BILANZ: Sie haben bei den Walliser Staatsratswahlen alle ­Bisherigen überflügelt. Sind Sie noch am Feiern?

Oskar Freysinger: Was denken Sie denn? Am Montag habe ich fünf Stunden unterrichtet, nun bin ich in Bern in der Session.

Sie sagten einst, das Wallis solle nicht zum Griechenland der Schweiz werden. Ist es so schlimm im Rhonetal?

Die Annahme der Zweitwohnungsinitiative und des Raumplanungsgesetzes ist ein unglaublicher wirtschaftlicher Schlag für das Wallis. Es wird einen happigen Stellenabbau geben. Allein die UBS will in den nächsten zwei Jahren 100 von 350 Stellen abbauen. Das ist viel fürs Wallis.

Wie bitte? Sie malen den Teufel an die Wand.

Keineswegs. Die Zweitwohnungsinitiative bringt einen unglaublichen Volumenverlust mit sich. Wir warten gespannt auf das Urteil des Bundesgerichts. In Lausanne wird entschieden, ab wann die Initiative gilt. So oder so: Die Bodenpreise werden massiv steigen. Das können sich nur noch reiche Leute leisten.

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Und der wirtschaftliche Einfluss des Raumplanungsgesetzes?

Walliser sind Eigentümer, nicht Mieter. Eltern arbeiten hart für ihre Kinder, damit sie ihnen ein Grundstück vererben können, um ein Haus zu bauen. Mit der Annahme des Raumplanungsgesetzes erleiden wir einen direkten Verlust des Familienvermögens. Davon bin ich selbst betroffen. Wir müssen jetzt zwingend mit Bern verhandeln.

Was stellen Sie sich vor?

Wir müssen für das Wallis eine Speziallösung aushandeln. Ich stelle mir einen Infrastruktur- und Investitionsfonds über mehrere Jahre vor, damit wir unsere Infrastruktur aufrechterhalten können.

Und wie soll der Fonds finanziert werden?

Das müssen wir erst mit dem Bund ausmachen. Es kann doch nicht sein, dass uns das Schweizer Volk wirtschaftlich so stark schädigt.

Neue Subventionen? Das sagt ein bürgerlicher Politiker?

Wir wollen keine Subventionen. Es geht darum, einer Randregion das wirtschaftliche Überleben überhaupt zu ermöglichen, damit sie der übrigen Schweiz nicht zur Last fällt.

Wie sieht die wirtschaftliche Zukunft im Wallis aus?

Wir wollen nicht unbedingt multinationale Konzerne holen, stattdessen aber mehr KMUs. Zusammen mit der ETH Lausanne loten wir derzeit im Bereich Energie und Gesundheit Möglichkeiten aus, wie wir im Wallis einen Cluster bilden können.

Oskar Freysinger: Der 52-jährige Walliser politisiert seit 2003 für die SVP im Nationalrat. Der Gymna­siallehrer ist ­Vizepräsident der ­Partei. Zuletzt ­distanzierte er bei den Walliser Staatsratswahlen im ersten ­Wahlgang alle amtierenden Staatsräte.