Koller, Zürich: Handwerkliche Perfektion

Koller Auktionen startet am 28. März 2011 mit rund 2000 Objekten in die neue Saison. Das Angebot an Altmeistergemälden steht für die handwerkliche Perfektion niederländischer Meister und führt zahlreiche bedeutende Namen des 17. Jahrhunderts. Ein seltenes Selbstbildnis von Jacques des Rousseaux von 1635 führt die Liste an. Das Hauptwerk des Rembrandt-Schülers wird mit einer Schätzung von 350 000-500 000 Franken ausgerufen. Ein eindrückliches Beispiel flämischer Naturmalerei liefert Jan Brueghel d. J. mit seiner Darstellung der Heiligen Familie bei der Rast auf ihrer «Flucht nach Ägypten» (Schätzung 120 000-180 000 Franken). Ein stilistisch vergleichbares Bild befindet sich im Mauritshuis in Den Haag. Zu den berühmtesten Meistern flämischer Stillleben gehört Jan Jansz de Heem. Sein «Stillleben mit Früchten und Austern auf einem Tisch» besticht durch den starken Kontrast der vor dem schwarzen Hintergrund in hellen Rot- und Gelbtönen leuchtenden Gegenstände (80 000-120 000 Franken).

Das 19. Jahrhundert wird angeführt von Carl Spitzwegs «Der Friede im Land» von 1856. Der gähnende Soldat auf seiner von Unkraut und Spatzen «eroberten» Bastei ist ein typisches Sujet Spitzwegs (500 000-800 000 Franken). Russische Kunst ist unter anderem mit Ivan K. Aïvazovsky vertreten: Sein Werk von 1878 zeigt einen einnehmenden Blick auf den von Segelschiffen befahrenen Bosporus bei der Abenddämmerung (350 000-450 000 Franken).

Werke namhafter Ebenisten und Ziseleure offeriert die Möbel-auktion mit rund 300 Objekten, darunter traditionsgemäss zahlreiche Werke französischer Meis-ter. Ein typisches Beispiel französischer Ebenistenkunst des frühen 18. Jahrhunderts ist die gut erhaltene Prunkkommode mit Boulle-Marketerie des Parisers Gilles-Marie Oppenordt (360 000-560 000 Franken). Zu den bedeutenden Objekten zählt auch ein achtteiliges Ameublement aus dem Atelier von Jean-Baptiste-Claude Sené (160 000-260 000 Franken). Dieser gehörte von 1785 bis 1791 zu den gefragten Meistern in Paris - selbst Marie-Antoinette hatte ein Bett von ihm. Die Pendule «Le sacrifice d?Amour» wiederum (90 000-140 000 Franken) ist ein schönes Beispiel seltener und eleganter klassizistischer Arbeiten aus dem Atelier von François Rémond, der seine Meisterschaft 1774 erlangte.
Auktion im Kunsthaus Zürich, 21.3.2011 - Vorbesichtigung 18.–20.3.2011.

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Christie's, Zürich: Künstlerväter und ihre Söhne

Am 21. März 2011 treffen bei der Frühjahrsauktion mit Schweizer Kunst bei Christie?s in Zürich Werke berühmter Künstlerväter auf solche ihrer nicht minder berühmten Söhne: Giovanni Giacomettis Familienporträt im heimischen Garten in Stampa «Unter dem Holunder» von 1911 (Schätzwert 1,8-2,5 Millionen Franken) tritt als Toplos der Auktion in Dialog mit der Bronze «Buste dhomme» seines Sohnes Alberto Giacometti aus der Zürcher Sammlung Franz Meyer (Schätzwert 900 000-1,2 Millionen Franken). Von Gottardo Segantini stammt «Novembertag in Soglio» (Schätzwert: 120 000-180 000 Franken), das auf vier Gemälde seines Vaters Giovanni Segantini trifft - darunter die Mutterdarstellung «Le due madri» von 1891 (Schätzwert: 800 000-1,2 Millionen Franken) aus der früheren Sammlung Karl Wittgensteins, des Vaters des Philosophen Ludwig Wittgenstein. Ein weiterer Höhepunkt in dem 154 Los starken Angebot mit Schweizer Kunst ist eine grosse Gruppe von Werken der Art Brut - darunter «Potentats dImfirmités» von Louis Soutter (Schätzwert 150 000-200 000 Franken) und «Brotkunst Zeichnung: ?Riesen-Stadt Lion-Nord?» von Adolf Wölfli aus dem Jahr 1919 (Schätzwert 50 000-70 000 Franken).

