Das Ereignis gilt als besondere Ehre. Und es ist äusserst selten. Doch am 28. Mai 1967 passierte es: Die Londoner Tower Bridge wurde zeremoniell voll geöffnet. Geehrt wurde damit ein gewisser Sir Francis Chichester – wir kommen gleich auf ihn.

Davor war die Tower Bridge 1965 zum Trauerzug von Sir Winston Churchill letztmals aus zeremoniellen Gründen komplett offen. Und voll geöffnet wurde sie wieder am 3. Juni 2012 zum 60-Jahre-Thronjubiläum von Königin Elizabeth II. für die Parade auf der Themse.

Alleine auf legendärer Weltumsegelung

Sir Francis Chichester, so muss man wissen, ist bis heute in den Augen vieler Briten der letzte wahre Seeheld Gross­britanniens. Obwohl bei ihm ein Krebs dia­gnostiziert worden war und ihm die Ärzte nur noch wenige Monate zu leben gegeben hatten, brach er am 27. August 1966 mit seinem Boot «Gipsy Moth IV» zu seiner legendären Weltumsegelung auf. Nur einmal legte er an Land an, in Sydney, sonst war er rund acht Monate lang auf seinem beinahe 55'000 Kilometer langen Parcours auf See – ganz allein.

Die Nation fieberte mit, und weil man in England ein feines Gespür für grosse Symbolik hat, wurde Chichester von ­Königin Elizabeth II. nach dem Exploit auf spezielle Art zum Ritter geschlagen – mit dem ehemaligen Schwert von Sir Francis Drake nämlich.

Klagloser Begleiter

Verfolgt wurde das Ereignis auch in der Schweiz. Und vor allem beim Luxusuhrenbauer Rolex war die Freude riesig. Denn Sir Francis Chichester war eine Art Botschafter der Marke, als es den Begriff noch gar nicht gab: Er trug während der ganzen, 226 Tage dauernden Reise eine Rolex am Handgelenk. «Wenn ich sie zum Ermitteln meiner Position mit dem Sextanten vorn auf der Brücke brauchte», notierte er später in einem Brief, «war sie oft harten Schlägen und heftigen Wellenbrechern ausgesetzt.» Klaglos habe sie das ausgehalten. «Ich kann mir keine robustere Uhr vorstellen.»

Die Geschichte passt perfekt zur Marke mit dem goldenen Kronenlogo. Seit den fünfziger Jahren ist Rolex nämlich mit dem Segelsport verbunden. «In dieser Zeit», sagt Arnaud Boetsch, Di­rektor für Kommunikation und Image, «konnte die Marke eine enge Verbindung mit den wichtigsten Yachtclubs der Welt eingehen.» Mittlerweile unterstütze Ro­lex mehr als ein Dutzend Regatten – darunter die prestigeträchtigsten überhaupt.

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Vielseits engagiert

Rolex ist nicht der einzige Sponsor von Regatten, auch Omega, Panerai, Louis Vuitton, Zenith und andere segeln in dieser Domäne. Doch sie ist zweifellos eine der wichtigsten Marken auf See, das ­Unternehmen ist vom Rolex Sydney Hobart Yacht Race über das Rolex China Sea Race bis zum Giraglia Rolex Cup bei vielen Wettkämpfen engagiert.

Und zu den Yachtclubs, mit denen die Genfer Uhrenmanufaktur eine Partnerschaft pflegt, gehört unter anderem die sagenumwobene britische Royal Yacht Squadron, die eben ihr 200-jähriges Bestehen feiert. Sie wird zu den ehrwürdigsten Clubs der Welt gezählt und ist in Cowes bei Southampton stationiert.

Perfektion ist gefragt

Just in Cowes auf der Isle of Wight startete kürzlich wie alle zwei Jahre das Rolex Fastnet Race, das zu den schwierigsten Regatten der Welt gehört. Mehr als 350 Boote warteten gleichzeitig hinter der Startlinie – ein aufregender Moment.

An der Fastnet-Regatta geht es darum, möglichst perfekt zu starten, all­fällige Windstille und Strömungen von Ebbe und Flut klug einzukalkulieren, den ­legendären Fastnet-Felsen mit Leuchtturm vor der südwestlichen Küste Irlands zu umrunden und schliesslich in die ­Hafenstadt Plymouth zurückzusegeln.

Auf See mit Handicap

Die Keltische See, dies nebenbei, gilt als rau und manchmal sehr gefährlich. 1979 kam es zur Katastrophe: Im Bereich der Labadie-Sandbank kenterten viele Boote in einem Orkan, fünfzehn Teilnehmer und vier Retter kamen ums Leben. Auch 2011 kenterte ein Schiff; in letzter Minute konnten fünf erschöpfte und fast erfrorene Mitglieder der «Rambler 100» gerettet werden. Die Besitzer liessen sich nicht entmutigen: Sie waren dieses Jahr mit der «Rambler 88» wieder am Start.

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Die Schnellsten sind nicht immer die Ersten. Zu spüren bekam das dieses Jahr die Schweizerin Dona Bertarelli, die mit ihrem Lebenspartner Yann Guichard und der Crew auf der «Spindrift 2» Bestzeit hinlegte, damit zwar auch Siegerin ihrer Kategorie wurde, den Over-all-­Gesamtsieg aber dem Franzosen Géry Trente­saux auf «Courrier du Leon» überlassen musste.

