Wehrpflicht, Frauenquote, Mindestlohn, Homo-Ehe: Kanzlerin Angela Merkel hat so manche konservative Position aufgegeben – und ihre CDU in die Mitte der Gesellschaft gezogen. Ein Überblick:

Ein Aktivist sitzt am Montag (25.10.10) in Berlin bei einer Demonstration gegen Atomkraft mit einer Flagge vor dem Reichstag. In Berlin haben am Montag mehrere Hundert Menschen mit einem nachgebauten Castor-Transporter gegen Atomkraft demonstriert. Rund 300 Demonstranten zogen nach Veranstalterangaben von der Zentrale des Energiekonzerns Vattenfall in Richtung Bundestag. Die Organisation Campact organisierte einen symbolischen Castor-Transport vom Atomendlager Gorleben nach Berlin.
Atomausstieg

Gegen erbitterte rot-grüne Proteste setzt Merkel im Bündnis mit der FDP 2010 eine Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken durch. Doch 2011 - nach der Katastrophe von Fukushima - verkündet sie abrupt die Kehrtwende zum Atomausstieg.

Bundeswehr

Mit der Aussetzung der Wehrpflicht 2011 greift die Union eine Forderung auf, die SPD und Grüne schon lange erhoben, in ihrer Regierungszeit aber nicht mehr durchgesetzt hatten. Zuletzt lehnte Merkel im Zusammenhang mit der Diskussion über eine allgemeine Dienstpflicht eine Wiedereinführung der Wehrpflicht klar ab.

ARCHIV - 05.05.2011, Hessen, Stadtallendorf: Die Schatten von Soldaten sind auf dem Appellplatz der Herrenwaldkaserne zu sehen. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhandelt am 25.10.2018 mehrere Klagen zur Besoldung und Ruhestandsversorgung von Beamten in Niedersachsen. Foto: Uwe Zucchi/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ (KEYSTONE/DPA/Uwe Zucchi)
Botschafter und Botschafterinnen versammeln sich vor einem Fototermin bei der Botschafter- und Aussennetzkonferenz, am Montag, 21. August 2017 im Stade de Suisse in Bern. Vertreterinnen und Vertreter der Schweiz (Botschafter, Generalkonsuln, Chefs der Kooperationsbueros der DEZA sowie hoehere Kader der Bundesverwaltung) nehmen an der Botschafterkonferenz unter dem Motto "TeamSchweiz, Gemeinsam geruestet für 2030" teil.  (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
Frauenquote

Das Gesellschaftsbild der CDU hat Merkel auf breiter Front modernisiert, etwa bei der Rolle von Frauen. 2016 tritt die im Koalitionsvertrag mit der SPD verabredete, gesetzlich festgelegte Frauenquote von 30 Prozent für die Aufsichtsräte der grössten Börsen-Unternehmen in Deutschland in Kraft. Im CDU-Wirtschaftsrat gibt es bis zur Abstimmung im Bundestag Unmut über die Regelung.

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Homosexuellen-Ehe

Im Sommer 2017 rückt Merkel vom klaren Nein der CDU zur Öffnung der Ehe ab. Sie überlässt den Unions-Abgeordneten in der Sache eine freie "Gewissensentscheidung". Der Bundestag beschliesst daraufhin, dass Schwule und Lesben heiraten und gemeinsam Kinder adoptieren dürfen. Merkel selbst votiert allerdings dagegen.

Dorle (Mitte, links) und Claudia Göttler kommen am 01.10.2017 nach ihrer Eheschliessung aus dem Alten Rathaus in Hannover (Niedersachsen). Das Standesamt Hannover öffnete zur Premiere für die «Ehe für Alle» extra an einem Sonntag. (KEYSTONE/DPA/Philipp von Ditfurth)
ARCHIV - 23.09.2017, Mecklenburg-Vorpommern, Greifswald: Syrische Flüchtlinge, die eine Theatergruppe gegründet haben, nehmen bei der Aktionswoche der Wiederbelebung ein Selfie mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf. (zu dpa "Bedauern bis Erleichterung - Merkels Wahlkreis über Rückzug gespalten" am 31.10.2018) Foto: Stefan Sauer/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ (KEYSTONE/DPA/Stefan Sauer)
Flüchtlinge

Als immer mehr Flüchtlinge 2015 in Deutschland registriert werden, setzt sich die Kanzlerin für deren Integration ein. Verteidigen muss sie ihren Kurs gegen Konservative in der Union, die Deutschland stärker abschirmen wollen. Mittlerweile aber sind Regeln für Flüchtlinge unter Schwarz-Rot verschärft worden.

Mindestlohn

In der vergangenen Legislaturperiode wird ein linkes Herzensprojekt der SPD wahr: der gesetzliche Mindestlohn. Der Wirtschaftsflügel der Union muss die Koalitionsvereinbarung schlucken.

ARCHIV - 23.04.2012, Hamburg: ILLUSTRATION - Ein Aufkleber mit der Aufschrift "Ich bin es Wert" ist während eines Warnstreiks auf der Wange einer Klinik-Mitarbeiterin zu sehen. (zu dpa «Scholz für zwölf Euro Mindestlohn» vom 31.10.2018) Foto: Daniel Bockwoldt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ (KEYSTONE/DPA/Daniel Bockwoldt)
The third grade class W15d pictured during a geography lesson with teacher Tobias Stuedi (standing) at the gymnasium of the Cantonal School Solothurn, Switzerland, on May 15, 2018. The Cantonal School Solothurn consists of a gymnasium, a specialized upper secondary school (Fachmittelschule FMS) and a secondary school (Sekundarschule P), which prepares the pupils for the gymnasium. (KEYSTONE/Christian Beutler)
Bildung

Nach langem Ringen löst sich die CDU 2011 von der Tradition des dreigliedrigen Schulsystems und erklärt sich zur Abkehr von der eigenständigen Hauptschule bereit. Neben dem Gymnasium sollen unter dem Dach einer «Oberschule» Haupt- und Realschulen vereint werden. Als Grund werden sinkende Schülerzahlen genannt.

Doppelpass

Merkel hält 2016 trotz des gegenteiligen Votums eines CDU-Parteitags an der doppelten Staatsbürgerschaft fest. Diese war 2014 mit der SPD vereinbart worden. Demnach können in Deutschland geborene Kinder ausländischer Eltern neben der deutschen auch die Staatsbürgerschaft ihrer Eltern behalten. In der CDU gibt es viele Stimmen, die den Doppelpass abschaffen wollen.

ARCHIV - 06.07.2016, Berlin: Ein britischer und ein deutscher Reisepass. (zu dpa "Bericht: Zahl der Anträge auf deutsche Pässe in Großbritannien steigt" vom 19.10.2018) Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ (KEYSTONE/DPA/Britta Pedersen)