Das Zurich Film Festival ist in vollem Gange und in der Limmatstadt herrscht sichtbar Filmfieber. Das ZFF findet dieses Jahr zum elften Mal statt und ist inzischen fest in Zürich verankert. Besonders in den Anfangsjahren war die Kritik allerdings gross. Der Vorwurf: Das Zürcher Festival sei unnötig und könne neben dem Filmfestival Locarno nicht bestehen.

Elf Jahre später leben beide Veranstaltungen noch, es scheint genug Platz zu geben für zwei grosse Filmfestivals in der Schweiz. Wie steht das Zurich Film Festival 2015 im Vergleich mit Locarno da? Ein Blick auf das Programm, das Budget, die Zuschauerzahlen und den Glamourfaktor liefert Antworten.

Das ZFF holt beim Programm auf

Das etablierte Filmfest von Locarno fand dieses Jahr bereits zum 68. Mal statt. International gehört Locarno zu den A-Festivals Filmfestivals, wenngleich sie nicht in einer Liga mit Cannes, Berlin oder Venedig spielen. Diesen August wurden in Locarno 179 Filme gezeigt, darunter waren sieben Schweizer Filme. In Zürich werden in diesen Tagen 161 Filme gezeigt, 16 mehr als vor einem Jahr. Die Schweiz ist mit neun Filmen vertreten. Zürich scheint auf dem besten Weg, Locarno in Sachen Programm einzufangen.

Bei den Weltpremieren stehen die zwei Schweizer Filmfeste ganz ähnlich da. Zwar präsentieren sie beide zahlreiche Weltpremieren, allerdings sind darunter keine grossen Welthits, sondern kleinere Spielfilmproduktionen oder Dokumentarfilme.

Budget in Locarno und Zürich wächst

Beim Budget hat Locarno klar die Nase vorne. Die diesjährige Ausgabe verfügte über ein Budget von 13 Millionen Franken. Zürich muss immer noch mit deutlich weniger Geld auskommen. Inzwischen beträgt das Budget vom ZFF 7,1 Millionen Franken, damit ist liegen die finanziellen Mittel 2015 200'000 Franken höher als noch vor einem Jahr und mehr als zwei Millionen Franken höher als noch 2011. Erstaunlicherweise verfügt Locarno noch nicht allzu lange über ein solch grosses Budget. 2000 mussten die Organisatoren mit nur vier Millionen auskommen.

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Recht unterschiedlich präsentiert sich die Finanzierung. In Locarno werden über 40 Prozent des Budgets mit öffentlichen Geldern gedeckt. In Zürich sind es dagegen nur etwa 10 Prozent. Für den Rest kommen mehrheitlich die Sponsoren auf. In Locarno sind dies die UBS, Swisscom, Manor und AET (Stromversorgungsunternehmen). Das Zurich Film Festival wird von der Credit Suisse, UPC Cablecom, Audi und neu von der Fluggesellschaft Etihad gesponsert.

Publikumsmagnet Piazza Grande

Diesen Sommer haben rund 164'000 Filminteressierte den Weg ans Filmfestival Locarno gefunden. Letztes Jahr zählte das Zurich Film Festival 79'000 Besucher. Gut möglich, dass mit mehr Filmen dieses Jahr auch mehr Zuschauer in die Kinos strömen und Zürich seine Besucherzahl erneut steigern kann.

Die Freiluft-Filmvorführungen auf der Piazza Grande sind der Grund, warum Locarno so viel mehr Zuschauer anzieht, obwohl das Filmprogramm vom Umfang her ähnlich ist. 8000 Plätze sind dort jeweils gestuhlt und wenn es denn nicht regnet, auch regelmässig vollbesetzt. Die höheren Zuschauerzahlen in Locarno haben Auswirkungen auf die Ticketeinnahmen, diese sind in Locarno etwa doppelt so hoch wie in Zürich.

Stars, Stars und Stars

Filmfestivals leben vom roten – oder grünen – Teppich und den Stars, die darauf für Aufmerksamkeit sorgen. Am Donnerstagabend machten in Zürich die Darsteller des Eröffnungsfilms «The Man Who Knew Infinity» den Anfang. Dem interessierten Publikum präsentierten sich etwa die Schauspieler Dev Patel, Jeremy Irons und Stephen Fry.

Den Weg nach Locarno fanden im August unter anderem Comedystar Amy Schumer und die deutsche Schauspielerin Senta Berger. Beliebtes Mittel, um Stars anzulocken, sind Preisverleihungen.  Locarno zeichnete so Ed Norton und Andy Garcia aus, die prompt beide ins Tessin anreisten. In Zürich werden in den kommenden Tagen Arnold Schwarzenegger, Kiefer Sutherland, Liam Hemsworth, Mike Leigh, Armin Mueller-Stahl und Steve Golin ausgezeichnet und alle werden zur Abholung der Preise am Festival erwartet. Weiter werden die Schauspieler Christoph Waltz, Luke Evans, Ellen Page und Rami Malek ihre neusten Filme präsentieren.

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Die Gegenüberstellung legt nahe, dass Zürich im Bezug auf die Stars und den Glamourfaktor einen klaren Vorteil hat. Bei der Opulenz des Programms sind die Zürcher auf gutem Wege zum etablierten Locarno Filmfestival aufzuschliessen. Das Budget steht noch ein Stück weit zurück - wird dafür aber stärker aus privater Hand finanziert.