Das Gewicht ist ein leidiges Thema, das lässt sich nicht wegdiskutieren. Tolle reife Männer mit Forever-young-Appeal wie Clint Eastwood oder Jeff Bridges haben keine Wampe. Ein Trost: So verhutzelt wie Karl Lagerfeld muss keiner aussehen – Gérard Depardieu oder Val Kilmer taugen allerdings auch nicht als Vorbilder. Eine stattliche Erscheinung à la Orson Welles ist wunderbar. Frauen, die ja selber oft nicht ganz schlank sind, mögen auch Teddys vom Typ James Corden.

Dann darf nur die Kleidung nicht zu stramm sitzen. Nichts ist hässlicher als Wursthaut-Hosen, die aussehen, als habe einer eine halbe Stunde gebraucht, um sich reinzuquetschen. Ein Mensch von Verstand, und das ist ein Mann, kriegt seinen Body aber in den Griff. Eine Woche Fastenkur unter Anleitung könnte ein Anfang sein, solche gibts heute auch für «Men only». Klar, wird da viel Quatsch erzählt. Aber der eine oder andere sinnvolle Denkanstoss bleibt haften.

Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper

Damit sind wir beim zentralen Punkt: Jugend fängt im Kopf an. Ein Mann, der attraktiv altern möchte, macht sich als Erstes klar: Er hat, was er braucht; sollen die Jungen ihren Kram selber machen. Oberste Grund­regel: Nie zeigen, dass man grössten Wert darauf legt, für jünger gehalten zu werden.

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Männer wie Designer Calvin Klein, die sich liften, botoxen und falsche Pausbäckchen einpflanzen lassen, sind traurige Figuren. Insgeheim bedauert man sie, weil sie die Spielregeln des Lebens nicht akzeptieren können und sich an Dingen festkrallen, die sie nicht halten können. Das kann als Unreife interpretiert werden, und die steht Männern schlecht. Sieht Kreml-Zar Wladimir Putin mit seinen Kulleraugen etwa aus wie ein junger Mann? Eher wie ein Säugling mit einer Krankheit. Ein Mann geht zum Arzt, wenn er krank ist. Und nur dann.

Wacker gehalten

Völlig kontraproduktiv also, sich am eigenen Junior zu orientieren. Was bei diesem Partnerlook rauskommt, ist samstags zu besichtigen, wenn Daddy und Sohn durch die Innenstadt schlurfen, beide im identischen Outfit, nur trägt der Alte drei Nummern grössere Nonfit-Jeans, Hoodies, Turnschlappen. Der Direktvergleich fällt selten so aus: Mann, der hat sich wacker gehalten. Eher tut einem der Milchbart leid: Bübchen, in 20 Jahren siehst du auch so aus.

Warum tut man sich das an? Ein leichter Sommerkaschmir in Grau oder Blau mit V-Ausschnitt von Brunello Cucinelli, ein Paar Boss-Sneakers, das macht doch mehr her. Im gehobenen Segment ist auch das Einkaufserlebnis um Klassen besser. Wer irrt gern noch mit 50 durch Jugendklamotten-Shops, lässt sich die Ohren volldröhnen mit Grusel-Musik und an den Nerven sägen von blasierten Verkäufern mit rasierten Augenbrauen?

Gefahrenherd Haarefärben und Liften

Haarefärben und Liften ist auch so ein Gefahrenherd. Brauntöne entwickeln nach zwei Haarwäschen einen Rotstich (leider immer), das sieht schnell nach Fasnachtsperücke aus, wie bei Mickey Rourke. Ein deutscher Bundeskanzler schlitterte wegen mutmasslicher Haartönung sogar in eine Staatsposse. Er färbe, sagte jeder Teilzeit-Coiffeur. Die Redaktoren vom «Spiegel» behaupteten, «die Doris» habe ihren Mann dazu angestiftet. Und Gerhard Schröder liess sich dazu hinreissen, den Rechtsstreit bis vor das höchste deutsche Gericht zu tragen. Doch ob Schröder nun gefärbt hat oder nicht – seine erboste Reaktion hat nur eins bewirkt: Alle reden darüber, die wenigsten glauben ihm. Silberhaar ist von der Natur gewollt, und das ist gut so.

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Auch was Styling betrifft, sind Männer erstaunlich hilflos – obwohl das eine erlernbare handwerkliche Technik ist. Was tut einer, wenn er die Garage neu streichen will? Er geht in einen Laden und lässt sich von den Verkäufern beraten. Sind die Verkäufer Pfeifen, geht er woanders hin. Noch besser: Er fragt einen Kumpel, der es kann. Genauso läufts mit der Kleidung. Tipp: Setzen Sie sich mit dem Kumpel in ein Strassencafé und beurteilen Sie andere Männer nach ihren Outfits. Angesichts der textilen Katastrophen ist Bessermachen ein Kinderspiel.