Die Auktion bietet zudem eine der seltenen Gelegenheiten, ein Werk von Andreas Walser zu erwerben, der noch zu Schulzeiten Bekanntschaften mit Augusto Giacometti und Kirchner pflegte und kurz nach dem Abitur nach Paris aufbrach, wo er 1930, im Alter von nur 21 Jahren, starb. Ein Teil seines Nachlasses gelangte in die Schweiz. Erst 1981 wurde der Pariser Nachlass entdeckt, in dessen Sammlung sich auch das nun auf 70 000-90 000 Franken geschätzte «Doppelportrait» von 1928 befand, ein Selbstbildnis Walsers.

Félix Vallotton ist mit zahlreichen Holzschnitten und Zeichnungen sowie vier bedeutenden Gemälden vertreten - darunter der «Quai de Berville», 1918, Schätzwert 60 000-80 0000 Franken. Von Cuno Amiet werden 15 Arbeiten aufgerufen, darunter die «Föhnstimmung (Zürichsee)», 1943, die auf 100 000-150 000 Franken taxiert ist. Von Ferdinand Hodler wird ein Porträt, das er von seinem Mäzen und Sammler Josef Müller um 1916 angefertigt hat, angeboten. Es ist auf 250 000-350 000 Franken geschätzt.
Hardturmstrasse 102, Zürich, 28.3.–2.4.2011 - Vorbesichtigung in Zürich: 19.–27.3.2011.

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Schuler, Zürich: Zizenhausener Totentanz

Ein facettenreiches Angebot präsentiert Philippe Schuler an seinen Auktionen vom 14. bis 18. März 2011. Neben Nippsachen, Kuriositäten und Liebhaberstücken finden sich hochkarätige Gemälde und Sammlerobjekte.

1896 besuchte Félix Vallotton erstmals die Bretagne, ab 1899 verbrachte er dort regelmässig die Sommermonate. Die Region inspiriert ihn zu unzähligen Küsten-, Hafen- und Landschaftsbildern. Das Sammler-Ehepaar Hahnloser aus Winterthur lernte den Künstler 1908 kennen. 1911 erwarb es das ein Jahr zuvor entstandene Gemälde «Coteau de Barneville» (Schätzpreis 300 000-500 000 Franken). Das Werk war bis heute nicht im Handel, wie auch «Le Pont-Neuf» von 1902 (80 000-140 000 Franken), das zweite Gemälde Vallottons dieser Auktion.

Albert Anker widmete sich nach seinem schweren Schlaganfall im Jahr 1901 ganz dem Aquarell. Bis kurz vor seinem Tod schuf er gegen 600 Aquarelle. Das bedeutende Exemplar eines spielenden Mädchens aus dem Jahr 1909 ist auf 40 000-60 000 Franken taxiert. Ebenso mit einem Aquarell vertreten ist Giovanni Giacometti. Sein «Blick auf die Scioragruppe» widerspiegelt seine Verbundenheit mit seiner Heimat, dem Bergell (15 000-25 000 Franken).

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Der Autodidakt Paul Signac übertrug seinen charakteristischen pointillistischen Stil auch auf die Farblithographie. Ein Werk auf Chinapapier von 1894, das den Hafen von Saint-Tropez zeigt, gilt als besonders gesuchtes Exemplar und ist auf 20 000-30 000 Franken geschätzt.

1762 zog der gelernte Schreiner Franz Joseph Sohn ins schwäbische Kümmerazhofen, unweit des Wallfahrtsorts Kloster Reute. Mit der Herstellung kleiner Terrakotta-Reliefs war er der Begründer der sogenannten Zizenhausener Figuren. Dazu gehörten Bildnisse von Heiligen sowie Krippenfigu-ren. Sein Sohn Anton erweiterte das Repertoire um viele Themenbereiche. Auch die 42 Figurengruppen nach dem Basler Totentanz auf der Kirchhofmauer des Predigerklosters gehen auf seinen Entwurf (um 1823) zurück. Ein Highlight der Auktion ist eines der wenigen vollständigen, aus Privatbesitz stammenden Exemplare «Totentanz» mit einer Schätzung von 25 000-30 000 Franken. Die bunt bemalten Terrakotta-Reliefs stellen die Macht des Todes über die menschliche Kreatur dar.
Seestrasse 341, Zürich, 14.–18.3.2011.

