Die Webseite 10-only.com sieht edel aus, das Design ist vom Feinsten. Eine laszive Dame mit Weinglas in der Hand räkelt sich auf einer geplättelten Treppe, Blondinen schlürfen Cocktails an paradiesischen Stränden. «Romantik und Entspannung erwarten Dich!», verspricht man potentiellen Kunden. 

Diese suchte «10-Only» vor allem unter erfolgreichen Geschäftsmännern, die für einige Tage an exotischer Lage ein wenig Zeit mit «Traumfrauen» verbringen wollen - alles inbegriffen, versteht sich. Es geht um Sexferien, getarnt als «privilegierte Bekanntmachungen», als Escort Service im Luxusbereich. Angeboten wurden Stützpunkte in Zürich, Monaco oder Wien.

Ein «Dandyman007» mit Bernhardiner

Hinter 10-Only steckte ein 46-Jähriger aus dem Raum Basel mit Pseudonym «Dandyman007» - die James-Bond-Glitzerwelt hatte es ihm offenbar angetan. Er behauptete, erfolgreich bei Schweizer Investment-Banken tätig gewesen zu sein - wo genau, das verrät er nicht. Durch seine Banker-Erfahrung sei die Vertraulichkeit besonders hoch, liess er die Presse wissen. In der Vergangenheit bediente er sich verschiedenster Identitäten. Nennen wir ihn der Einfachheit halber einfach «Dandyman». Auf Facebook präsentiert er sich mit Bernhardiner vor Zermatter Bergkulisse.

«Dandyman» war nicht nur in der Bankenszene ein gesuchter Mann. Er stand von Juli 2011 bis Ende 2012 auch auf der öffentlichen Fahndungsliste Interpols - die brasilianische Polizei interessierte sich brennend für ihn: Sein Umfeld war im internationalen Frauenhandel tätig.

Werbung mit Fifa, Formel 1, St. Moritz, Wimbledon

Als ihn handelszeitung.ch auf «10-Only» ansprach, meinte er: «Das Verfahren in Brasilien wurde im September eingestellt. Seither sind auch alle Daten zu meiner Person bei Interpol gelöscht. Sicherlich wissen Sie dass des öfteren Personen auf einer Watchliste landen ohne damit etwas zu tun zu haben. Genau so war das auch bei mir (...) Die Website auf die sie sich beziehen ist nicht mehr in Betrieb. Ich habe mich schon vor einigen Jahren von diesem Geschäft getrennt.»

Fakt ist: «Dandyman» warb bis Donnerstag für einschlägige Ferien «in den Alpen» im Jahr 2013. Zwischen April und Juni 2012 standen die Damen in Costa Rica zur Verfügung. Die Kundschaft dürfte richtig begeistert gewesen sein, wie bereits im September 2011: «Du bekommst, wofür Du zahlst!»

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Gleich nach der Anfrage von handelszeitung.ch begann «Dandyman» mit dem Verwedeln von Spuren im Internet. Er nahm sofort die Webseite www.10-only.com vom Netz. Eine andere aber, die im genau gleichen Luxus-Prostituierten-Business seines Umfelds operierte, heisst Nikkidavis.com und ist nach wie vor online - sie befindet sich noch im Aufbau.

Die Webseite «10-Only» schmückte Logos der Fifa, des Tennis-Events in Wimbledon, dem Formel-1-Rennen in Monaco oder des White-Turf-Pferderennens in St. Moritz. Die Fifa und auch White-Turf-St. Moritz waren über die Gratis-Werbung nicht eben erbaut und veranlassten, dass «Dandyman» sie wieder löschte.

Sex-Resort in der Karibik

Bereits in den 90er-Jahren war Dandymans Umfeld mit den «Viking's Resorts» («Ferienort der Wikinger») unterwegs - dafür registrierte man die Viking Entertainment Group Inc 1997 auf den Britischen Jungferninseln.

