Hoteliers des Jahres

Heinz E. und Jenny Hunkeler, «Kronenhof», Pontresina

Die Gastfreundschaft, die den Hunkelers offensichtlich seit Generationen im Blut liegt, wird am besten in unerwarteten Situationen erkennbar. Das junge Paar meistert diese Überraschungsmomente – es gibt deren viele in einem Grandhotel – souverän, präzise und ohne Trallala. Die beiden verleihen dem historischen Haus eine Integrität, die Ästhetik allein nicht vermitteln könnte. Ihr Stil ist relaxt, der Drahtseilakt aus perfekt erbrachter Dienstleistung und menschlicher Wärme gelingt ihnen scheinbar mühelos.

Auch interessant

Empfangschefin des Jahres

Katja Oberndorfer, «Mont Cervin Palace», Zermatt

Die Réception ist die organisatorische Drehscheibe in jedem Hotel. Hier laufen die Fäden zusammen, hier wird dafür gesorgt, dass die Gäste während ihres Aufenthalts das bekommen, was sie erwarten. Eine gute Réceptionistin kennt alle, weiss alles, sieht alles. Und bleibt dabei so verbindlich und natürlich wie Katja Oberndorfer. Von der Ankunft bis zur Abreise vermittelt sie ihren Gästen das gute Gefühl, dass sie keinen anderen Gedanken hat als deren Wohlergehen. Da fühlt man sich nicht auf, sondern in den Arm genommen.

Concierge des Jahres

Marco Vaudo, «Castello del Sole», Ascona

Entgegen-, aber nie zu nahe kommend, sieht Marco Vaudo seine Hauptfunktion nicht darin, Schlüssel zu verwalten, sondern dem Gast so viel wie möglich abzunehmen. Sein Name steht für Diskretion, seine Kontakte öffnen Türen. Er ist der Möglichmacher. Vaudo sagt, sein liebster Gast sei jener, der ihn fordere: Menschen, die ein anspruchsvolles Verhältnis haben zu dem, was möglich ist. Die wissen, dass man, wenn man im Luxushotel absteigt, Spezialwünsche nicht nur haben darf – man kann auch erwarten, sie erfüllt zu bekommen.

Restaurantchefs des Jahres

Raffaele Esposito, Simone Bee-Seyfarth, «Victoria-Jungfrau», Interlaken

Die sehr unterschiedlichen Hotelrestaurants La Terrasse und Jungfrau-Brasserie liegen über 100 Meter auseinander und befinden sich doch unter demselben Dach. Beide Lokale werden mit einer selten gelungenen Mischung aus traditionellem Berufsethos und modernem Serviceverständnis geführt. Sowohl der langjährige Maître d’Hôtel Raffaele Esposito als auch seine junge Berufskollegin Simone Bee-Seyfarth sorgen für jenes Fluidum, in dem sich jeder Gast mindestens so wichtig genommen fühlt, wie er sich selbst nimmt.

Hotelkoch des Jahres

Sandro Steingruber, «Waldhaus», Flims

Der 33-jährige Tessiner lässt sich weder vom kulinarischen Globalismus noch vom Avantgardegewitter der molekularen Hexenküche noch von gekünsteltem Gourmetwahn blenden. Er musste sechs Jahre lang auf die Zähne beissen, bis das Vorzeigerestaurant Epoca dem herbeigesehnten Totalumbau unterzogen wurde und nun atmosphärisch mit den Darbietungen aus seiner Küche mithält. Seine Menus: französisch-mediterran mit asiatischen Finessen, schlicht, aber überraschend und mit kontinuierlich wachsender Virtuosität.

