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Ulf Mark Schneider, CEO von Nestlé.
Quelle: Gian Marco Castelberg / 13 Photo

PersonMark Schneider

An Mark Schneider lässt sich demonstrieren, dass der Mann an der Spitze eben doch einen Unterschied macht. Und dass Wirtschaft auch eine Menge Unterhaltungswert zu bieten hat. Denn schon satte vier Jahre amtet Schneider als CEO beim Nahrungsmittelkonzern Nestlé – und es kommt Beobachtern immer noch vor, als habe er gerade erst angefangen. Zumal immer wieder neu die Kadenz frappiert, mit der Schneider kleine, wendige Firmen übernimmt und dafür angestammte Grossbereiche abstösst wie das Süssigkeiten- und Wassergeschäft in den USA. Schneider investiert konsequent in langfristig wachsende Trendgeschäfte wie Kaffee, vegetarischen Fleischersatz, gesundheitsfördernde Nahrung oder Lieferdienste, die Fertiggerichte an die Haustür bringen; in den USA und Grossbritannien legte sich Nestlé im November im Abstand von nur wenigen Tagen jeweils einen solchen Lieferdienst zu.

Schneider konzentriert Nestlé auf das Segment Nahrungsmittel – als Wunschkandidat des abgetretenen Verwaltungsratspräsidenten Peter Brabeck war von Schneider erwartet worden, den Konzern eher in Richtung kosmetisch-pharmazeutische Wirkstoffe weiterzuentwickeln. Doch zu einem Konflikt mit Paul Bulcke, seinem Vorgänger als CEO und Brabecks Nachfolger als Präsident, der eher fürs Kerngeschäft steht, liess es Schneider nicht kommen; zwischen die beiden passt kein Blatt Papier. So hat Nestlé auch den Angriff des New Yorker Hedge-Fund-Raiders Dan Loeb problemlos pariert und mit erstaunlicher Geräuschlosigkeit die halbe Führungsriege umgebaut. Das Resultat von Schneiders Aufräum- und Auffrischungsarbeiten sind die Rückkehr zu Wachstumsraten, die zuvor kaum noch möglich schienen, und ein Höhenflug des Börsenkurses, dem auch Corona nicht nachhaltig schaden konnte.

Gelernt hat Schneider, dem ein trocken-technokratisches Image anhaftet, auch ein wenig von der Kunst der Selbstvermarktung. Seine Fähigkeiten beim «Bauen» eines morgendlichen Smoothies aus Früchten und Gemüse kommen in Interviews regelmässig zur Sprache.

Vor Nestlé baute der Deutsche dreizehn Jahre lang den Gesundheitskonzern Fresenius als CEO um und aus; die Kombination aus organischem Wachstum und gelungenen Zukäufen wiederholt er nun in Vevey bei Nestlé. Die Schweiz kannte er bereits vom Wirtschaftsstudium samt Doktorat in St. Gallen. Er lebt am Genfersee, ist mit einer Rechtsprofessorin verheiratet und hat eine kleine Tochter.

(Stand: Dezember 2020)

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