Den milden Temperaturen in den letzten Tagen zum Trotz sind hochgelegene Skisportorte optimistisch für die laufende Wintersaison: Die Tourismusverantwortlichen zeigen sich sehr zufrieden mit den Buchungen, wie eine Umfrage bei mehreren Skigebieten ergab. Auch die höheren Preise schrecken die Ski-Touristen nicht ab.

Der Buchungsstand sei im Moment überdurchschnittlich gut, sagt Jan Steiner von Engadin St. Moritz Tourismus (ESTM): «Wir dürfen von einem fulminanten Saisonstart sprechen.» Allerdings wisse man, dass die Saison-Abrechnung erst nach Ostern erfolge und erst dann das Fazit gezogen werden könne.

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Die ersten Rückmeldungen von Hotellerie und Parahotellerie seien sehr erfreulich und liessen darauf schliessen, dass die Auslastung nochmals über Vorjahr liege. «Auch im 5-Jahres-Schnitt sind wir sehr zufrieden», sagt Steiner. Zahlreiche Gäste seien schon vor Weihnachten angereist. Und die Ferientage würden sich in den Januar hineinziehen. «Bis und mit 8./9. Januar können wir von einem sehr guten Buchungsstand ausgehen.»

Ähnlich tönt es auch beim Direktor von Engelberg-Titlis Tourismus, Andres Lietha: «Die Buchungen für die Festtage waren sehr gut, und auch für Februar haben wir bereits sehr gute Buchungsstände.» Im Januar und März sei für Engelberg zudem das Geschäft mit Firmenanlässen und Kongressen wichtig. Hier seien die Kapazitäten schon fast ausgebucht.

Bei den Bergbahnen habe man im Vorverkauf bis Ende Oktober so viele Saisonkarten verkauft wie noch nie, sagt Lietha. Dabei sei bereits 2021 ein neuer Rekord aufgestellt worden. «Es scheint, dass wir mit der Schneesicherheit am Titlis zurzeit eher profitieren, da viele tiefer gelegenen Skigebiete Mühe haben, ihr Angebot aufrecht zu erhalten», sagt der Direktor von Engelberg-Titlis Tourismus.

Kein Schnee in tieferen Lagen

Dies zeigt genau, wo der Schuh drückt: Die derzeit milden Temperaturen machen kleinen und mittleren Skigebieten in der Schweiz zu schaffen: Viele von ihnen sind geschlossen oder haben nur einen Teil der Anlagen in Betrieb. Schnee liegt laut Meteoschweiz je nach Region erst ab etwa 1300 bis 1800 Metern.

Laut der Internetseite von Schweiz Tourismus läuft der Skibetrieb nur in grossen und den sogenannten Top-Skigebieten der Schweiz. Doch auch in den grösseren Gebieten stehen nicht alle Anlagen in Betrieb, sondern nur die höher gelegenen.

Die Pistenverhältnisse seien nach wie vor gut, vor allem in den Lagen von 1800 bis 3000 Meter Höhe, sagt der Direktor von Engelberg-Titlis Tourismus. Allerdings: «Es gab auch in vergangen Jahren Föhneinbrüche über die Festtage, die Ausprägung ist jedoch nicht normal. Selbstverständlich schmerzt der Wärmeeinbruch über die Feiertage etwas – hier wären bei guter Schneelage sicher noch mehr kurzfristige Buchungen möglich gewesen.»

Neuschnee trotz Wärmeeinbruch

Derzeit profitiert beispielsweise das Skigebiet Samnaun, das mit dem österreichischen Ferienort Ischgl verbunden ist: Der Wintersport und insbesondere das Skifahren erfreue sich nach wie vor grosser Beliebtheit, sagt der Direktor der Bergbahnen Samnaun, Viktor Prinz: «Die Zahl der Ersteintritte erreicht zwar nicht jene der Wintersaison 2019/2020, in welcher Rekordzahlen zu verbuchen waren, übersteigt bisher jedoch jene der Winter 2017/2018 und 2018/2019.»

Der Wärmeeinbruch der letzten Tage dürfte keinen Einfluss auf das Buchungsverhalten haben. Die Schnee- und Pistenverhältnisse in der Silvretta-Arena seien derzeit hervorragend, sagt Prinz. Aufgrund der Höhenlage des Skigebietes, das sich bis knapp 2900 Meter erstrecke, habe es trotz der hohen Temperaturen in den vergangenen Tagen bis zu 30 Zentimeter Neuschnee im Skigebiet gegeben.

Auch im Dorf Samnaun liege dank der Höhenlage von 1800 Metern Schnee, was «für die Winterstimmung unbezahlbar ist», sagt Bernhard Aeschbacher, Co-Direktor Tourismus Engadin Scuol Samnaun Val Müstair AG: «Viele Hoteliers melden eine sehr erfreuliche Buchungslage.»

Im Dezember habe man zwar weniger Logiernächte zu verzeichnen als 2021 aufgrund der ungünstigen Lage der Feiertage, da Heiligabend auf einen Samstag gefallen sei. Aber dieser Effekt werde sich in der ersten Januar-Woche 2023 wieder ausgleichen, sagt Aeschbacher: «Insgesamt sind wir sehr zufrieden mit der Buchungslage.»

Viele Vorausbuchungen

Im Engadin hätten die Gäste bereits im Vorfeld gebucht, sagt Jan Steiner von ESTM: «Das Engadin ist in der glücklichen Lage, dass wir sogar jetzt, wo es im Unterland sehr warm ist, über beste Schneeverhältnisse verfügen.» Die Skigebiete seien grösstenteils offen und die Pisten in perfektem Zustand. 50 von 57 Anlagen im Oberengadin und zwei Drittel der Pisten seien geöffnet.

Bei der Destination Adelboden-Lenk dürften die Buchungszahlen wahrscheinlich zwischen dem verhältnismässig guten Winter 2019/20 und dem Rekord-Winter 2021/22 liegen, sagt Albert Kruker, Direktor Lenk-Simmental Tourismus: «Inwieweit die aktuelle Wettersituation diese Erwartungen schmälert, können wir noch nicht beurteilen. Die zunehmende Kurzfristigkeit der Buchungen lassen dies nicht zu. Die Schnee- und Wetterlage wird dafür ausschlaggebend sein.»