Unter uns Alternden: Vermissen auch Sie manchmal jene besseren Fernsehzeiten, als Bücherpapst Marcel Reich-Ranicki in seiner Talksendung mit heiserer Kehle krähte: «Ist es ein gutes Buch? Nein! Aber es ist ein wichtiges Buch!» Welche Abwege dahin führen können, schlechte Bücher für wichtig zu halten, wäre womöglich einen eigenen Text wert – aber wir sind hier ja im Auto-Ressort.

Für den neuen Skoda Superb gilt beidseitige Pflichterfüllung: Er ist definitiv ein gutes Auto – und ja, auch ein wichtiges Auto. Gut ist zuallererst das Design: einfach und schnörkellos, ­zugleich aber elegant und dynamisch. Gut ist die Arbeitseinstellung: ­riesig viel Platz im Fond und vor allem im Gepäckraum. Wer Rücksitze und Lehne des Beifahrersitzes wegklappt, gewinnt eine nicht enden wollende Ladefläche von 3,1 Metern Länge; das reicht für eine kuschelige Abendparty oder den Grosseinkauf bei Ikea.

Extras überraschen und überzeugen

Gut sind darüber hinaus die Ideen: Die Rückbank lässt sich von hinten per Knopfdruck ablegen, im Tankdeckel harrt ein Eiskratzer auf Arbeit, in der Türverkleidung ein Mülleimer und zwei Regenschirme, im Kofferraum eine Taschenlampe ... und so weiter.

Gut sind auch die Materialien im Innenraum: Schon in der niedrigsten Ausstattungsvariante «Active» gefallen Kunststoffe optisch und haptisch, in den höheren Klassen «Ambition», «Style» und schliesslich im Topstandard «L&K», der nur mit hohen Motorisierungen verbaut wird, gewinnt das Interieur schrittweise an Eleganz. Allzu hochklassig darf es nicht werden, weil ansonsten dem teureren Konzernbruder VW Passat die Kaufargumente vollends abhandenkommen.

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Die Marke bleibt sich auch im VW-Konzern treu

Genau deshalb ist der neue Superb ein wichtiges Auto: Er zeigt, dass Skoda sich nicht hat kleinmachen lassen im VW-Konzern – dass die Tschechen eben nicht minderwertige Materialien verbauen aus falscher Rücksichtnahme auf die Hauptmarke, dass sie das Design jemandem übertragen haben, der eine abgeschlossene Ausbildung hat – und sogar noch Geschmack.

Ein Zugeständnis an den Passat war aber wohl das Fahrwerk: Der Superb federt sänftenartig, fast zu weich. Er ist ein Reisetransporter, keiner für den sportlichen Ritt zum Golfplatz. Das kann der Passat besser – der rollt knackiger ab. Aber dafür 10 Prozent mehr zahlen?

Ich müsste jetzt eigentlich mit Reich-Ranicki enden, so wie das Journalisten machen sollen. Aber dazu fällt mir nichts mehr ein. Nur, dass er ein grauenhafter Autofahrer gewesen sein soll.

Skoda Superb
Antrieb:
1,4-Liter-Vierzylinder
Verbrauch: 5,3 Liter Superbenzin (95 ROZ)
Leistung: 125 PS (92 kW)
Beschleunigung 0–100 km/h: 9,9 s
Höchstgeschwindigkeit: 208 km/h
Preis: ab 28'710 Franken