Werner Sigg (60), Direktionspräsident der Basler Kantonalbank (BKB), stieg in 34 Jahren innerhalb der einstigen Volksbank vom Lehrling zum Generaldirektor auf. Als VR-Mitglieder der schliesslich maroden Volksbank in den CS-Übernahmeverhandlungen ihre persönlichen Interessen über diejenigen von Mitarbeitern und Kunden gestellt hätten, beschloss Sigg 1993, «aus ethischen und moralischen Gründen» zu kündigen. Diese konsequente Haltung musste er jedoch nicht bereuen: Wenige Wochen später wurde er von der Basler Kantonalbank zum neuen Direktionspräsidenten berufen. Für den hart arbeitenden Workaholic steht allein der Erfolg im Zentrum, und den hat er mit der BKB: Auch das Jahr 1999 soll die Bank mit einem Spitzenergebnis abgeschlossen haben. Zur Vorwärtsstrategie gehört die kürzliche Übernahme einer Mehrheit an der Coop Bank, die Sigg «dank BKB-Dünger zum Blühen bringen will».

Die Sigg-Brothers
Die Karriere des jüngsten einer Beamtenfamilie kommt nicht von ungefähr. Seine zwei Brüder waren ihm Vorbild genug. Der elf Jahre ältere Hans-Peter Sigg, dem der Bankkaufmann Werner die Chemie-Doktorarbeit in die Schreibmaschine getippt hatte, stieg in die Sandoz-Konzernleitung auf, während der sieben Jahre ältere Felix Sigg ebenfalls bei der Volksbank Direktor wurde. «Werner ist sehr entscheidungsfreudig, und was er an die Hand nimmt, zieht er konsequent durch», sagt der pensionierte Felix Sigg. Diese Eigenschaft bewies der BKB-Direktionspräsident in den letzten Jahren, als er zur Überraschung von Kantonalbank-Kollegen wie Paul Hasenfratz (ZKB) eine Private-Banking-Vertretung in Zürich sowie später in Olten und Genf aufmachte. Zudem ging er mit Discount Direct konsumentenfreundlich gegen hohe Courtagen vor und landete Ende 1999 seinen jüngsten Coup mit der Übernahme einer Mehrheit an der Coop Bank. Solche Erfolge führt Sigg auf das Teamwork in der Geschäftsleitung mit den ehemaligen Volksbänklern Hanspeter Kunz, Andreas Waespi oder Willi Etter zurück. Ein gutes Einvernehmen über die BKB-Strategie hat der bürgerliche Sigg auch mit dem BKB-Bankratspräsidenten Willi Gerster, einst Poch- und heute SP-Mitglied. Das gut harmonierende Tandem Sigg-Gerster garantiert eine breite Abstützung der offensiven Unternehmensstrategie.

Der Coop-Bank-Deal
Werner Sigg zählt etliche ehemalige Volksbänkler zu seinen Geschäftsfreunden, die heute ebenfalls Chefposten von Kantonalbanken bekleiden, so Theo Prinz (Kantonalbank Thurgau), Peter Schönenberger (Glarus), Urs Grätzer (Aarau), Fritz Studer (Luzern) und Ulrich Immler (Graubünden), aber auch Paul Nyffeler (Baselland). Auf ihre Solidarität muss er hoffen, nachdem er mit dem Coop-Bank-Deal ungeschriebene Revier-Regeln der Kantonalbanken verletzt hat: Die BKB besitzt nun über die Coop Bank ein gesamtschweizerisches Netz mit 39 Filialen. Den umstrittenen Kauf gilt es zu begründen, wobei Sigg auf die Hilfe seines bewährten Kommunikationsberaters Manfred Messmer zählen kann. Sigg bestreitet, dass die BKB ihr Kerngeschäft ausweite: «Wir besitzen jetzt innerhalb der BKB-Gruppe lediglich eine gesamtschweizerisch tätige Bank.» Willi Gerster verweist zudem auf ein Rechtsgutachten des Zürcher Anwalts Peter Nobel, das die BKB-Staatsgarantie für die Coop Bank «bei strikt operativ getrennter Führung» ausschliesse. Bei der Coop Bank ist man über den 250- bis 350-Millionen-Deal (Bilanz-Schätzung) von Coop-Boss Hansueli Loosli froh: Ihr Chef Jean-Pierre Frefel setzt auf das Know-how der BKB, und Hans Schäppi, Coop-Bank-VR sowie Vizepräsident der Gewerkschaft GBI, hofft auf mehr Verständnis dank Gerster, der das VR-Präsidium der Coop Bank übernehmen soll.

«Brain-Train» ausgebremst
Vor fünf Jahren hatte Sigg in den Handelsabteilungen der Grossbanken in Zürich Fachleute abgeworben, die dann sozusagen im Brain-Train nach Basel kamen, um im 20 Millionen teuren neuen BKB-Handelszentrum zu arbeiten. Das zuständige Geschäftsleitungsmitglied Marcel Arzner konnte stets über hervorragende Resultate berichten. Doch letzten Sommer wurde der Brain-Train von Sigg und seinen Beratern von PricewaterhouseCoopers ausgebremst: Im Zug einer Fokussierung auf ihr Kerngeschäft als Universalbank für Private und KMU wurde nach einer Risikoeinschätzung der Eigenhandel massiv eingeschränkt. Arzner (heute: Swissfirst Bank) und andere Spezialisten verliessen enttäuscht die BKB. In Branchenkreisen wird vermutet, dass Sigg so den bisherigen BKB-Erfolg konsolidieren wolle. Auf Anfrage des BKB-Bankrates gab Sigg nämlich sein Einverständnis, bis 65 als Direktionspräsident weiterzumachen.

Sein privater Kreis
Werner Sigg ist seit 35 Jahren mit der Französin Yvonne Auclair aus Paris verheiratet. Sohn Pascal Sigg (34), gelernter ETH-Elektroingenieur, arbeitet in der Informatikabteilung der ZKB, während Tochter Nicole Sigg nach einem abgebrochenen Medizinstudium derzeit bei einer Zürcher Personalberatungsfirma jobbt. Sigg verfügt über mehrere Wohnungen: Neben einer Mietwohnung in Kleinbasel, einer Eigentumswohnung am Zürichberg und einer Ferienwohnung in Engelberg besitzt er über seine Frau ein Appartement in Paris und ein Ferienhaus auf der französischen Ile de Ré. Da sein Beruf sein Hobby ist, hat er nur wenige Freizeitbeschäftigungen – etwa den Bordeaux-Weinkeller, das Wandern oder das Besuchen von Jazzkonzerten mit guten Freunden aus der Realschulzeit im Basler Neubad-Quartier, Alfred E. Roth, Helmut Beltrami und David Schütz. Grosse Freude bereiten Sigg seine beiden kleinen Grosskinder.
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