Logiert hatten die Gäste in der Dominikanischen Republik. Für 2980 Dollar gabs drei Tage - und drei Nächte mit Traumfrauen. Die «Viking's Resorts» waren offenbar ein Riesen-Hit - im Internet sprach sich der Geheimtipp auf Sextourismus-Webseiten schnell herum, selbst wiesen die Edel-Luden auf «Tests» in einschlägigen Magazinen hin, Porno-Produzenten montierten ihre Kameras und auch der «Playboy» drehte einen Beitrag:

Neben Ukrainerinnen und anderen Damen aus Osteuropa waren auch brasilianische «Garotas» im Angebot. Doch in Südamerika bekamen «Dandyman» und seine Kumpane massive Probleme: Brasiliens Bundespolizei ermittelte wegen Verdachts auf Menschenhandel.

«Operation Harem»

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Im Juli 2009 verhafteten Polizeibeamte den Amerikaner John Bradley Heep und elf weitere Personen in Brasilien sowie den USA. Zwei weitere Haftbefehle wurden in der Dominikanischen Republik erlassen, einer zusätzlich in Frankreich. Der Vorwurf lautete auf Verschwörung zum Menschenhandel und weitere Delikte. Die Verhaftungswelle war das Resultat einer Zusammenarbeit zwischen der amerikanischen Immigrationsbehörde ICE, der brasilianischen Bundespolizei und weiterer Organe.

Auch Beamte des US-Aussenministeriums waren in den Fall involviert, wie eine Wikileaks-Depesche zeigt - unter den Verhafteten befanden sich drei US-Amerikaner. Die aufwendigen Ermittlungen nannten die Beamten «Operation Harem».

Falsche Job-Versprechen

Die Frauenhändler schmuggelten pro Jahr um die 200 Brasilianerinnen über Sao Paulos internationalen Flughafen als Edelprostituierte ins Ausland - unter anderem zu «Viking's Resort», also zu «Dandyman» und seinen Kumpanen. Die Frauen wurden auch nach Europa (Frankreich), USA (Las Vegas) Uruguay und den Mittleren Osten verfrachtet, pro Monat soll jede Prostituierte um die 40'000 Dollar Umsatz generiert haben. Einige Frauen hatten gewusst, dass sie als Prostituierte arbeiteten, andere sind schlicht mit falschen Job-Versprechen gelockt worden

Weitere Recherchen der brasilianischen Bundespolizei ergaben, dass Personen der Frauenhändler-Bande auch einen nationalen Luxus-Prostituierten-Ring aufzogen, indem sie Models und TV-Tänzerinnen anheuerten und an VIPs in Brasilien vermieteten. Die Kundschaft bestand aus Politikern, Fussballprofis und Wirtschaftsführern.

Das Umfeld des «Viking's Resorts» auf der Dominikanischen Republik erstellte eine Anleitung auf Portugiesisch und Englisch, wie sich die Frauen bei den Hausbesuchen zu verhalten hätten, berichtete die brasilianische Zeitung «Folha». Beim Pool etwa war «Oben-Ohne» obligatorisch. Die Kunden konnten die Frau ihrer Wahl in digital aufbereiteten «Bestellkatalogen» aussuchen. Teilweise wurden Werbebilder der Frauen per E-Mail übermittelt, in Brasilien wurden sie den Klienten auch als Katalog direkt von einem Boten übergeben.

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Verschachtelte Aufteilung

«Dandymans» Umfeld arbeite organisiert mit anderen Kreisen zusammen, insgesamt machten die Beamten sechs Gruppen aus. M. rekrutierte in Brasilien die Frauen, die in die Dominikanische Republik zur «Arbeit» geschickt wurden. L. stellte den Kontakt mit D. her, um den Ländertransfer der jungen Frauen zu ermöglichen. D. war auch für die finanziellen Belange, die Geschäftsführung und Zwischenhändler-Dienste zuständig, die L. und M. leisteten. Als die Frauen im «Viking's Resort» eintrafen, wurden sie von J. «betreut», dem die Aufsicht in der Villa oblag und der die Frauen entsprechend anleitete, die «Kundschaft» zu befriedigen.

Die Kontakte der Frauenhändler überspannten mehrere Kontinente. So wurde etwa aufgrund der Operation Harem auch in Russlands Hauptstadt Moskau ein belgischer Vertrauter des russischen Oligarchen Suleiman Kerimov vorübergehend verhaftet.