Liebe Aargauer, es tut mir leid. Niemand versteht eure Subaru-Leidenschaft. Auch ich verstand sie nicht. Bis ich einen fuhr. Keinen Legacy oder Forester. Wer Subaru-Fans verstehen will, steigt in den WRX STI.

Zugegeben, eine Schönheit ist er nicht. Der Nippon-Sportler schaut grimmig drein, protzt mit fetten Kotflügeln und einem massiven Heckspoiler. Doch selbst Subaru setzt heute auf Understatement. Das «Bügelbrett» gibt es mittlerweile nur noch gegen Aufpreis - mein Testwagen hat es selbstverständlich verbaut. Pflicht für das volle WRX-Erlebnis.

Publikumsmagnet

Ein kalter Morgen, mitten in Zürich. Stau, so weit das Auge reicht. Keine Spur von Leidenschaft für das Autofahren - könnte man meinen. Anders im Subaru. Freilich komme ich auch mit 300 PS nicht zügig durchs Nadelöhr. Doch das ist egal. Der Subaru ist ein Publikumsmagnet. Irritiert blicken Passanten zu meinem WRX STI. Was will denn der mit seinem Bauern-Porsche hier? Landei. Angeber. Die Blicke sprechen Bände.

Ich will die Stadtzürcher nicht enttäuschen. Beherzt lasse ich beim Anfahren den Motor aufheulen. Nicht, dass ich so schneller am Ziel wäre. Doch der 4-Zylinder-Boxermotor brüllt dabei herrlich sonor, sodass sich die Passanten in ihrem klischeehaften Denken bestätigt fühlen. Im Rückspiegel sehe ich, wie mir eine junge Dame - stilsicher mit oranger Strickjacke - den Stinkefinger zeigt. Was mir ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Leistung satt

Unbestritten, es gibt ökologischere Autos. Doch wer richtig öko sein will, kauft sich gar keines. Und wenn, dann sicher keinen Sportwagen. Was der WRX STI durch und durch ist. Den Prestigesprint schafft er schneller als ein Porsche Cayman - und das zum Schnäppchenpreis. Für 45'000 Franken gibt es Leistung satt, ein bretthartes Sportfahrwerk, eine feinfühlige Lenkung und - im Gegensatz zu einem klassischen Sportler - Platz für vier Personen.

Freilich gehört der WRX STI nicht in die Stadt. Subaru baut Autos fürs Land. Das beweist ein Ausflug ins Berner Oberland - genauer, ein Ritt über den Sustenpass. Gierig klebt der Japaner in den Kurven. Kein Untersteuern, kein unnötiges Zerren am Lenkrad. Der moderne Allradantrieb meistert seine Aufgabe vorzüglich. Der Motor ist durchzugsstark, benötigt aber reichlich Touren. Wie ein 911 Turbo anno 1980. Nicht zeitgemäss? Na und? In Zeiten, wo Hersteller auf Elektronikschnickschnack und Perfektion setzen, Motoren auf Verbrauch und möglichst lineare Leistungsentfaltung hin optimieren, überzeugt der Subaru mit seiner rauen Gangart. Er erinnert an Zeiten, als Turbolöcher noch als cool galten und 300 PS nicht in jedem Brot-und-Butter-Auto zu finden waren.

Heute gibt es 300 Pferde auch im Golf. Und der ist sauschnell. Zudem ist er besser verarbeitet, komfortabler und - zumindest auf dem Datenblatt - schneller und sparsamer als der WRX STI. Doch das nützt nichts. Niemand dreht sich nach einem Golf um. Wer gerne polarisiert, greift zum Subaru. Er ist das Gesicht in der Menge, ein Charaktertyp. Ein Auto, das noch Auto sein will.

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