Herr Wozniak*, Sie haben mit Ihrem Jugendfreund Steve Jobs vor 38 Jahren Apple gegründet. Bis heute ranken sich Mythen um die Gegensätze zwischen den Apple-Vätern.

Steve Wozniak: Kann man wohl sagen.

Wir möchten mit einem Assoziationsspiel herausfinden, welche Rolle Sie im Gründer-Duo gespielt haben. Wir nennen Ihnen männliche Doppelspitzen aus Politik, Wirtschaft und Kultur – und Sie sagen uns, mit wem Sie sich identifizieren.

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Ich versuche, mein Bestes zu geben.

John Lennon oder Paul McCartney?

John Lennon. Er war bei den Beatles der Intellektuelle. Wobei mir die Beatles eigentlich zu sehr Pop waren. Ich hörte lieber Bob Dylan. Diese Leidenschaft habe ich übrigens mit Steve Jobs geteilt.

Captain Kirk oder Mr. Spock?

Spock. Logisch. Ich bin schliesslich als Ingenieur aufgewachsen. Wenn ich genauer darüber nachdenke, muss ich zu- geben, dass Kirk der grosse Held meiner Jugend war. Ich liebe sie beide.

Han Solo oder Chewbacca?

(lacht) Einfälle haben Sie. Der «Star Wars»-Wookie ist komisch. Noch komischer finde ich allerdings Archie Bunker. Das ist ein fiktiver Familienvater aus einer Sitcom-TV-Serie, die in den USA in den 1970ern erfolgreich war. Er durfte sich über alles und jeden lustig machen.

Und das wollen Sie auch machen dürfen?

Ich verspüre nicht den Drang, Leute zu beschimpfen. Aber in meinem Alter muss ich nicht mehr politisch korrekt sein. Ich war immer schon eine Art Comedian. Wenn ich in Diskussionsforen auftrete, kann ich mich heute entspannt zurück- lehnen und mir überlegen, wie ich auf lustige Weise meine Meinung sage.

Sie stehen bis heute im Schatten von Steve Jobs. Der gilt als Lichtgestalt und IT-Genie, Sie als «Aschenputtel von Apple». Wie gehen Sie damit um?


Vieles, was über mich, Steve und Apple erzählt wird, ist falsch. Wir waren nicht Highschool-Klassenkameraden. Wir haben die ersten Apple-Computer nicht gemeinsam entwickelt – die habe ich al- lein konzipiert. Das steht alles in meiner Autobiografie. Ich wurde nicht von Steve Jobs gesteuert. Dass er die Ikone von Apple wurde und die Titel aller bedeutenden Magazine zierte, hat auch damit zu tun, dass ich mich scheute, PR-Arbeit zu übernehmen. Das wollte ich nicht.

Und was wollten Sie?

Ich wollte ein normaler Mensch sein, Dinge erfinden. Das Fundament von Apple war der erste marktfähige Computer. Ich habe den Apple II erfunden, der zur wichtigsten Einnahmequelle unserer Firma wurde und das Leben vieler Menschen veränderte. Ich wollte eine Technologie, mit der sich jeder Mensch einen Computer leisten kann. Steve Jobs leistete keine technische Arbeit.

Wollen Sie Steve Jobs vom Sockel holen?

Mich stört die Mythenbildung, er sei die treibende Kraft gewesen. 1985 verliess er Apple, gründete seine Firma NeXT. Als Steve später zu Apple zurückkehrte, war er viel reifer; erst da war er wirklich in der Lage, ein Unternehmen zu leiten.

Haben Sie es nie bereut, sich bei Apple zurückgezogen zu haben?

Ich bereue gar nichts. Ich war bei vollem Verstand, als ich 1985 die Entscheidung traf, eine neue Firma zu gründen.

Sie waren Freunde, zuletzt immer noch Partner. Wann haben Sie Jobs das letzte Mal vor seinem Tod gesehen?


Wirklich gesehen habe ich ihn 2011 bei seiner letzten Keynote-Präsentation für Apple. Aber wir telefonierten immer wie- der mal, auch kurz vor seinem Tod. Wir waren mehr als Kollegen. Selbst nach seinem Tod blieb ich ihm auf kuriose Weise verbunden. Ich bin bis heute als Apple- Mitarbeiter auf der Gehaltsliste. Auf meinem Gehaltsauszug stand noch ein Jahr lang der Zusatz «Wozniak berichtet an Steve Jobs». Heute berichte ich an den derzeitigen Vorstandsvorsitzenden. Mit dem tausche ich mich aber nicht oft aus.

Haben Sie nie daran gedacht, wieder mehr Verantwortung bei Apple zu übernehmen, vielleicht als kreativer Tüftler?

Apple hat grossartige Produkte, an denen sie ständig weiterfeilen – das könnte mich reizen. Andererseits liebe ich mein Leben, wie ich es jetzt führe. Mein Flugzeugunglück war ein starker Einschnitt.

Sie crashten Anfang der 1980er mit Ihrer Privatmaschine auf einen Parkplatz.


Ich wurde schwer verletzt, litt lange unter Amnesie. Statt zu Apple zurückzukehren, habe ich erst mal meinen Collegeabschluss nachgeholt. Dann habe ich zehn Jahre lang Fünftklässlern in Los Gatos beigebracht, was man mit Computern alles anstellen kann.

Wenn Tim Cook Ihnen ein attraktives Angebot machte, sich wieder bei Apple einzubringen – was würden Sie antworten?

Wenn ich den Eindruck hätte, ich könnte bei Apple wieder eine entscheidende Rolle spielen, wäre ich gern dabei. Apple ist die Firma meines Lebens – auch wenn ich sie hin und wieder kritisiert habe.

* Steve Wozniak war Mitgründer von Apple und legte in den 1970er Jahren mit der Entwicklung der Modelle Apple I und II den technischen Grundstein für den unternehmerischen Aufstieg der Firma. Er selber stieg weitgehend aus, auch wenn er Apple nie ganz verliess, und wendete sich anderen Projekten zu – unter anderem seinen neuen Firmen CL 9 und Wheels of Zeus. Er verstand sich aber nie als Unternehmer, sondern als Tüftler und Ingenieur.

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