Sommelier des Jahres

Claudio Recchia, «Villa Principe Leopoldo», Lugano

Gesucht und in Luganos Prestigehotel gefunden: ein umgänglicher Sommelier, der mit seiner Leidenschaft für Weine die Gäste ansteckt und vertrauensvoll zu Neuem animiert. Claudio Recchia, der im stilvollen Restaurant des «Principe Leopoldo» die Doppelrolle als erster Maître d’Hôtel und Sommelier mit sympathischer Grandezza erfüllt, empfiehlt mit feinem Gespür für die exquisiten Menus von Küchenchef Dario Ranza nicht nur Luxusflaschen, sondern ist auch bei kleineren Geldbeuteln nie um einen guten Rat verlegen.

Barchef des Jahres

Markus Blattner, «Widder», Zürich

Es gibt nicht mehr als ein Dutzend wirklich gute Barkeeper in der Schweiz, einer der besten ist Markus Blattner. Er erfreut nicht nur mit klassischen Cocktails und einer Auswahl von 300 Single Malts – er erfasst auch die Stimmung seiner Kunden sofort. Blattner weiss, wann er jemanden besser in Ruhe lässt und wann er dem Gast ein freundliches Gespräch anbietet. In der Pianobar kommen Menschen aus allen Zeitzonen zusammen. Der Mix von Hotelgästen und Zürchern trägt viel dazu bei, dass die Stimmung stimmt.

Wellnessleiterin des Jahres

Bianca Vigliotti, «Park Hotel Weggis»

Im «Sparkling Wellness»-Bereich fühlt sich der Gast nicht als Stückgut, das von Behandlung zu Behandlung gehetzt wird. Anders als in andern grösseren Wellness-Resorts wird man hier persönlich vom Team um Bianca Vigliotti betreut. Zur Auswahl steht eine halbe Hundertschaft klassischer und fernöstlicher Pflegebehandlungen, darunter tibetische Energiemassagen und medizinische Kosmetik. Die feinfühligen Therapeutinnen und Therapeuten machen den Fünfsterneluxus im Park Hotel zur angenehmen Nebensache.

Hoteldesigner des Jahres

Enzo Enea, Landschaftsarchitekt, Rapperswil-Jona

Der rund um den Globus tätige Gartenarchitekt hat nicht nur seinen ganzen Berufsstand auf ein höheres Niveau gebracht, er hat auch das Potenzial des Aussenraums von Häusern erkannt wie kaum jemand vor ihm. «Die meisten Hotels der Schweiz könnten sich über den Aussenbereich mehr Gedanken machen und nicht nur in teure Spas investieren», sagt Enea. «Gelingt es, einen Garten als Erweiterung des Hotels zu gestalten und vielfältig nutzbar zu machen, verschafft dies selbst wenig attraktiven Gebäuden einen Mehrwert.»

Hotelpianist des Jahres

David Csaba, «Bellevue», Gstaad

Einen überzeugenden Hotelpianisten zu finden, ist schwieriger, als ein ganzes Hotelteam zusammenzustellen. Viele haben ein vorhersehbares Repertoire, andere wollen musikalische Pionierarbeit leisten und leeren damit die Hotelhallen. Umso erfreulicher ist die Bekanntschaft mit David Csaba, der für entspannte Atmosphäre sorgt, den richtigen Song im richtigen Moment spielt und die Lounge-Bar so zum unterhaltsamen Mittelpunkt des Hauses macht. Zudem schmeichelt sein Personengedächtnis manchem Gast.

Hotelunternehmer des Jahres

Toni Mittermair, «Victoria», Glion

Der Hotelier als Unternehmer – vor 100 Jahren war das die Norm, heute ist es die Ausnahme. Dank Ausdauer, harter Arbeit und echter Wertschätzung für jeden Gast gelingt es Toni Mittermair seit drei Jahrzehnten, unabhängig zu bleiben. Seine Standfestigkeit, sich nicht von Trends unter Druck setzen zu lassen, sondern mit Stil und IQ seinen eigenen Weg zu gehen, verdient grossen Respekt. Das «Victoria» ist trotz einmaliger Architektur, Landschaft und Atmosphäre kein Schaustück zum Bewundern, sondern ein Hotel zum Brauchen und Bewohnen.