Etwas wissen, was Junge nicht wissen

Ganz wichtig: Anbiederung an die Jugend macht alt. Das gilt nicht nur für Klamotten. «Hey, ich höre grad nur G-Eazy» – da lachen die Jungen sich tot. Finger weg von Themen, bei denen man ab einem gewissen Alter nicht mehr mitreden soll und muss. Was interessiert einen Mann das ganze Rapper-Wesen?

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Besser, als mit nicht vorhandenem Wissen zu prahlen, ist es, etwas zu wissen, was junge Leute nicht wissen – und es gegebenenfalls für sich zu behalten. Max Frisch hat sich, selbstkritisch und amüsant, mit dem eigenen Altern befasst. Er behauptete, ein Mann merke, dass er alt werde, wenn er, egal, was ihm Jüngere erzählten, sofort unterbreche: «Also ich habe vor zig Jahren fast das Gleiche erlebt ...» – bloss schlimmer, schöner, gefährlicher. Jemand kann die tollsten Erlebnisse zum Besten geben – bei Papi wars immer einen Tick toller: «Damals, dieser Interrail-Trip, weisst du, ohne Handy, und dann war in Marrakesch der Zug weg …» Schnarch.

Die Prahlhans-Nummer zieht nicht. Was interessieren die Nachkommen Havanna-Zigarren, Humidore, die japanischen Messer in der Design-Küche und die Regale voll staubiger Château-Lafitte-Flaschen im Keller, oder dass man den Marathon einst in unter drei Stunden lief? «Als ich diesen Wahnsinns-Winzer im Périgord getroffen habe …» Die hübsche Kleine, die sich das anhören muss, kennt Gläser nur aus alten «Tatort»-Filmen, und die Buben, die ihr hinterhersteigen, trinken Craft Beer mit Zimtgeschmack aus der Flasche. Aber bitte jetzt keine CraftBeer-Sammlung horten – siehe Thema Anbiederung.

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Vorbild in der eigenen Altersgruppe suchen

Eine pragmatische Lösung: Sich in der eigenen Altersgruppe ein Vorbild suchen, es gibt doch immer einen, der so was Hugh-Grant-Jungenhaftes ausstrahlt. Was macht der richtig? Das wird ein Typ sein, der keine abgestandenen Opa-Themen auswalzt. Der erzählt von der Yoko-Ono-Ausstellung, die er gerade besucht hat, wobei er anfangs auch skeptisch war. «Aber hey, dieser Spruch: ‹Walk all over the city with an empty baby carriage›, der fasziniert mich irgendwie» – und schon hat man ein dankbares Smalltalk-Thema.

Der Jungenhafte liest nicht «100 Steuertipps», der liest Bücher über die Besiedlung Alaskas, ist begeistert von den Pioniertypen, die sich im Packeis durchschlugen, den Goldsuchern, den Indianern – und weiss Dinge über die Geschichte der USA, die sonst kaum einer weiss. Zum Beispiel, dass Russland Alaska an Amerika zu einem Spottpreis verkauft hat.

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Ein dankbares Thema wäre auch, jawohl, Mozart. Heute würde man mit Blick auf seinen Lebenswandel sagen, der war ein Rocker. Er pflegte eine schreckliche Sprache, man denke an seine «Furz»-Briefe an die Cousine. Und die Musik ist spritzig und frisch. Aber bitte jetzt nicht zum akademischen Besserwisser mutieren. Nichts schlimmer als ein Oberlehrer, der das Köchel-Verzeichnis runterbetet.

Zuhören ist besser als zuquatschen!

Besser, als andere zuzuquatschen, ist: zuhören. Vielleicht haben andere, womöglich gar Frauen, auch etwas Spannendes erlebt? Oder man kann was lernen? In der Praxis wird das selten passieren, es ist aber als Anti-Kalk-Prophylaxe brauchbar. Das Wichtigste ist Humor; todernstes Herumreiten auf einer Sache (zu Beginn der Mann-Karriere sicher eine Erfolgsstrategie) törnt ab. Gerade junge Frauen lachen doch so gern! Rolling Stone Keith Richards ist nicht der Jüngste und schon gar nicht der Schönste, aber er bringt lustige Sprüche. Lachen können, am besten über sich selbst, ist ein wahres Jugendelixier.

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Dabei muss man aber immer sich selber bleiben. Ein Mann, der die «Bachelorette» oder Filme mit Jean-Claude Van Damme mag, braucht sich nicht zu verbiegen. Er sagt halt: «Ich interessiere mich für Populärkultur.» Damit jeder merkt, dass er geistig über Walt Disneys lustige Taschenbücher hinaus ist. Und er darf natürlich in den Baumarkt. Bis er 100 ist. Soll ihn die Partnerin belächeln wegen seiner Schraubzwingen und Sechskantbohrer – ein Mann, der sich fürs Verbessern seiner Welt ­begeistert, der lebt noch. Der ist jung.