Handicap sorgt für Fairness

Grund dafür ist eine sehr faire Regel: Für jede Yacht wird vom Veranstalter ein technisches Handicap errechnet und mit der tatsächlich erreichten Segelzeit multipliziert. Es geht beim Handicap um das Tempo-Potenzial des Bootes; ein Hightech-Boot, das sehr schnell sein kann, hat ein höheres Handicap als ein Retro-Boot, das bestenfalls halb so schnell durch die Wellen pflügt.

Der Sieger des Rennens erhält eine ­Rolex Yacht-Master mit Gravur am Uhrenboden. Wer eine solche Uhr partout haben möchte, kann also ein Schiff kaufen, eine Crew zusammenstellen, alles geben, die Regatta gewinnen und die Uhr nach Hause nehmen. Günstiger und ­weniger aufwendig ist der Gang zum ­Uhrenhändler: Die Yacht-Master ohne Gravur kann man problemlos kaufen.

Yacht-Uhr auch bei Nicht-Seglern beliebt

Und sie wird nicht nur von Seglern gekauft, wie Jörg Baumann beobachtet hat. Baumann weiss, wovon er spricht. Er ist Direktor Marketing und Business Development sowie Mitglied der Geschäfts­leitung bei Bucherer, und Bucherer mit Boutiquen in Luzern, Paris und an vielen anderen Standorten ist einer der grössten Rolex-Verkäufer überhaupt.

«Es ist der gelungene Look der Uhr, der gefällt», sagt Jörg Baumann. Das spezielle Design komme gut an, der sport­liche Touch gefalle, und die Komplikation sei verständlich. Die Yacht-Master II sei eine begehrte Uhr, und auch die dieses Jahr eingeführte Yacht-Master 40 sei prima gestartet. «Vor allem das Modell in Everose-Gold mit Cerachrom-Lünette und Oysterflex-Band ist sehr gut über die Startlinie gekommen.»

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Timing ist alles

Die Startlinie: Sie spielt bei jeder Regatta eine wichtige Rolle. Wer möglichst optimal über diese Linie kommt, hat gute Chancen auf einen ­Podestplatz. Und dabei helfen, man ahnt es, echte Regatta-Uhren ungemein.

Technisch und optisch gibt es verschiedene Lösungen, viele Modelle haben farbige Kreise zur Orientierung. Andere wie Rolex arbeiten mit speziellen Zeigern. Allen gemein: Die Zeit vom ersten Kanonenschuss bis zum eigentlichen Start kann akkurat angezeigt und rasch abgelesen werden.

Wertvolle Sekunden

Bei der Yacht-Master II zum Beispiel stellt der Skipper die Zeit des Countdowns via Krone bei drei Uhr ein. Im Fall der Fastnet-Regatta sind das zehn Minuten. Zehn Minuten vor dem Start erschallt ein Kanonenschuss, und die entsprechende Flagge wird gehisst. Jetzt betätigt der Skipper den Drücker bei zwei Uhr, der Countdown beginnt. Bei Halbzeit, also nach fünf Minuten, kann die Uhr nochmals feinjustiert werden. Zum Schluss lässt sich die verbleibende Zeit Sekunde für Sekunde ablesen.

Das ist matchentscheidend. Denn wer schlecht pokert und zu früh über die Linie fährt, wird disqualifiziert oder erhält eine Strafzeit aufgebrummt. Wer zu sehr auf Nummer sicher ging und zu spät oder langsam über die Linie kommt, verliert wertvolle Zeit. Mit anderen Worten: In den letzten Minuten vor dem Start geht es um taktisches Geschick, meteorologisches Gespür, Erfahrung – und vor allem um Timing.

Dass Rolex hier eine wichtige Rolle spielt, hat durchaus mit der DNA der Marke zu tun. Und auch dazu gibt es eine hübsche Geschichte.

Wunderuhr im Ärmelkanal

Es war kalt am 7. Oktober 1927, und die See war unruhig. Die Sekretärin Mercedes Gleitze wollte den Ärmelkanal durchschwimmen und sich so ein Denkmal setzen. Nach 15 Stunden und 15 Minuten musste sie zwar kurz vor dem Ziel wegen zu hohen Seegangs aufgeben, für Rolex-Gründer Hans Wilsdorf geriet der Versuch dennoch zum Triumph. Mer­cedes Gleitze trug an einem Band um den Hals nämlich eine Rolex Oyster; die Uhr überstand die Strapaze, ohne Schaden zu nehmen.

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Wilsdorf veröffentlichte am 24. November eine ganzseitige Anzeige als Titelblatt der «Daily Mail» und verkündete den «Greatest Triumph» mit seiner «Wonder Watch». Rolex gilt seither als Erfinderin der ersten wirklich wasserdichten Uhr der Welt.

Die Oyster ist mittlerweile zu einer grossen Uhrenfamilie angewachsen. Das Design wurde immer wieder leicht verändert und verbessert. Im Grundsatz aber bleibt eine Oyster unverkennbar eine Oyster. Natürlich trug auch Sir Francis Chichester eine Oyster. Und natürlich ist jede Yacht-Master immer eine Oyster.