Einmal mehr war die Internationale Funkausstellung (IFA) in Berlin der Laufsteg für die besten, schönsten und grössten Fernsehgeräte. Neue Technik macht die Fernsehbilder beeindruckender, noch immer fehlen aber die passenden Filme.

Bildauflösung und Detailschärfe verdoppelt

Wer hätte das gedacht: Der erste frei empfangbare Fernsehsender, der 7 Tage rund um die Uhr in 4K/UHD ausstrahlt, zeigt nicht Sport, Spielfilme, Erotik oder Nachrichten, sondern schlicht Werbung. Pearl.TV nennt sich der deutschsprachige Sender, der in bester Auflösung vom Bauchfettwegtrainer bis zum elektrischen Apfelschäler Produkte eines Versandhändlers vorstellt.

Grösster Vorteil ist dabei, dass die unzähligen Texteinblendungen nun wie gedruckt aussehen. Denn gegenüber üblichen HD-Sendungen wird bei 4K die Bildauflösung und Detailschärfe verdoppelt. Für den Empfang von Pearl.TV braucht man allerdings eine Satellitenschüssel. Mit der gleichen Technik lässt sich auch der Sender UHD1 empfangen, dessen Sendungen aber teils verschlüsselt und für Schweizer nicht zugänglich sind.

Feuerwerk-Clips statt Filme

Die Suche nach 4K/UHD-Fernsehsendern zeigt, dass die Technik der bereits verkauften Geräte den Inhalten vorauseilt. Der Abstand vergrössert sich weiter, denn an der IFA wurde nun die neue Technik HDR gezeigt. Bei dieser High-Dynamic-Resolution wird der Kontrast zwischen schwarz und weiss stark erweitert und die Farbvielfalt erhöht.

An der IFA explodierten deshalb auf den Schirmen allerorten gleissende Feuerwerke vor nachtschwarzem Himmel. Für die heimische Stube gibt es HDR-Inhalte aber zurzeit nur in homöopathischen Dosen. Lieferant wäre der Filmverleiher Amazon, der sich in der Schweiz aber nicht nutzen lässt.

Weiter warten muss man auch auf Silberscheiben mit Kinofilmen in 4K/UHD-Qualität. Samsung und Panasonic zeigten zwar UHD-BD-Abspielgeräte in Glasvitrinen, Verkaufsstart und Preise blieben aber ein Geheimnis.

TV als DJ und Butler

Am meisten Aufmerksamkeit erhielten an der Messe TV-Geräte, die mit neuen Ideen glänzten. Verblüffend ist beispielsweise die Ambilux-Technik von Philips. In den Seitenrahmen sind neun kleine Beamer eingebaut. Diese «erweitern» den Bildinhalt und projizieren ihn an die Stubenwand. Der Effekt ist je nach Filminhalt verblüffend bis verwirrend. Partylaune erzeugt der Fernseher im Disco-Modus, passend zur Musik werden dann Lichtorgeleffekte erzeugt.

Soll der Fernseher weiterhin im Mittelpunkt der Stube bleiben, muss er auch neue Arbeiten übernehmen. Philips hat ihn deshalb zum digitalen Butler aufgerüstet. Ein spezielles Funkmodul kann Signale von Bewegungs-, Tür- und Temperatursensoren empfangen. Die in den TV integrierte App blendet so ein Videobild ein, wenn jemand vor der Tür steht. Oder der Fernseher regelt die Heizung hoch, wenn man beim Gruselfilm fröstelt. Dank Android auf dem TV ist die Lösung sogar herstellerunabhängig.

Auch Samsung will den Fernseher stärker in das smarte Home einbinden. Hier wird aber eine Zusatzbox benötigt. Auf dem Fernseher der Koreaner poppen dann Meldungen auf, wenn der Teenager nach Hause kommt oder das Baby zu unruhig schläft.

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4K/UHD via Internet

Wer nicht auf Werbesender steht oder keine Satellitenschüssel hat, kommt in der Schweiz wenigstens via Internet zu 4K-Inhalten auf dem TV. In der Schweiz gilt vor allem der kostenpflichtige Mietdienst Netflix als Quelle für 4K-Inhalte. Inzwischen finden sich dort über ein Dutzend Filme und Serien in 4K-Auflösung. Demnächst sollen auch HDR-Inhalte verfügbar sein. Voraussetzung für Netflix ist aber ein schneller Internetanschluss.

An der IFA zeigten auch zahlreicher Hersteller auf 4K angepasste Apps für den kostenlosen Filmdienst von YouTube. Dort tauchen immer mehr Filme und Clips in 4K-Auflösung auf. Nun können neue Fernsehmodelle diese Inhalte auch in Originalqualität abspielen.

Mediatheken in 4K/UHD

An der IFA zeigte die ARD, wie auch öffentliche-rechtliche Sender schon heute 4K-Inhalte zum Zuschauer bringen können. Dabei nutzen sie das Internet und die Technik HbbTV. Beim Drücken der roten Taste auf der Fernbedienung verschmilzt normale Fernsehsendungen mit Internetinhalten. Mit dem neusten HbbTV 2.0, das an der IFA gezeigt wurde, lassen sich nun auch 4K/UHD-Inhalte ausliefern. Dabei wird sogar die HDR-Bildverbesserung unterstützt. In Deutschland liefern bereits erste Sender 4K-Inhalte via HbbTV aus.

Ob und wann man diese Technik beim Schweizer Fernsehen (SRG) nutzen will, bleibt offen. Auf Anfrage erklärte die SRG, sie setze auf HbbTV und künftig auf den Standard 2.0. Die Technik von 4K/UHD befinde sich aber noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium. Die SRG habe darum noch keine konkreten Pläne zu UHD.

(sda/ccr)