Erst kurz vor der Niederlande-Wahl kommt es zum Zweikampf des Premiers Rutte mit dem Rechtspopulisten Wilders. Es kommt zum Schlagabtausch. Beide fühlen die Konkurrenz im Nacken.

Wie zwei Matadore betraten sie die Arena zu ihrem allerersten TV-Duell: Der rechtsliberale Ministerpräsident Mark Rutte und der Rechtspopulist Geert Wilders, die Nummer eins und zwei in den Umfragen vor der Parlamentswahl am Mittwoch.

Ein Schauspiel war es sicher am Montagabend in Rotterdam: der blond gefärbte Wilders gegen den dunkelhaarigen Rutte. Beide zeigten sich schlagfertig und streitbar. Sie stammen aus derselben politischen Familie. Wilders hatte 2004 mit der rechtsliberalen VVD - Ruttes Partei - gebrochen.

Aber es gibt einen wesentlichen Unterschied: Der eine, Rutte, ist Premier und pochte sehr deutlich auf seine Führungsqualitäten. Die hatte er nach Ansicht von vielen zuletzt in der Krise mit der Türkei deutlich bewiesen. Der andere aber, Wilders, steht seit 14 Jahren im politischen Abseits und dominiert doch mit schärfsten Parolen die Debatte. Die Niederlande müsste aus der EU treten, rief er jetzt. «Wir müssen wieder Herr im eigenen Land werden.»

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Bizarrer Wahlkampf

In diesem nach Sicht aller Beobachter bizarren Wahlkampf geht es eigentlich nur um eine Frage: Wie gross wird Wilders' Partei für die Freiheit PVV? Auch wenn ausgeschlossen ist, dass er Ministerpräsident wird, könnte er bei einem Sieg grossen Einfluss auf die niederländische Politik haben.

Sowohl Rutte als auch Wilders hatten den Wahlkampf von Anfang an als einen Zweikampf inszeniert. Dazu aber war es bislang nicht gekommen. Im Gegenteil. Ruttes VVD stagniert bei etwa 16 Prozent und Wilders verliert in den Umfragen und steht nun mit rund 13 Prozent auf Platz zwei. Die übrigen Parteien holten dagegen deutlich auf. Nur die Sozialdemokraten, Ruttes bisheriger Koalitionspartner, stehen vor der grössten Niederlage ihrer Geschichte.

Hälfte der Wähler unentschlossen

Wer die Wahl gewinnt, ist noch offen. Daher stand für Rutte und Wilders bei diesem TV-Duell viel auf dem Spiel. Denn noch immer sind mehr als die Hälfte der Wähler unentschlossen, wem sie ihre Stimme geben sollen.

Es gehe um eine «Absage an den falschen Populismus» hatte Rutte die Wähler beschworen und sich als seriöse Alternative zu Wilders' Kurs gegen Muslime und gegen Europa präsentiert. Dabei setzte der 50 Jahre alte, sonst so optimistisch lachende Premier auf dieselben Botschaften wie sein grosser Kontrahent.

In seitengrossen Zeitungsanzeigen hatte er «allen Niederländern» ein hartes Vorgehen gegen Migranten versprochen, die sich nicht an niederländische Werte und Normen hielten: «Verhalte dich normal oder geh weg!»

Wilders spielte das Spiel nicht mit

Doch die Wahlkampfstrategie der VVD fiel zusammen wie ein Soufflé, das zu früh aus dem Ofen kommt. Wilders spielte das Spiel nämlich nicht mit. Er sagte die meisten TV-Debatten ab. Interviews gibt er sowieso höchst selten. Sein liebstes Medium ist und bleibt Twitter.

Diese Strategie aber kostet dem 53 Jahre alten Abgeordneten Stimmen. Noch bis Januar war der Islamgegner unangefochten die Nummer eins in den Umfragen gewesen. Doch seit einigen Wochen verliert die PVV.

Unholländisch kompromisslos

Wilders kann sich nur schwer als Rechtsaussen profilieren, wenn der Premier einen ähnlich straffen Kurs fährt. Das wurde nun in der diplomatischen Krise mit der Türkei überdeutlich. Schon fast unholländisch kompromisslos hatte Ruttes Regierung die türkischen Minister abgewiesen, die in den Niederlanden Wahlkampf für ihre Verfassungsänderung führen wollten.

Jetzt muss Wilders alles tun, um seine Stammwähler bei der Stange zu halten. Immer mehr aber haben den Eindruck, dass eine Stimme für ihr Idol eine verlorene Stimme ist. Denn alle etablierten Parteien schliessen eine Zusammenarbeit mit der PVV aus. Auch Ministerpräsident Rutte sagte ihm das jetzt mitten ins Gesicht: «Nie. Never. Nie.»

Wilders spielte den beleidigten Calimero und drohte bereits mit einem «Aufstand» seiner Wähler, sollte er bei einem Wahlsieg nicht an der Regierung beteiligt werden. Doch das zieht bei Rutte sicher nicht. Seine erste Minderheitsregierung war 2012 nach nur 18 Monaten gescheitert, weil Wilders die Zusammenarbeit aufgekündigt hatte. Das hat ihm Rutte nie verziehen.

(sda/ccr)

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