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Ralph Hamers, new CEO of Swiss Bank UBS, during a press conference in Zurich, Switzerland, Thursday, February 20, 2020. Dutchman Ralph Hamers will replace Sergio Ermotti, who is still UBS boss, on November 1, 2020. (KEYSTONE/Walter Bieri)
Quelle: Keystone

PersonRalph Hamers

Für die Krawattenindustrie ist der Mann ein Albtraum. Auch bei seinem ersten Video an die UBS-Belegschaft Anfang November galt die Maxime: bloss kein Binder. Wie bei seinem langjährigen Arbeitgeber ING wählte Ralph Hamers die direkte Ansprache mit zwei offenen Hemdknöpfen. Auch inhaltlich konzentrierte er sich auf ein Thema, das er bei der holländischen Grossbank permanent predigte: «Agil» und «flexibel» lauteten die prägenden Adjektive seiner Botschaft, zusammen mit dem ebenso trendigen Bekenntnis zum «Purpose». Mit grossen inhaltlichen Ankündigungen hielt er sich noch zurück, doch das gilt eher als positives Signal: Langzeit-Chef Sergio Ermotti verliess die Bank Ende Oktober mit starker Abschlussnote, und sich in die Verästelungen des weiten 70 000-Mitarbeiter-Konzerns einzuarbeiten, braucht Zeit.

Der 54-Jährige stammt aus dem Klosterstädtchen Simpelveld im südlichsten Zipfel der Niederlande, nahe an der belgischen und deutschen Grenze. Sein Bruder Frank ist Leiter des Bistums Roermond, er selbst bezeichnet sich als gläubigen Katholiken. Mit seiner Frau Patricia ist er im Sommer ins steuermilde Zug gezogen, die beiden Kinder studieren in Holland und den USA.

Insgesamt 29 Jahre verbrachte er nach dem Ökonometrie-Studium bei ING, für Banker eine Ewigkeit. Als er 2013 zum CEO berufen wurde, war er nicht einmal Mitglied der Konzernleitung. Er stiess den Versicherungsteil ab, verschlankte den Konzern massiv und digitalisierte die Vertriebskanäle. Hier wird auch bei der UBS sein Fokus erwartet, auch wenn die Bank stets hervorhebt, wie weit sie bei der Digitalisierung schon sei. Im Retailgeschäft mag das stimmen, hier steht vor allem ein Abbau des Filialnetzes bevor. Die grössere Herausforderung bleiben das Kerngeschäft Vermögensverwaltung und die Eroberung der Kundenklasse ab zwei Millionen Franken – dafür braucht es neue digitale Konzepte.  

Und bei aller willkommener Zurückhaltung zum Start: Bald schon muss er ein Zeichen setzen, um die ehrgeizigen Mitstreiter in der Konzernleitung in Schach zu halten. Erwartet werden eine Verschlankung des Corporate Centers sowie eine Machtverlagerung an die Front. Und natürlich eine Kostensenkung. Da bietet sich eine einfache Methode an: Dass der Bonuspool der Grossbank angesichts der tristen Aktienperformance noch immer mehr als drei Milliarden Franken wiegt, ist selbst bis weit in bürgerliche Kreise hinein ein Ärgernis. Wenn er hier ein Zeichen setzt, inklusive seines eigenen Salärpakets, würde Hamers mit einem Schlag Sympathiepunkte sammeln.

(Stand: Dezember 2020)

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