Tidjane Thiam war schon vieles in seinem Leben: Eliteschulabsolvent, Versicherungschef, McKinsey-Berater und eben auch Minister in seinem Heimatland Elfenbeinküste. Und wie gut die alten Reflexe aus der Politik-Vergangenheit noch funktionieren, demonstrierte der CS-Chef am Mittwoch eindrücklich bei seinem ersten Auftritt nach Auffliegen des Bespitzelungsskandals. Die Devise: Alles nur eine Kampagne.

Seine aparte Verschwörungstheorie, die er im vertrauten Französisch im Westschweizer Fernsehen ausbreitete: Seine Probleme hätten begonnen, als er seinen Wunsch nach einem Schweizer Pass geäussert habe. In der Folge seien dann die Attacken gegen ihn im Zuge der Bespitzelungsaffäre «eine Medienkampagne» gewesen.

Nur eine Kampagne?

Nun ja: Als Thiam beim Westschweizer Wirtschaftsblatt «L’Agefi» im Mai seinen Wunsch nach einer Einbürgerung kundtat, gab es keinen Aufschrei. Eher angebracht war Verwunderung: Er lebte nicht einmal vier Jahre in der Schweiz, und die Redaktion liess sich dann auch den Hinweis nicht nehmen, dass eine Einbürgerung erst nach zwölf Jahren möglich sei. Warum dann aber so früh das Signal senden? Kommunikativ ausbaufähig. Und zur Bespitzelung: Es gibt eine Strafanzeige, zwei hochrangige Mitarbeiter mussten gehen, darunter Thiams engster Weggefährte. Nur eine Kampagne?

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Thiam setzt auf die alte Politik-Taktik: Angriff ist die beste Verteidigung. Doch von einem Bankchef erwartet man Fakten, und nicht Verschwörungs-Geraune. Der Aktienkurs hat sich seit seinem Antritt halbiert, und da die Kostenstory erzählt ist, warten die Aktionäre jetzt sehnsüchtig auf die Wachstumsstory, die Thiam schon am Anfang versprochen hatte. Doch er liefert lieber alternative Fakten in Politiker-Manier. Da bleibt nur eine grosse Bitte: Wir wollen endlich den Banker sehen.