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Neumeister, München: Exquisites aus Nymphenburg

Ein reiches Angebot hält die Auktion Alte Kunst bei Neumeister in München am 30. März 2011 bereit. Aus einer hessischen Privatsammlung mit Porzellan stammen drei sehr hübsche komplette Figuren-Serien: 16 Commedia-dell'arte-Figuren (16 000-20 000 Euro), 16 Chinesenfiguren (8000-10 000 Euro) sowie 12 Marktfiguren (12 000-15 000 Euro), alle aus Nymphenburg.

Bei den Skulpturen sticht eine schöne Anna-Selbdritt-Gruppe der Süddeutschen Gotik hervor, angefertigt in Salzburg-Tirol um 1500 (22 000-25 000 Euro), die mit der kräftigen Modellierung der Figuren und ihrer Kleider besticht.

Im Möbelprogramm findet sich eine dekorative Vitrinenaufsatzschreibkommode mit Chinoiserie-Lackdekor (15 000-18 000 Euro) mit passender Schreibkommode (6000-8000 Euro) aus dem 18. Jahrhundert. Der «goût chinois» war Mitte des 18. Jahrhunderts in vielen europäischen Ländern beliebt.

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Zu den bibliophilen Kostbarkeiten gehört Melchior Pfinzingers «Die geuerlicheiten und eins teils der geschichten des löblichen streitbaren und hochberümbten helds und Ritters Tewrdannckhs», Augsburg 1519, mit 188 Holzschnittillustrationen (10 000-12 000 Euro). Das Auftragswerk Kaiser Maximilians war die zweite (und erste öffentliche) Ausgabe des wohl aufwendigsten deutschen Holzschnittbuches des 16. Jahrhunderts.

Bei den Gemälden Alter Meister ist der Peeter van Bredael zugeschriebene «Viehmarkt» zu nennen (10 000-12 000 Euro). Ein vergleichbares Werk Bredaels befindet sich im Nationalmuseum Stockholm. Bei den neueren Meistern sticht Oswald Achenbachs «Amalfiküste» von 1883 heraus, (35 000-40 000 Euro). Es ist eines der typischen und nachfragten italienischen Sujets des Düsseldorfer Künstlers. Von Franz von Defregger zu nennen ist die Studie «Plauderei» (9000-10 000 Euro), die als damals beliebtes Sujet ein strickendes Mädchen im Gespräch mit feschen Burschen zeigt.
Barer Strasse 37, München, 30.3.2011 - Vorbesichtigung 21.–28.3.2011.

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Im Kinsky, Wien: Die Schätze des Rudolf Leopold

Am 29. und 30. März 2011 startet das Wiener Auktionshaus im Kinsky mit 902 Objekten und einer Schätzpreissumme von etwa 4,8 Millionen Euro in die neue Saison. Fast ein Drittel der Werke stammt aus der Sammlung Leopold II. Professor Dr. Rudolf Leopold, einer der bedeutendsten Sammler Österreichs und Direktor seines Museums auf Lebenszeit, hatte ein gutes Auge für künstlerische Qualität. Nach seinem Tod werden nun 251 Werke Alter Meister, Bilder des 19. Jahrhunderts und der Klassischen Moderne, zeitgenössische Kunst und Antiquitäten versteigert.

Die Alten Meister machen am 29. März den Anfang. Giacinto Calandrucci, geboren in Palermo, kam wohl 1669 nach Rom, wo er in Carlo Marrattas Werkstatt eintrat und bald zu einem seiner Lieblingsschüler avancierte. Das Gemälde «Venus und Cupido» in einer arkadischen Landschaft, um 1685-90, ist ein seltenes Gemälde aus seinem Spätwerk (Schätzpreis 100 000-200 000 Euro). Der Niederländer Bartholomeus van Bassen (1590-1652) ist für die Lichtführung und perfekte Beherrschung der Perspektive seiner Architekturstücke berühmt. Das «Innere einer Renaissancekirche» (60 000-100 000 Euro) entstand zwischen 1628 und 1630 und besticht durch die Vielzahl detailreich gestalteter Staffagefiguren.

