Ein paar Jahre später stiegen die Vinylverkäufe weltweit wieder massiv an. In Grossbritannien, so berichteten Medien Ende 2016, überstiegen die Verkaufszahlen von Schallplatten erstmals die Ausgaben für digitale Downloads. In der Schweiz ist die Zahl der umgesetzten Schallplatten laut «Tages-Anzeiger» seit 2006 von 20'000 auf über 150'000 gestiegen. Heute ist Flück einer der wenigen Vertreter einer jungen Cutter-Generation, und sein Handwerk gefragt wie nie.

Auch kommerzielle Bands kommen

In Flücks mittlerweile eigenem Studio im Berner Mattequartier gehen nicht mehr nur DJs, Indie-Bands und Vertreter heimischer Underground-Labels - so etwa Reverend Beat-Man von Voodoo Rhythm Records - ein und aus. Auch kommerzielle Bands wie die Berner Band Züri West oder das Zürcher Elektropop-Duo Yello klopfen an und wollen ihren Sound fachmännisch gemastert und im grossen Stil auf Vinyl gepresst bekommen.

Mit dem erneuten Schallplatten-Boom ist auch der Wert der damals aufgrund mangelnder Nachfrage günstig erworbenen Schneidmaschine massiv angestiegen. «Auf der ganzen Welt gibt es heute nur noch etwa 300 bis 400 funktionierende, professionelle Maschinen», so Adi Flück im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. Darunter seine, die in den 70ern gebaut wurde und noch immer läuft wie geschmiert.

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Aufnahme in Echtzeit

Der Prozess, in dem ein Song aus der digitalen Form auf die Schallplatte geschnitten wird, ist für einen Laien in etwa so gut nachvollziehbar wie jener, in dem ein Buchstabe via Tastaturbetätigung auf den Computerbildschirm gelangt. Adi Flück spricht von Audiosignalen, von horizontaler und vertikaler Schneidrichtung, und erklärt, dass die Aufnahme in Echtzeit erfolgt. Alle weiteren Ausführungen übersteigen die Vorstellungen eines Outsiders.

In der Praxis lässt sich der Vorgang jedoch mit dem ganz normalen Auflegen einer Schallplatte im heimischen Wohnzimmer vergleichen. Nur dass Adi Flück anstelle eines fertiggestellten Werks eine noch unbespielte, aalglatte Lackplatte auf den Teller seiner Schneidmaschine legt. Eine leere Scheibe, auf die die Rillen und damit die Musik erst noch übertragen werden.

Attraktiver als ein USB-Stick

«Trotz des Rauschens ist die Soundqualität auf einer Schallplatte einfach besser als alles andere», schwärmt der Tonspezialist, als er sich die taufrische Aufnahme später zur Kontrolle anhört. Gewisse Szenen wie Metal-, Stoner- oder Garage-Rock-Bands hätten dem Medium aus diesem Grund erst gar nie abgeschworen.

Und andere finden nun wieder Geschmack daran, ihre Musik neben der digitalen Veröffentlichung auf Vinyl zu pressen. Sicher nicht zuletzt deshalb, weil die CDs zunehmend verschwinden und «sich eine Schallplatte als Alternative nach Konzerten ganz einfach besser verkaufen lässt als ein USB-Stick».

(sda/ccr)

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