Der Einzug in die Palastanlage des Maharadschas von Jaipur könnte glamouröser nicht sein. Von Musikanten, Reitern und Tänzerinnen begleitet fahren die Gäste in festlich geschmückten Kutschen durch Tore, Höfe und Gärten zur Privatresidenz der Fürstenfamilie, wo ein Elefantenpolospiel mit anschliessendem Abendessen wartet. Der 15-jährige Grossfürst lässt sich zwar nicht blicken. Aber sein Cousin ­kredenzt Champagner und zeigt die prächtig ausgestatteten Salons. Gegen gutes Geld, natürlich. Denn die Zeiten, als sich die Maharadschas von Jaipur in Gold und Juwelen aufwiegen lassen konnten, sind längst vorbei. Mit der Unabhängigkeit Indiens verloren die Fürsten ihre Macht und Privilegien, sodass viele von ihnen neue Einnahmequellen suchen mussten.

Allein im Bundesstaat Rajasthan («Land der Könige») dient heute eine ganze Reihe von traumhaften Palastanlagen als ­Museum, Hotel oder Veranstaltungsort. So wurde der auf ­einem Hügel über der Stadt Jodhpur thronende Umaid ­Bhawan Palace aus den 1920er-Jahren in einen privaten und einen öffentlichen Trakt unterteilt. Auf der einen Seite befindet sich der Wohnsitz der Königsfamilie, auf der anderen Seite ein Fünf­sternhotel mit Museum und Restaurant. Betuchte Touristen können hier in einstigen Herrschersuiten schlafen, in vergoldeten Sesseln ruhen und unter einer 32 Meter hohen Kuppel ­wandeln. Und im wunderschönen Art-déco-Hallenbad ist ­mitunter sogar der Maharadscha persönlich anzutreffen.

Königlich schlafen, fürstlich erholen

Nordindiens berühmtestes Luxushotel ist das aus dem18. Jahrhundert stammende «Lake Palace» in Udaipur. Wie eine Zuckertorte liegt der von Maharadscha Jagat Singh II erbaute Sommersitz im Pichola-See. Hinter seinen schnee­weissen Türmen, Terrassen und Erkern verbergen sich Gärten, Höfe, Pools und Gästezimmer. Besonders eindrücklich ist die reich dekorierte «Chandra Prakash Suite», in der der Mahara­dscha 1930 Gericht hielt. Kein Wunder, wurde das Traumschloss häufig als Filmdrehort gewählt, unter anderem für den James-Bond-Streifen «Octopussy». Verständlich auch, dass die Liste berühmter Gäste lang ist. Selbst Königin Elisabeth II. soll hier logiert haben. Nur schade, dass manchmal lärmende ­Reisegruppen die gediegene Atmosphäre stören. In solchen Fällen empfiehlt sich der Rückzug auf die Dachterrasse, wo abends ein Galadinner serviert wird. Der Blick auf den beleuchteten Ort ist fantastisch. Direkt am Ufer steht der mehr als 400-jährige Stadtpalast, dessen mächtige Mauern nebst den Privat­gemächern der königlichen Nachfahren zwei Hotels und ein Museum umfassen. Ein Besuch der prunkvollen Räume und auserlesenen Kunstsammlungen verspricht eine faszinierende­ Zeitreise in die märchenhafte Welt früherer Herrscher.

Anzeige

Dass man ein Hotel einrichten kann, ohne seinen Palast der Öffentlichkeit zu opfern, beweist das Konzept des Mahara­dschas von Tehri Garhwal. Das auf einem Hochplateau zwischen den Vorbergen des Himalajas und dem Tal des heiligen Ganges thronende alte Gebäude wird noch immer von den Besitzern bewohnt. Nur der 1910 für den britischen Vizekönig errichtete Anbau wurde umfunktioniert: Er beherbergt die stilvollen Rezeptions- und Aufenthaltsräume des renommierten Wellnessresorts Ananda in the Himalayas. Die modernen ­Gästetrakte, das Restaurant und der 2000 Quadratmeter grosse Spa mit umfangreichem Angebot an ärztlich überwachten ­Ayurveda-Behandlungen befinden sich jedoch einige hundert Meter entfernt zwischen uralten Bäumen, üppigen Blumenbeeten und idyllischen Spazierwegen. Ein idealer Ort für eine Rund­umerholung von Körper, Geist und Seele – sei es nur für ein paar Tage nach einer reich befrachteten Indienreise.

Wohltuender Entzug im Gesundheitspalast

Vana Malsi Retreat Das kürzlich eröffnete Hotel am Rande der Stadt Dehrandun ist eine moderne Wellnessresidenz in der Art eines Luxus-Aschrams. Wer das puristisch konzipierte «Vana Malsi Retreat» betreten will, muss einer Reihe lieb­gewordener Gewohnheiten abschwören. Rauchen und ­Fotografieren ist verboten, Handys und Computer dürfen nur im Zimmer benutzt werden, Kaffee und Süssgetränke sind tabu, Alkohol ist erst nach 19 Uhr zu haben. Alles ist auf Gesundheit ausgerichtet, von den vorwiegend vegetarischen Speisen mit selbstgezogenen Bioprodukten bis zu den beinahe 100 Aktivitäts- und Behandlungsprogrammen. Zugegeben: Der asketische Lebensstil fällt anfangs nicht leicht. Das Resultat ist verblüffend. Nach wenigen Tagen fühlt man sich wie neugeboren.