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Ulf Mark Schneider, CEO von Nestlé.
Quelle: Gian Marco Castelberg / 13 Photo

PersonMark Schneider

Beobachter reiben sich die Augen: Nestlé verblüfft wieder mit Ausreissern nach oben im Geschäft. Zu verdanken ist das primär Mark Schneider, der 2017 vom Medizinalkonzern Fresenius nach Vevey wechselte. Bei seinem Amtsantritt notierte Nestlé noch bei gut 70 Franken, Anfang November 2021 kletterte die Aktie über sagenhafte 120 Franken.

In den ersten Schneider-Jahren war Nestlé noch von schwachem Wachstum beschwert, kämpfte mit der anschwellenden Diskussion um Wasserentnahmen für ihre diversen Flaschenwassermarken und laborierte an einer Strategielücke zwischen dem klassischen Lebensmittelgeschäft und neuen Feldern, die sich Richtung Hautpflege bis hin zu Sonnenschutz und ästhetisch-dekorativen Produkten erstreckten – ein Steckenpferd des früheren Nestlé-Grossmeisters Peter Brabeck. Doch Schneider hielt sich nicht mit Traditionspflege auf und verkaufte dieses Geschäft namens Skin Health im Mai 2019 zu einem Fabelpreis von über zehn Milliarden Franken.

Zeitgleich konzentrierte er den Konzern auf die klassischen Bereiche: Lebensmittel, Tierfutter, Kaffee und Ernährung mit gesundheitlichem Zusatznutzen – also auf Dinge, die von vorne eingenommen werden, wenn man so will. Doch «klassisch» bedeutet in diesem Fall nicht «traditionell»: Schneider trieb dem Konzern, der in seinen weit verästelten Einzelmärkten schon immer schlagkräftig, insgesamt aber eher behäbig agierte, seine Schwerfälligkeit aus. Klein- und Kleinstfirmen ergänzten das Portfolio, etwa bei Kaffee und gesünderen, naturnäheren Nahrungsmitteln, zuletzt schnappte sich Nestlé für fast sechs Milliarden den US-Vitaminhersteller Bountiful, die Entwicklungszeit für neue Produkte wurde drastisch verkürzt, eine umweltfreundlichere Produktion samt Verpackungen eingeführt, Problembereiche wie die US-Geschäfte mit Süsswaren oder Wasser verkauft.

Und so addieren sich allmählich neue Trendprodukte, neue Achtsamkeit und ein kräftiges Durchschütteln des Managements, sichtbar an neu aufgeteilten weltweiten Marktzonen, zu Wachstumsraten oberhalb der eigenen Prognosen und oberhalb der Erwartungen der Analysten. Schneider, der immer noch frisch wirkt, aber Anfang 2022 schon sein Fünfjähriges als CEO feiert, hat Nestlé Beine gemacht. Und da dürfte noch viel mehr kommen.

(Stand: Dezember 2021)

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