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Unter den Malern des 19. Jahrhunderts ist Ferdinand Georg Waldmüller (1793-1865) zu nennen. Ab den 1840er-Jahren wurde das Licht für ihn zum eigentlichen Thema. Es ist ein nahezu gleissendes Licht, das er durch starke Farbkontraste, scharf gezeichnete Konturen und einen fast schwarzen Hintergrund erzielt. Das «Stillleben mit Austern, Fischen und Südfrüchten» (150 000-250 000 Euro) ist ein eindrucksvolles Beispiel für diese Malweise und stammt aus der Sammlung Leopold II.

Nicht weniger als sieben Werke von Markus Prachensky umfasst das Angebot mit zeitgenössischer Kunst. Sie dokumentieren dessen grosse künstlerische Bandbreite: Die «Schwarz-Blaue Konstruktion» von 1954/55 (25 000-50 000 Euro) ist ein eindrucksvolles Beispiel für seine frühen geometrischen Bilder. Andere Werke, wie etwa «Etruria Orizontale - 1» (35 000-50 000 Euro), das drei Jahrzehnte später entstand, verkörpern die ungeheure Dynamik des Künstlers.
Palais Kinsky, Freyung 4, Wien, 29./30.3.2011 - Vorbesichtigung ab 24.3.2011.

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Dorotheum, Wien: Exotischer Augenschmaus

Vom 12. bis 14. April 2011 hält das Wiener Dorotheum seine grossen Frühjahrsauktionen ab. Das Wunschbild einer Idylle als mythologisches Arkadien erzählt «Das Goldene Zeitalter» von Frans Francken II. Es ist eine Gemeinschaftsarbeit von fünf Malern - zu jener Zeit nichts Ungewöhnliches. Jeder Maler war dabei auf gewisse Motive spezialisiert. Das Hirtenidyll mit Picknick ist wohl eine der frühesten nördlich der Alpen geschaffenen Arkadien-Szenen. Mit seiner eleganten Komposition und dem reichen Kolorit ist es auf 400 000-600 000 Euro geschätzt. Ein Annibale-Carracci-Charakterkopf - die virtuose Studie eines bärtigen Mannes - gehört ebenso zu den Höhenpunkten der Auktion wie eine flammend rote Maria Magdalena von van Dyck (400 000-600 000 Euro). Eine kunsthistorische Entdeckung ist das in seiner Dramatik kaum zu überbietende Grossformat «Die heilige Familie auf der Flucht» von Valerio Castello (200 000-300 000 Euro).

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Die Meister des 19. Jahrhunderts waren berühmt für ihre Beleuchtungseffekte. 1857 schuf Evgraf S. Sorokin sein «Lachendes Mädchen in süditalienischer Tracht» (250 000-350 000 Euro). Schon in die Moderne verweist das 1906 entstandene, in tiefen Blau-Grün-Tönen gehaltene Gemälde von Boris Mihailovich Kustodiev «An der Wolga». Es zeigt Schiffer vor dem Hintergrund typisch russischer Kirchenarchitektur (350 000-500 000 Euro). Zwei Spitzenbilder der österreichischen Malerei jener Zeit sind «Hirten und Vieh am Attersee» (200 000-250 000 Euro) sowie «Alpenwirtschaft am Untersberg in Salzburg» (150 000-200 000 Euro), gemalt vom Meister des Lichts und der Koloratur, Friedrich Gauermann. Ferdinand Georg Waldmüller hingegen bannte 1824 ein schönes exotisches Früchtestillleben mit Amazonenpapagei auf Holzgrund (150 000-200 000 Euro).

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Edle Materialien veredeln einige Objekte der Silber-Auktion vom 13. April. So ziert etwa ein Elfenbeinmantel mit einer Hirschjagd den von Meister Emanues Kessbair gefertigten Augsburger Deckelhumpen von 1620-24 (38 000-48 000 Euro). Ein von L. W. Schulz signierter Elfenbeinbecher mit Silbermontierung stammt von 1831 (12 000-15 000 Euro). Arbeiten dieses bekannten Elfenbeinschnitzers befinden sich unter anderem im Grünen Gewölbe Dresden.
Dorotheergasse 17, Wien, 12.–14.4.2011 - Vorbesichtigung ab 2.4.2011.